23.10.2017, 15:52 Uhr

Bezirk Gänserndorf: Der Weg in Europas Zentrum

Herbert Nowohradsky 2005 bei der Eröffnung der Brücke in Hohenau. Rechts im Bild LH-Stellvertreterin Karin Renner. (Foto: z.V.g. H. Nowohradsky)
BEZIRK GÄNSERNDORF. Wo 1989 noch Grünland war, steht heute die Kurklinik Bad Pirawarth, wo man bis 1989 nur ans andere Ufer schauen konnte, führen heute Brücken über die March. Wie das ganze Bundesland hat sich auch der Bezirk Gänserndorf seit dem Fall des Eisernen Vorhangs entwickelt.

Shoppen in beide Richtungen

Herbert Nowohradsky, damals Bürgermeister von Palterndorf-Dobermannsdorf, später zweiter Landtagspräsident, erinnert sich an die ersten sichtbaren Veränderungen: "Die Leute auf beiden Seiten waren neugierig, viele Gänserndorfer sind ,rüber' gefahren, um Lebensmittel zu kaufen, bei uns boomten die Elektrogeschäfte, die Firma Duch aus Zistersdorf hatte sogar einen mobilen Stand an der Grenze."
Nowohradsky hatte sich zudem erfolgreich darum bemüht, das Sprachkompetenzzentrum des Landes nach Deutsch-Wagram zu bringen. Heute wird in fast allen Kindergärten und auch in Volksschulen in den Grenzorten Tschechisch- und Slowakisch-Unterricht angeboten.
Aus dem „Grenzlandmanagement“ mit Hermann Hansy wurde das „Weinviertel Management“, das unzählige grenzüberschreitende Projekte abwickelte, in den vergangenen Jahren mit einem Projektvolumen von 2,3 Mio. Euro.

Tourismus & Gesundheit

Seit 1989 sind einige große Projekte im Bezirk entstanden, allen voran der Nationalpark Donau-Auen, 1990 beschlossen und 1996 gegründet. Das Nationalparkzentrum in Orth existiert seit 2005 – mit hoher Förderung der EU.
2002 wurde die Marchfeldschlösser Revitalisierungs-und Betriebsges.m.b.H gegründet, um Schloss Hof vor dem Verfall zu retten. "Die Marchfeldschlösser haben sich bestens etabliert und sind gut gerüstet für eine hoffentlich bei uns stattfindende Landesausstellung", meint Nowohradsky mit Blick auf die touristische Zukunft der Region. Zu den Touristenhighlights gehört zweifelsfrei auch das Museumsdorf Niedersulz, das sich zum Zentrum für Volkskultur in NÖ entwickelt hat.
In der Bezirkshauptstadt wurde 2000 die Tagesklinik eröffnet. Nowohradsky: "Die Erwartungshaltung war zu groß, viele wollten ein Spital, mittlerweile gibt es an fast allen Standorten von NÖs Spitälern Tageskliniken nach dem Vorbild Gänserndorfs. Die Entscheidung war richtig, da der Trend hin zu Spezialkliniken geht."
Weitere Projekte: 1998 Klinik Bad Pirawarth, 2005 Brücke Hohenau, 2008 HTL Zistersdorf, 2012 Radbrücke Schloss Hof.

3 Fragen an...
...Herbert Nowohradsky, 2. Landtagspräs. a.D.

Was war Ihr erster Gedanke, als der Fall des Eisernen Vorhangs Realität wurde?
Wir haben Verwandte in Brünn, die wir schon in der Zeit des Prager Frühlings besuchen konnten, „nun wird es wesentlich leichter“.
Was waren die ersten sichtbaren Veränderungen?
Einkaufsfahrten in beide Richtungen, hier Elektro- und Haushaltsgeräte, und „drüben“ Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs.
Was enttäuscht Sie 28 Jahre nach der Grenzöffnung?
Es ist nicht gelungen, einen für Wirtschaft, Tourismus und Personenverkehr wichtigen Grenzübergang zu schaffen.
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