28.11.2017, 14:13 Uhr

Mit 91 noch auf der Bühne: Seniorentheatergruppe Alte Meister

Die "Alten Meister" performen "Die Bremer Stadtmusikanten - reloaded" beim Seniorentheaterfestival „mittendrin“ im Oktober 2017 in Andelsbuch (Foto: Seniorentheater.at/Sandy Tomsits)

In einem Theaterworkshop kommen rund zehn Pensionisten wöchentlich zusammen und proben. In der Hauptrolle: Der Spaß!

MARIAHILF. Im Pensionistenklub Mariahilf wird gewöhnlich – wie fürs Seniorenprogramm üblich – gesungen, getratscht und Kuchen gegessen. An diesem Montag, gegen 11.30 Uhr, liegt ein Revolver in der Mitte des Tisches. Darum versammelt gut zehn Personen, aufgeregt diskutierend, wild gestikulierend: "Wir Räuber, wir sind viele, wir haben Geld und Spiele – und haben immer Durst!" "Kartenspielen, Tratschen, das ist alles nichts für mich", erklärt Magda Fischer. Mit 91 Jahren ist sie die älteste der Anwesenden. Aber, so Fischer, "auch wenn man noch so alt ist, muss man sich ein Ziel setzen". Und das Ziel der 91-Jährigen: mitsamt ihren Kolleginnen und Kollegen nächstes Jahr gemeinsam auf der Theaterbühne zu stehen. Hierfür treffen sich die Senioren jeden Montag zum Theaterworkshop. Unter der Leitung von Theaterpädagogin und -regisseurin Sandy Tomsits proben die "Alten Meister" – so der Name der Truppe – das Stück "Das Wirtshaus im Spessart" von Wilhelm Hauff und Bernd Kolarik. Zugegeben, nicht ganz originalgetreu, eher "ein Mix aus Sprech- und Improvisationstheater", so Tomsits. An diesem Montagvormittag werden die Rollen verteilt – und schon jetzt ist klar: Die Hauptrolle spielt der Spaß.

"Wichtig ist, dass wir authentisch bleiben", erklärt die Leiterin. Ansonsten gebe es keine klare Trennung zwischen Haupt- und Nebenrollen, alle Beteiligten seien gleich wichtig. Aus zehn Stücken habe man ausgewählt, das Hauff-Stück habe man ausgesucht, weil es am facettenreichsten sei, vielfältig, mit diversen Streitereien und Intrigen. "Volle Action", so Tomsits.

Opportunistin in Aktion

Die Rolle der selbst ernannten "großen Opportunistin" spielt dabei die 91-jährige Fischer. Eigentlich wohnhaft im 14. Bezirk, kommt sie seit 1997 regelmäßig in die Gumpendorfer Straße. Wann sie das letzte Mal Theater gespielt habe? Sie lacht kurz: "Vor fast 90 Jahren, als Kind in der Klosterschule." Als Wirtin serviert sie in dem Stück Wein und Bier, ist besonders beliebt bei einschlägigen Räubern und weiß aus jeder Situation den passenden Profit zu schlagen. "Wie’s heute halt so modern ist", lacht Fischer. Der einzige Mann in der Runde ist Robert Löhner. Neben seiner Rolle als Räuberhauptmann spielt der 74-Jährige auch noch jene des Grafen. Verschiedene Rollen einzunehmen und dabei geistig fit zu bleiben, macht für Löhner das Schauspielen besonders reizvoll. In mehreren Pensionistenklubs performte er bereits Loriots Parlamentsrede – auf Österreichisch. "A bisserl kompliziert" sei das schon als einziger Mann, lacht Löhner, aber alles in allem scheint er die Situation fest im Griff zu haben.

Spieler gesucht

Fürs "Wirtshaus im Spessart" werden noch Protagonisten gesucht. Mitmachen kann jeder. Bis Anfang Dezember ist der Einstieg möglich. Geprobt wird montags von 10.30 bis 12.30 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Mehr Informationen dazu unter Tel. 0699/150 880 46 oder auf www.seniorentheater.at
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