26.01.2018, 16:02 Uhr

Luxus statt Kultur? Sargfabrik bekommt neuen Eigentümer

Die Kulturstätte Sargfabrik liegt in ihren letzten Zügen. Wird aus dem denkmalgeschützten Gebäude nun eine Luxus-Immobilie? (Foto: www.weissphotography.at)

Die Unterschrift fehlt noch - doch der Deal mit der Luxus-Immobilienfirma Soravia scheint in trockenen Tüchern zu sein. Kommen nun Eigentumswohnungen und High Society Events statt niederschwelliger Kultur?

LIESING. Bis 2013 wurden in Liesing Särge gefertigt. Dann, nach 40 Jahren als Produktionsstätte, bekam die alte Sargfabrik in der Breitenfurter Straße 176 eine neue Aufgabe: Kultur und Leben durch Theateraufführungen oder Bauernmärkte, alternative Kunstperformances oder die Wiener Festwochen. Das denkmalgeschützte Areal wurde vom Verein "F23.wir.fabriken" bespielt und hat sich zu einer Kulturinstitution entwickelt, die in der ganzen Stadt Beachtung gefunden hat.

Doch das steht nun auf dem Spiel. Bald wird das fast 6.500 Quadratmeter große Areal an einen neuen Nutzer vergeben. "Es werden Nutzungen mit kulturellem Schwerpunkt gesucht", steht in der Ausschreibung des Eigentümers Wohnfonds Wien. Ziel sei einerseits eine Attraktivierung und Belebung des künftig direkt angrenzenden Wohnquartiers sowie andererseits die Etablierung von Nutzungen, die eine nachhaltige, identitätsstiftende Funktion im Bezirk und insbesondere in Atzgersdorf übernehmen. Drei Interessenten gab es: Erich Sperger und sein Verein "F23.wir.fabriken", der die Fabrik weiterhin als Kulturstätte und Areal für die Öffentlichkeit nutzen wollte, für die notwendige Sanierung jedoch auf finanzielle Unterstützung durch die Stadt Wien angewiesen gewesen wäre. Die Firma Interspot, eine Film-Produktionsfirma. Und dann noch die Soravia-Immobiliengruppe. Ihre Philosophie: "Wovon wir überzeugt sind, bestimmt unser Handeln. Und unser Handeln wiederum bestimmt das Handeln anderer."

Der dicke Fisch

Die Projekte der Soravia-Immobiliengruppe sind groß, beeindruckend und medienwirksam. Doch die Soravia-Gruppe ist ein Unternehmen, das auf Rendite ausgerichtet ist und deren Bemühungen nicht darin liegen, einen Ort der niederschwelligen Kultur zu erhalten. Die Immobiliengruppe hat etwa die Sofiensäle nach dem Brand übernommen und saniert. "Zusätzlich wurde das Gebäude um frei finanzierte und geförderte Wohnungen, das Lean-Luxury-Hotel Ruby und ein modernes Fitnesscenter erweitert", schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage über die neuen Sofiensäle. Und nun scheint es, als würde der Sargfabrik eine ähnliche Zukunft bevorstehen. Denn die Jury des Auswahlverfahrens rund um die Vergabe habe den Verkauf der Anlage an den Bewerber Soravia empfohlen, wie es aus Insiderkreisen heißt. Nun fehle nur noch die Unterschrift.

Was das genau bedeutet, das wissen die derzeitigen Betreiber der "F23.wir.fabriken" nicht. Denn das Konzept des Mitbieters Soravia wurde dem jetzigen Betreiber nicht vorgelegt. Doch eines ist klar: Kongresse und Traumhochzeiten im Luxus-Ambiente, das will man nicht. Doch Luxus statt Kultur, das scheint das zukünftige Motto in der Sargfabrik zu sein.

Keine finanzielle Hilfe

Erich Sperger, Betreiber der "F23.wir.fabriken", hätte für den laufenden Betrieb der Sargfabrik die nötigen finanziellen Möglichkeiten gehabt. Doch das Auswahlverfahren sieht auch vor, dass der künftige Betreiber die denkmalgeschützte Anlage sanieren soll. Dafür fehlen Sperger die Mittel. Hier hätte die öffentliche Hand eingreifen können. "Ich finde es schade, dass es vonseiten der Stadt nicht einmal eine Absichtserklärung für eine finanzielle Hilfe gegeben hat", so Sperger nach den Sitzungen des Vergabeverfahrens. So bleibe nur die Vermutung, dass die Stadt froh darüber sei, wenn sie sich nicht mehr um den Erhalt der Anlagen kümmern müsse – auch wenn das das Aus für einen weiteren Teil der kulturellen Vielfalt Wiens bedeute.
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