12.02.2018, 10:18 Uhr

Omar Sarsam: "Im Spital ist Lachen erlaubt!"

Omar Sarsam auf der Bühne des Kabarett Niedermair.

Der Donaustädter Kinderchirurg Omar Sarsam, der sowohl in der Leopoldstädter Castellezgasse als auch am Döblinger Sonnbergplatz eine Praxis hat, steht mit seinem dritten Kabarettprogramm "Herzalarm" im Kabarett Niedermair auf der Bühne.

Sie sind Arzt und Kabarettist. Wie bezeichnen Sie sich spontan?
OMAR SARSAM:
Als Arzt und Kabarettist, beides. Ich bevorzuge keinen der beiden Berufe. Arzt war mein Wunschberuf. Mein Großvater war Arzt, eine Generation wurde übersprungen.

Wie kamen Sie vom Operationstisch zum Kabarett?
Über Umwege. Musik war immer schon ein großes Thema in meinem Leben. Meine Großmutter hatte ein Klavier, das noch von ihrer Mutter war. Ich konnte kaum über die Klaviatur schauen, klimperte ich schon leidenschaftlich herum - mit viel Pedal, damit es schön hallt. Ich wurde als Sechsjähriger gemaßregelt, dass ich zu laut klimpere und nun steht das Klavier in meiner Wohnung und ich maßregle seit einem Jahr meinen jetzt siebenjährigen Sohn, weil er zu laut klimpert!

Wie ging´s von der Oma in die Hitparade?
Ich habe immer nebenher Musik gemacht. Als Student war sogar kurz ich Schlagzeuger in einer Punkband. Ich war ganz, ganz schlecht, aber immer noch der beste in der Band! Ein Studienkollege war in einer Musicalgruppe und hat gemeint: `Mach doch mit.´. Allerdings musste ich feststellen, dass ich, wenn ich versuche zu tanzen, Schadenfreude in die Herzen der Menschen bringe. Ich habe mich dann einer tanzfreien Improvisationstheatergruppe angeschlossen. Beim Versuch Rollen ernst zu spielen, habe ich bemerkt: Je ernsthafter ich spiele, desto mehr lacht das Publikum - und genau das hat mich glücklich gemacht!

Also sind Sie endgültig beim Kabarett gelandet.
Ja, ich mag diese Energie, dieses gegenseitige Aufschaukeln.
Wenn ein Kabarettabend so gut läuft, wie er soll, dann gehen das Publikum und ich ein kleines bisschen glücklicher nach Hause als wir vor dem Abend waren.

Wie kam es dann zur Gründung der "Discoparty Brothers" und dem Hit "Disco, Disco, Party, Party"?
Das entstand ganz nebenbei. Mit Marc Bernhuber habe ich bereits zusammengearbeitet und der Text zu Disco, Disco entstand im Café Latte in der Neubaugasse. Wir haben den Song dann bei mir daheim - ich hatte zu der Zeit noch ein Tonstudio - im Regieraum, nicht im Studioraum, schnell aufgenommen - mit einem billigen Mikrofon, unsauber eingespielt.

Trotzdem wurde der Song ein Hit und über 16 Millionen mal auf Youtube angeklickt. Wie erklären Sie sich den Erfolg?
Ich habe keine Ahnung! Es gibt sogar ein Zehn-Sekunden-Video von Justin Bieber, wo er im Auto sitzt und mitsingt. Ich habe wirklich keine Idee, woher er den Link hat!

Hatten Sie Angst, dass Sie von Ihren Medizinerkollegen als Youtube-Star und Kabarettist nicht mehr ernst genommen werden könnten?
Nein, nachdem ich ein wahnsinnig guter Arzt bin (lacht), nein im Ernst: Es gab fast ausschließlich positive Reaktionen und meine Kollegen hatten nie ein Problem damit. Als Kinderarzt ist Humor allerdings auch sehr gefragt. Ich konnte mir im Umgang mit Kindern auch viel von den Cliniclowns und den Roten Nasen abschauen. Im Spital ist lachen erlaubt!

Wo nehmen Sie Ihre Inspirationen her? Beruhen die Gags auf wahren Begebenheiten?
Ich hole sie zum Großteil aus der Wirklichkeit auf die Bühne. Zum Beispiel habe ich festgestellt, dass Unfallchirurgen besonders entspannte Ärzte sind. So entstand die Figur des Unfallshaggy, der so entspannt ist, dass er sich in seinem eigenen Auto auf die Rückbank setzt und sich fragt, wo das Lenkrad ist. Wahrscheinlich sind Unfallchirurgen deshalb so coole Typen, weil sie so schlimme Sachen sehen, dass sie in ihrer `Normalzeit´nichts mehr aus der Ruhe bringt. Im Gegensatz dazu ist es vielleicht so, dass wenn jemand von den täglich durchschnittlich 16 wachen Stunden zehn mit Entspannung verbringt, die verbleibenden 6 "normalen" Stunden als überdurchschnittlich belastend wahrgenommen werden.

Was ewartet die Besucher ihres neuen Programms `Herzalarm´im Kabarett Niedermair?
Zweimal 45 Minuten mit viel Musik, etwas mehr nach der Pause, da das Publikum im zweiten Teil müder ist. Ich spiele Gitarre, Keyboard und habe meine Loopstation mit. Das Programm selbst bleibt verspielt.

Haben Sie Lampenfieber?
Nur bei der Premiere, bei der 150. Aufführung nicht mehr. Ich mache vor dem Auftritt 21 Liegestütze - ich habe da so meine Rituale. So streng naturwissenschaftlich ich als Arzt bin, so abergläubisch bin ich auf der Bühne.

Sie machen sich auch gern über ausländische Akzente lustig. Sind Sie mit Ihren teilweise irakischen Wurzeln bei politisch unkorrekten Scherzen im Leo?
Vielleicht. Aber ich lache wahnsinnig gern über Etwas, wo man nicht weiß, ob man darüber lachen darf. Das ist ungezogen und kindlich. Kritisch stehe ich politischer Korrektheit als Ersatz für Moral gegenüber. Hinter politischer Korrektheit kann man sehr gut eine moralisch verwerfliche Meinung verstecken - Solange die verbale Fassade stimmt. Da bevorzuge ich eher ein verbales Ghetto mit überlegten Werten dahinter.

Zur Person

Omar Sarsam wurde 1980 in Wien geboren und ist ein Kinderchirurg und Kabarettist. 2010 gründete er mit Marc Bernhuber die Band "Discoparty Brothers", deren Lied "Disco, Disco, Party, Party" auf youtube über 16 Millionen mal angeklickt wurde. Derzeit steht Sarsam mit seinem dritten Soloprogramm "Herzalarm" auf der Bühne des Kabarett Niedermair.
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