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Dr. Johann Hagenauer †

Dr. Johann Hagenauer anläßlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Marktgemeinde Gumpoldskirchen im Dezember 2008.
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  • Dr. Johann Hagenauer anläßlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Marktgemeinde Gumpoldskirchen im Dezember 2008.
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Dr. Johann Hagenauer (1933 – 2019)

„Ich, Johann Hagenauer, wurde am 27. Juli 1933 in Baden bei Wien geboren. Die Volksschule besuchte ich in Leobersdorf, anschließend das Humanistische Gymnasium in Baden (Biondekgasse). Nach der Matura belegte ich an der Universität Wien die Fächer Latein und Griechisch für das Lehramt an Mittelschulen. Am 17. November 1955 promovierte ich zum Doktor Phil. Nach dem Abschluss des Lehramtsstudiums im Jahr 1956 unterrichtete ich vier Jahre am Stiftsgymnasium Seitenstetten, anschließend bis zu meiner Pensionierung 1993 am Jesuiten-Kollegium Wien—Kalksburg. Nebenher leitete ich für Kollegen Studienreise nach Italien, Griechenland, Anatolien, Israel, Spanien, Frankreich und Deutschland. Weiters widmete ich mich sehr intensiv der Kulturgeschichte des Wiener Beckens, insbesondere des Weinbaues. Dies ergab sich aus der Liebe zu meinem Wohnort Gumpoldskirchen.“ Johann Hagenauer, 2005Heimatforscher wider Willen
„Wenn mir vor dreißig Jahren jemand prophezeit hätte, dass ich mich einmal nahezu ausschließlich mit der Vergangenheit und der Gegenwart Gumpoldskirchens beschäftigen werde, hätte ich bloß mitleidig gelächelt. Ich leitete damals, in den sechziger Jahren, Studienreisen in die Mittelmeerländer und musste mich daher sehr intensiv mit deren Kulturen auseinandersetzen, um meinem zum Teil hochkarätigen Publikum etwas bieten zu können. Die kleine Welt des Weinortes Gumpoldskirchen war nach meiner damaligen Ansicht ein' Revier für “Dorfschullehrer”. Der Gedanke, jemals ein “Heimatforscher” zu werden, war für mich schlechthin absurd, ja, unerträglich.
Und doch bin ich einer geworden. Begonnen hat meine “Studienreise nach Gumpoldskirchen” im Jahre 1976. Damals bat mich der Weinbauverein, für eine Festschrift zu seinem IOO—Jahr-Jubiläum einen Beitrag über die Kulturgeschichte Gumpoldskirchens zu schreiben. Ich hatte keine allzu große Freude mit der an sich durchaus ehrenvollen Aufgabe, aber ich konnte einfach nicht nein sagen, sonst hätte ich mich für immer ausgegrenzt.
Da ich damals noch recht wenig über Gumpoldskirchen wusste, kostete es mich einige Mühe, den erbetenen Artikel zu verfassen. Er sollte, wohl nach dem Willen einer höheren Macht, der Anfang einer langen Serie von Artikeln und Schriften über Gumpoldskirchen sein, die schließlich 1990 mit dem Jubiläumsbuch “850 Jahre Gumpoldskirchen — Wege in die Gegenwart” ihren Höhepunkt erreichte. Heute weiß ich: Man muss sehr viel gelernt und möglichst viel von der Welt gesehen haben, ehe man sich sinnvoll mit seinem Heimat- oder Wohnort auseinandersetzen kann. Mit dem Wissen eines biederen Dorfschullehrers lässt sich heute kein Heimatbuch mehr schreiben, das auch nur einigermaßen den Ansprüchen des Medienzeitalters gerecht wird. Demnach war mein Weg nach Gumpoldskirchen kein Abstieg aus den Gefilden der Hochkultur, sondern ein logisches Weiterwandern. Und ich sehe jetzt, es war gut so.“
Johann Hagenauer, 858 Jahre Gumpoldskirchen, Seltsame Wege in die Vergangenheit, Gumpoldskirchen 1998
Johann Hagenauer lebte seit 1960 mit seiner Gattin Rosa Hagenauer und seinen Töchtern Elisabeth und Dorothea in Gumpoldskirchen. Neben seinem Wirken in der Öffentlichkeit bleibt er der Familie als liebevoller Vater und Großvater in Erinnerung.
In den letzten Monaten konnte man spüren, dass er auf ein erfülltes Leben mit vielen Erinnerung an sein Schaffen, erlebnisreiche Reisen und Begegnungen mit Freunden wie auch Kollegen in Gemeinde, Schule, Kirche, Kultur und Musik zurückblicken konnte.
Sein zeitkritischer und humorvoller Geist möge allen, die Johann (Hans) Hagenauer kannten, in lieber Erinnerung bleiben.

Dr. Johann Hagenauer anläßlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Marktgemeinde Gumpoldskirchen im Dezember 2008.

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