05.02.2018, 14:33 Uhr

Das Grand Etablissement Gschwandner wird zum Reaktor

Bernhard Kammel in der eisernen Bibliothek, die auch als Bar fungiert. Ein Geschenk des Vorbesitzers aus dem Fundus des Palais Liechtenstein.

Die Auferstehung des Gschwandners: Nach mehr als einem Jahrhundert wechselhafter Geschichte kehrt das Baujuwel zu seiner Aufgabe zurück.

HERNALS. Ein Ort der Künste: Das Gschwandner war im 19. Jahrhundert die berühmteste Lokalität von Hernals. Es diente als Vergnügungsetablissement und Konzertsaal. Ab 1960 war hier die Radiofabrik Ingelen und später ein Requisitenlager untergebracht. Der Putz begann zu bröckeln und von der einstigen Pracht war nicht viel mehr als der morbide Charme der Vergangenheit übrig, als Bernhard Kammel 2016 einen Ort für seinen neuen Film "Elysium Hernalsiense" suchte.

Drei Monate sollten die Dreharbeiten dauern – lange genug, um sich, wie Kammel sagt, unsterblich in die Lokalität zu verlieben. "Im Normalfall mietet man einen Drehort. Aber ich wusste sofort: Ich will das Geschwandner kaufen und daraus einen neuen Ort der Künste gestalten", sagt er. Schließlich ist er nicht nur Regisseur, sondern auch studierter Architekt, der sofort erkannte, welches Potenzial hier nach einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf geweckt werden könnte.

Seit vergangenem Sommer wird renoviert und gefühlvoll restauriert, ohne die charmante Patina zu zerstören. Modernste Technik wurde unsichtbar in den Boden und hinter die Decke verlegt. Auch ein neuer Eingang wurde errichtet. Mit seinen 1.200 Quadratmetern Ausstellungs- und Veranstaltungsfläche bietet das neue Geschwandner jetzt unter dem Namen Reaktor Platz für unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen. "Der Fokus liegt dabei auf Musik, bildender Kunst, Tanz, Literatur und Film", so Kammel. Das Kernstück stellen die drei Säle aus unterschiedlichen historischen Bauphasen dar, darunter der berühmte Große Konzertsaal und ein neu geschaffenes Kino.


Kunst braucht Unabhängigkeit

Hoher künstlerischer Anspruch, kritisches Hinterfragen, Genuss und Ästhetik ergänzen im Reaktor einander. Der Name ist Programm: Hier soll aus kreativer Energie etwas Großes, Neues entstehen. "Wir wollen den Besuchern eine abwechslungsreiche Balance kritischer Positionen, sinnlicher Erfahrungen und überraschender Querverbindungen bieten und viel Freiraum für individuelle Perspektiven auf die gezeigten Werke ermöglichen", so Kammler. Er hat das Haus zur Gänze privat finanziert, um es ökonomisch und inhaltlich unabhängig zu halten.

Mit an Bord sind auch Anna Resch und Sebastian Jobst, die für die künstlerische Leitung und das Management des Reaktors verantwortlich sind. Offiziell eröffnet wird am 16. Februar. Am 17. Februar wird das Reaktor-Kino mit der Österreichpremiere des Spielfilms "Elysium Hernalsiense" von Bernhard Kammel eingeweiht.
Mehr Infos auf www.reaktor.art
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