03.03.2017, 17:20 Uhr

Ground Control an Major Gerti: Virtual Reality im Pensionistenklub

Alice Muttenthaler auf dem Weg ins Weltall. (Foto: KWP)

Pensionisten helfen Schülern aus der HTL-Spengergasse bei der Entwickling eines Virtual Reality Games. Begeistert reisen die Senioren ins Weltall und natürlich wieder retour – zumindest virtuell.

MARGARETEN. Durch den Kleiderkasten geht es nach Narnia, durch´s Erdloch ins Wunderland und vom Pensionistenklub Reinprechtsdorfer Straße aus ins Weltall. Klingt fantastisch, ist jedoch Realität. Zumindest virtuelle Realität. Und die ist, wie sich bei der Adresse bereits vermuten lässt, nicht länger jungen Menschen und Technikfans vorbehalten.

"Wir haben für unser Diplomprojekt ein Virtual Reality Game (VR) für Senioren entworfen", erklärt Jakob Indra. Auf die Idee brachte den Schüler sein Großvater, der meinte, er hätte gerne eine Kanufahrt ausprobiert. "Nun ist er aber zu alt dafür. So kam die Idee, ein eigenes VR-Spiel für Senioren zu entwerfen, damit sie Dinge, die physisch nicht mehr möglich sind, doch noch erleben zu können."

Flug ins Weltall

Nachdem Indra vier Klassenkameraden für das Projekt begeistern konnte, nahm er Kontakt mit dem Pensionistenklub in der Reinprechtsdorferstraße 1 auf. Denn: Um ein VR-Spiel, durch das man mittels Software, Leinwand und VR-Brille lebensecht in andere Dimensionen eintaucht, zu entwickeln, braucht man die Hilfe des Zielpublikums. Und das war bereits bei der Vorstellung des Projekts, bei dem ein Spaziergang durch eine Weltraumstation absolviert wird, begeistert. "Die Pensionisten waren von Anfang an sehr angetan, obwohl die Kombination Senioren und VR auf den ersten Blick unmöglich erscheint", so Indra.

Beim ersten Test, bei dem die Mitglieder des Pensionistenklubs das Spiel ausprobieren und ein Feedback geben sollten, mussten erst Fragen wie "Kann ich trotz Herzschrittmacher spielen?" und "Kann ich das überhaupt?" geklärt werden. Danach wagten sich die ersten Seniorinnen ins Weltall. "Interessanterweise nahmen fast nur Frauen an dem Testspiel teil", so Spielmitentwickler Silvester Kössler. Die ersten Reaktionen waren überaus positiv und produktiv für die weiteren Arbeiten an dem Diplomprojekt. "Die erste Version war den Senioren zu schnell. Wir haben für den nächsten Test das Spiel langsamer gemacht - schließlich muss es seniorengerecht sein."

Mutige Astronautinnen

Besagter zweiter Test fand nun in der Reinprechtsdorfer Straße statt, zu dem auch Herrschaften aus benachbarten Pensionistenklubs zu Gast kamen - und spielten. Interessant: Auch an diesem Nachmittag waren die Controller fest in weiblicher Hand. "Ich schwanke beim Gehen, daher schaue ich nur zu", so der 85jährige Rudolf Zwettl aus dem Pensionistenklub Schönbrunner Straße. Seine 84jährige Begleitung hingegen startet als erste Astronautin des Nachmittags ins All. Mit Brille und Controller spaziert Alice Muttenthaler durch die Raumstation und erklärt analytisch, was und welche Farben sie sieht. Die anderen Senioren beobachten neugierig auf einer Leinwand Alices virtuellen Hände in Raumfahrerhandschuhen, die sich geschickt durch die Raumstation hanteln.



Nach zehn Minuten übernimmt Gertrude Klausen die VR-Brille. "Ich werde so eine Möglichkeit nie wieder bekommen", so die die 76-Jährige, die zwar von dem Ausflug ins All begeistert ist, doch in Angst geschwebt ist, hinunterzufallen.
Sitzend begibt sich Olga Willmann in den Weltraum. Geduldig lotsen die Schüler die Pensionistin schrittweise durch die Station. Während die Betreuerin des Klubs nach einigen Minuten nervös wird, dass der Ausflug der 95-Jährige zu anstrengend wird, denkt Willmann nicht an eine Rückkehr auf die Erde.



"Einige Rückmeldungen, die wir heute bekommen haben, werden noch umgesetzt. Mit Anfang April ist das Spiel fertig", so Kössler, der ebenso wie seine Kollgen rund 200 Arbeitsstunden in die Spielentwicklung gesteckt hat. Das VR-Game wird von den Schülern übrigens allen Wiener Pensionistenklubs zur Verfügung gestellt, nur die Ausrüstung samt Leinwand muss jeder Klub selbst finanzieren. Sicher ist: Diese Finanzierung lohnt sich - immerhin kann nicht jede 95-Jährige von sich behaupten, am Nachmittag kurz einmal durch das Weltall geschwebt zu sein.
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Renate Blatterer aus Favoriten | 04.03.2017 | 18:35   Melden
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