13.06.2017, 08:53 Uhr

Mannsdorf: Wohnhaus wird Laufhaus

Der Stein des Anstoßes. Das über 40 Jahre alte sanierungsbedürftige Objekt war jahrzehntelang Büro- und Wohngebäude.

Ein streitbarer Unternehmer will in der kleinen Donaugemeinde ein - für die Ortschaft - neues Geschäftsmodell etablieren.

MANNSDORF (up). Für Bürgermeister Windisch ist es eine Drohung, für den Besitzer einer Liegenschaft in Mannsdorf ein reales Szenario: Mannsdorf soll ein Laufhaus bekommen.

Langjähriger Streit mit Gemeinde als Motivation?

Den Plänen liegt ein langer Streit zwischen einem Unternehmer und der Gemeinde zugrunde. Der Geschäftsmann hatte das Objekt auf einem Areal im Gesamtumfang von 7000 Quadratmetern im Zuge des Konkurses der Baufirma Lorenz vor 20 Jahren um eine Million Schilling ersteigert. Zu diesem Zeitpunkt wurde dieses zum einen als Betriebsgebäude, zum anderen als Wohnhaus für Mitarbeiter der Baufirma genutzt - und das bereits seit über 20 Jahren.

2014 erhielt der Neubesitzer, der das Objekt an den Vorbesitzer, die Firma Lorenz, vermietet hatte, von der Gemeinde einen Abbruchbescheid. "Man teilte mir mit, das Haus stehe auf Bauland Betriebsgebiet, sei somit nicht für Wohnungen gewidmet, die Mieter würden illegal in dem Objekt leben", sagt der Unternehmer, der versuchte, eine Umwidmung zu erwirken. Jedoch vergeblich, die Mieter mussten das Haus räumen.

Linzer Laufhaus-Betreiber

"Über einen Mitarbeiter habe ich erfahren, dass ein Linzer Laufhaus-Betreiber Interesse an dem Objekt hat. Ich habe bereits mit ihm Kontakt aufgenommen und mich am Bauamt erkundigt: das Projekt ist bewilligungsfähig", teilt der Liegenschafts-Besitzer mit.

Bürgermeister Christoph Windisch bleibt gelassen: "Das sind leere Drohungen. Ich wünsche ihm Millionen Euro Gewinn, aber dass das Laufhaus bewilligungsfähig ist, ist nur seine Interpretation." Die Geschichte des Objekts ist allerdings doch recht verzwickt. Als es vor über 40 Jahren errichtet worden war, existierten noch keine Flächenwidmungspläne.

Sonderform "gemischtes Bauland Wohn- und Betriebsgebiet"

Im Bauakt - der für die Behörde die Rechtsgrundlage bildet - gibt es bis dato nur für eine Wohnung eine Bewilligung, wohl aber liegt ein Gutachten eines gerichtlich beeidigten Sachverständigen aus dem Jahr 1996 vor, das im Zuge des Lorenz-Konkurses erstellt worden war. In diesem werden mehrere Wohnungen und die Fläche als "gemischtes Bauland Wohn- und Betriebsgebiet" angeführt. Eine Bezeichnung, die in Niederösterreich de facto nicht existierte.

Laut Windisch wurden nach dem Erwerb des Orther Unternehmers weitere Wohnungen errichtet. Wie viele tatsächlich vor 1996 existierten, ist ihm nicht bekannt.

Der Ortschef erklärt auch, warum man die Umwidmung auf Bauland Wohngebiet abgelehnt hatte. "Wir fürchteten, dass der Grundbesitzer Wohnblocks in für Mannsdorf viel zu großen Dimensionen errichten würde und forderten konkrete korrekte Baupläne ein, die er jedoch nicht lieferte."

Mietrechtsgesetz

Verwirrend ist auch die rechtliche Situation für die Mieter. Erstens muss sich der Mieter laut Gesetz informieren, ob die Wohnung korrekt gewidmet ist. Bei falscher Widmung kann der Mieter selbst belangt werden. Zweitens darf laut Meldegesetz die Behörde - in diesem Fall die Gemeinde - niemandem, der darum ansucht, den Wohnsitz verwehren. Drittens darf das Meldeamt aus Datenschutzgründen nicht über baubehördliche Daten Auskunft geben.
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