17.11.2017, 14:28 Uhr

Nachfrage nach Lehrlingen steigt: Elf Prozent mehr bis 2022

Industrie-Spartenobmann Stefan Ehrlich-Adám und Studienautorin Edith Jaksch bei der Präsentation der Bildungsbedarfsanalyse (Foto: Florian Wieser)

Bildungsbedarfsanalyse der Wirtschaftskammer Wien: Positive Jobentwicklung in den nächsten fünf Jahren. Die besten Aussichten hätten FH-Studenten aus technischen Fächern.

WIEN. Die Wiener Betriebe sollen in den nächsten fünf Jahren 40.000 neue Jobs schaffen. Das behauptet die Wirtschaftskammer Wien (WKW), die am Freitag ihre Bildungsbedarfsanalyse präsentierte. Befragt wurden 1.500 Betriebe aller Sparten, die derzeit mehr als 100.000 Mitarbeiter beschäftigen.  

Brisant: Mehr als 600 Lehrstellen konnten im vergangenen Jahr nicht besetzt werden, weil das Bildungsniveau der Jugendlichen zu niedrig war. Die Verantwortung könne man keineswegs auf die Schüler abwälzen, vielmehr sei die Politik gefragt, so Ehrlich-Adám.  Schulabgänger müssten eben Mindestkompetenzen im Rechnen, Lesen und Schreiben vorweisen können. Erst dann könne die Berufsausbildung darauf aufbauen. "Bildung ist die stärkste Waffe gegen die Arbeitslosigkeit. In den Betrieben werden auch zukünftig zehntausende gut ausgebildete Mitarbeiter gesucht", sagt Stefan Ehrlich-Adám, Spartenobmann der Industrie in der WKW. 

Die wichtigsten Ergebnisse der Bildungsbedarfsanalyse: 

• Lehrberufe: 
Einen Trend können man ablesen: Die Nachfrage nach Lehrlingen werde weiter steigen – die Wiener Wirtschaft werde in den nächsten drei bis fünf Jahren rund elf Prozent mehr Lehrlinge brauchen. Denn: Karriere mit Lehre sei kein Lippenbekenntnis. In 29 Prozent der Unternehmen seien ehemalige Lehrlinge heute Führungskräfte. 

• Polytechnikum:
Absolventen von polytechnischen Schulen seien schlecht ausgebildet. Das sagen 79 Prozent der befragten Betriebe. Die Alternativen: "20 Prozent der befragten Betrieb fordern ein weiteres Schuljahr nach der 4. Klasse Hauptschule bzw. AHS, 39 Prozent wollen ein Berufseinführungsjahr, 41 Prozent eine Kombination aus Schul-, und Berufsausbildung", so die WKW.

• AHS-, HAK- und HTL-Absolventen
Die AHS ist tatsächlich kein Job-Garant: Nur 22 Prozent der Unternehmen hätten Jobs im Angebot, die sich an AHS-Absolventen richten. Von vielen wird nach der AHS-Matura ein technisches Studium empfohlen. Die Nachfrage nach HAK-Absolventen soll hingegen steigen – deren Ausbildung sei nämlich praxisnäher. Das treffe auch auf HTL-Absolventen zu. Hier herrsche derzeit sogar ein Mangel, vor allem in den Bereichen Informatik, IT und Elektrotechnik. 

• Fachhochschulabsolventen
In den Bereichen Technik, Informatik und Tourismus gebe es den größten Bedarf, so die befragten Betriebe. Die Anzahl der FH-Absolventen werde insgesamt um 20 Prozent stiegen, so die WKW. Vor allem berufsbegleitende Studien der Mitarbeiter werden begrüßt. 

• Universitäts-Absolventen
Teilweise herrscht hier ein Überangebot: Und zwar bei den Wirtschaftswissenschaften (42 Prozent), Geisteswissenschaften (20 Prozent) und Sozialwissenschaften (17 Prozent). Gefragt seien hingegen Studierende der Fachrichtungen Ingenieurwissenschaften und Informatik. Nur 16 Prozent der Unternehmen haben Jobs für Bachelor-Absolventen. 

Handlungsbedarf und Lösungen

Die WKW sieht dringenden Handlungsbedarf. Lösungen könnten sein: Die Schulpflicht durch Bildungspflicht zu ersetzen – nicht die Zeit sei ausschlaggebend, sondern das Erreichen von Bildungszielen. Die ganztägige Schulform sollte ausgebaut werden. Die 9. Schulstufe bedürfe einer Reform. Die Lehrinhalte sollten reformiert werden – etwa mit einem Fach "Wirtschaft" ab der Volksschule. Die Berufsorientierung müsse ausgebaut werden. 
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