28.11.2016, 10:31 Uhr

SMZ-Ost: Die Ärzte sind nun am Wort

Die Schließung der Augenabteilung bringt viele Fragen. (Foto: Foto: Wikipedia)

Die geplante Schließung der Augenabteilung im Donauspital stößt auf wenig Gegenliebe bei den Ärzten.

DONAUSTADT. Eine Augenärztin im SMZ-Ost, die anonym bleiben möchte, schildert die Situation als teilweise chaotisch. Bereits jetzt würden täglich Patienten anrufen, die unsicher sind, ob es die Augenabteilung überhaupt noch gibt. Die Aussage einer älteren Dame, die bereits seit vielen Jahren im SMZ-Ost behandelt wird, zeigt, wie sehr sich viele Patienten vor dem Aus fürchten: "Lieber werde ich blind, bevor ich in die Rudolfstiftung fahren muss."

Laut Ärzten ist gerade für ältere Patienten die Verlegung eine Katastrophe, da in der Rudolfstiftung die öffentliche Anbindung nicht so gut sei wie beim Donauspital. Dazu käme, dass die Augenabteilung im SMZ-Ost auch eine Bettenstation beinhalte, um Patienten nach Augenoperationen stationär beobachten zu können. In der Rudolfstiftung wäre die medizinische Versorgung schon jetzt teilweise nicht ausreichend gewährleistet. "In einigen Abteilungen müssen die Patienten bereits auf dem Gang schlafen. Also, wie sollen weitere tausende Patienten dort behandelt werden?", so die Ärztin.

Folgen für Patienten und Ärzte

Auch für werdende Eltern bedeute die Verlegung einen großen Einschnitt. Die Ärztin meint dazu: "Wir haben eine hervorragende Frühchenstation im SMZ-Ost. Mit der Schließung der Augenabteilung fällt auch die Augenbehandlung zu früh geborener Babys weg. Diese müssen dann mit Schläuchen und im Brutkasten in ein anderes Spital gebracht werden. Wohin genau steht derzeit in den Sternen." Genauso verhält es sich mit Unfallpatienten, die im Fall einer Augenverletzung nicht mehr in dem Ausmaß versorgt werden können. "Gerade zu Silvester haben wir zahlreiche Opfer von Feuerwerksunfällen, die teilweise sogar operiert werden müssen. Das fällt dann auch weg." Auch hinsichtlich der eigenen Arbeitsplätze herrscht bei den Ärzten im Donauspital Unklarheit. "Es gab zwar bereits Gespräche mit dem Krankenanstaltenverbund, bei denen wir auch gefragt haben, ob bzw. wer in die Rudolfstiftung mit abwandert. Doch wir haben keine klaren Antworten erhalten." Aus dem Büro von Gesundheitsstadträtin Wehsely heißt es dazu, dass es derzeit noch keine genauen Entscheidungen bezüglich des Personals gebe.

Sonja Wehsely reagiert

Hinsichtlich der 16.000 Unterschriften, die von Ruth Hufnagl und Margarete Wojta für den Erhalt der Abteilung gesammelt wurden, zeigt sich die Ärztin dankbar. "Wir freuen uns sehr, dass sich Patienten so für die Abteilung und damit auch für uns einsetzen."

Die Übergabe der Unterschriften an Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely soll laut Wehsely in jedem Fall stattfinden. Diese verteidigt die Abwanderungspläne in einem ausführlichen Statement auf ihrer Facebookseite. Darin heißt es unter anderem: "Es wird die konsiliaraugenärztliche Versorgung auch weiterhin in allen Spitälern geben, so auch im Donauspital, auch wenn dort keine Augenstation mehr ist." Einem möglichen Augenambulatorium in Floridsdorf hätten bereits sowohl die Stadt als auch die Wiener Gebietskrankenkasse zugestimmt. Lediglich die Ärztekammer lege sich hier noch quer.


Vier Standorte in Wien

Die Gesundheitsstadträtin verweist außerdem darauf, dass es zukünftig insgesamt vier Standorte für die Augenheilkunde in Wien geben werde: Rudolfstiftung, AKH, Barmherzige Brüder und das Hanusch-Krankenhaus. Wohl nur ein schwacher Trost für alle Patienten und deren Ärzte jenseits der Donau.
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