Schneekugel aus Hernals für US-Präsidenten

Im Museum gibt es hunderte Schneekugeln – viele davon sind Unikate.
  • Im Museum gibt es hunderte Schneekugeln – viele davon sind Unikate.
  • Foto: Swennen
  • hochgeladen von Monika Kickenweiz

(us). Die Schneekugeln von Perzy bringen nicht nur zur Weihnachtszeit die Augen von Groß und Klein zum Leuchten: Der amerikanische Ex-Präsident Clinton hatte eine in seinem Oval Office, gefüllt mit den Original-Konfetti seiner Wahlsiegparade. Und sie sind in Japan genauso beliebt wie in Australien. An die
2.000 unterschiedliche Motive wurden seit ihrer Erfindung durch Firmengründer Erwin Perzy I. um 1900 angefertigt, viele davon nur ein einziges Mal. Das Verfahren dafür ist sehr aufwändig, denn es muss für jede Spritzgussform in Handarbeit ein eigenes Werkzeug angefertigt werden. Doch eigentlich war die erste Schneekugel beinahe ein Zufallsprodukt.

Der Enkel des Firmengründers, Erwin Perzy III., erzählt sie gerne und immer wieder bei seinen Führungen durch das hauseigene Schneekugelmuseum, das allen Interessierten nach Voranmeldung zur Besichtigung
offensteht. Außer im Advent, denn da ist Hochbetrieb und es wird von Montag bis Sonntag durchgearbeitet. Schließlich wollen alle Kunden noch rechtzeitig vor Weihnachten oder Silvester „ihre“ Schneekugeln, den ebenfalls originalen „Silvesterguss“ und die hauseigenen Glücksbringer haben. Doch der Reihe nach. Erwin Perzy I. kam 1876 in Favoriten zur Welt. Er war von Beruf Chirurgieinstrumenten-Mechaniker und Erfinder. In einer kleinen Werkstatt im Haus der Eltern konnte er an seinen Metalllegierungen experimentieren, erfand „nebenbei“ eine leicht schmelzbare Rezeptur für den bis heute berühmten „Perzy-Silvesterguss“ und arbeitete an der Verbesserung der Beleuchtung für Operationssäle. Dazu verwendete er eine Schusterkugel, einen mit Wasser gefüllten Glasballon, der den Schustern als Lupe diente. Um noch mehr Lichtreflexionen zu erhalten, streute er verschiedene Materialien ins Wasser der Kugel. Einmal war es Grieß aus der mütterlichen Küche – und es begann im Glas zu schneien. Die Schneekugel war geboren. Das erste Motiv, gegossen aus Metall, war die Wallfahrtskirche von Mariazell: ein sofortiger Riesenerfolg. Um 1900 gründete er mit seinem Bruder die Manufaktur Perzy, die bis heute die echten Wiener Schneekugeln herstellt.

Seit damals hat sich einiges geändert: Handarbeit wird noch immer großgeschrieben, was dem gelernten Werkzeugmacher und heutigen Firmeninhaber Erwin Perzy III. besonders wichtig ist. Die schönste Arbeit sei, so
Erwin Perzy III., das Entwerfen neuer Objekte und Werkzeuge. „Die neueste Kugel ist immer mein besonderer Liebling. Ich mag diese kreative Handarbeit bis zum perfekten Endergebnis.“ Und auch seine Tochter Sabine, die nach ihrer kaufmännischen Ausbildung jetzt auch die Werkzeugmacherlehre abschließt, ist bereits mit viel Liebe bei der Arbeit im Betrieb. Gerade hat sie einen winzigen Gugelhupf gefertigt, der beim Schütteln der kleinen Glaskugel ganz lieb mit „Zucker“ bestreut wird. „Unser Schnee ist nach ‚Galileo‘ eines der sieben größten Produktionsgeheimnisse weltweit, so wie beispielsweise die Rezeptur für Coca Cola“, erklärt Perzy III. stolz. Und: „Unsere Schneekugeln erkennt man gegenüber billiger Fernostware auch daran, dass es bis zu zwei Minuten lang drinnen wirklich schneit!“ Nein, Plagiate machen dem Enkel von Erwin Perzy I. keine Sorgen. Er weiß um die Qualität seiner Produkte, schätzt die kompakte Größe des Familienbetriebes und will unabhängig bleiben.

Zur Vorweihnachtszeit ist zwar das Wiener Schneekugelmuseum geschlossen, es gibt aber ab 26. November den „Advent im Schneekugelland“. Während der Öffnungszeiten von 9 bis 18 Uhr, auch an Samstagen und Sonntagen, können sich die Besucher bei hausgemachtem Punsch, ganz ohne Instant-Würze, wie der Hausherr betont, und der gemütlichen Atmosphäre in Haus, Hof und Werkstätten bezaubern lassen.
Infos: www.viennasnowglobe.at und www.schneekugel.at

Autor:

Monika Kickenweiz aus Ottakring

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