09.09.2014, 08:30 Uhr

Nachwuchs lässt auf sich warten

Im Retzer Land haben viele Zweitwohnsitzer eine Heimat gefunden, die Jugend muss aber abwandern.

RETZER LAND (jm). Abwanderung, zu wenig Arbeitsplätze und sinkende Geburtenzahlen machen den sechs Gemeinden des Retzer Landes zu schaffen. Hardegg, Pulkau Retz, Retzbach, Schrattenthal und Zellerndorf sind allesamt bemüht, durch leistbare Bauplätze und (Senioren-)Wohnungen, durch Inves-titionen in Kindergärten und Schulen, Nachmittagsbetreuung, Förderung der Familien und Vereine den Lebensraum in ihren Gemeinden attraktiv zu gestalten.

Bevölkerungsrückgang seit 1890

Der Bevölkerungsrückgang im Retzer Land ist nicht erst in den letzten Jahren zu spüren. Seit 1951 ist die Einwohnerzahl von 18.425 auf 11.611 zurückgegangen, das ist ein Minus von 37 %. Dasselbe Phänomen ist im Bezirk Hollabrunn bereits seit 1890 zu beobachten. Damals lebten hier 77.584 Menschen. Seither sank die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2011 auf 50.301, das ist ein Minus von 35,2 Prozent.

212 Hauptwohnsitzer weniger

Seit der letzten Volkszählung 2010 hat sich die Zahl der Hauptwohnsitzer im Retzer Land um 212 verringert. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Überalterung der Bevölkerung, daher viele Sterbefälle, die Familiengründung hat sich um fast zehn Jahre verschoben und die Jugend muss infolge fehlender Arbeitsplätze abwandern. Retzbach verlor in den letzten vier Jahren 72 Hauptwohnsitzer (-6,7 %), Hardegg 67 (-4,8 %), Zellerndorf 82 (-3,2 %) und Retz 14 (-0,3 %). Pulkau hingegen konnte eine leichte Zunahme von 22 (+1,4 %) und Schrattenthal von 1 Hauptwohnsitzer (+0,1 %) verzeichnen.

Unterschiedlicher Trend

Bei den Zweitwohnsitzern gibt es in vier Gemeinden Zuwächse bis zu 13 % (+ 48 in Pulkau), Retz weist jedoch einen Rückgang von 46 % auf (-409), Hardegg -2 % (-14).
Den Grund sieht Stadtamtsdirektor Andreas Sedlmayer bei der Anmeldung: „Der Zweitwohnsitz wird vermutlich immer seltener angemeldet, da er außer der Wahlberechtigung nichts bringt.“

Geburtenrückgang

Der extreme Geburtenrückgang in den fünf kleineren Gemeinden könnte sich auf die Zahl der Kindergartengruppen und der Schulklassen auswirken. Im Vergleichszeitraum Jänner-Juni 2013-2014 sind die Geburtenzahlen um mehr als die Hälfte gesunken (von 43 auf 20). Nur Retz konnte eine Steigerung von 18 auf 21 Geburten registrieren.

Positiver Landestrend

Während das Retzer Land und der Bezirk Hollabrunn in den letzten Jahrzehnten in der Bevölkerungsentwicklung weitgehend im Minus blieben, ist die Landesbevölkerung konstant angewachsen. Leben heute in NÖ 1.628.115 Menschen, so werden 1.738.285 für 2030 prognostiziert, das wäre ein Plus von 6,8%.
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