Junge Spieler, meist mit Migrationshintergrund
So findet der ÖFB jetzt Stürmer
- Das ÖFB Nationalteam hat ein Stürmerproblem. In unserer Übersicht sind allerdings einige vielversprechende Zukunftsoptionen.
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Österreich hat ein Stürmerproblem. Das ist spätestens seit dem Abschied von Marko Arnautović offensichtlich. Michael Gregoritsch ist inzwischen 32 Jahre alt und hat gewisse Qualitäten, aber ist keine "Tormaschine". Auch Saša Kalajdžić kann die Antwort auf die Frage nach Österreichs Sturmzentrum nicht dauerhaft alleine liefern.
Dabei wäre Kalajdžić vom Spielertyp her eigentlich genau das, was dem ÖFB derzeit fehlt. Ein großer, körperlich präsenter Mittelstürmer, kopfballstark, technisch ordentlich und mit nachgewiesener Torgefahr. Beim VfB Stuttgart erzielte er in der Saison 2020/21 immerhin 16 Bundesligatore. Das Problem ist seine Verletzungsgeschichte. Drei Kreuzbandrisse und weitere schwere Verletzungen haben den mittlerweile 29-Jährigen immer wieder weit zurückgeworfen.
Dass er noch lange nicht abgeschrieben werden darf, hat Kalajdžić bei der WM 2026 eindrucksvoll gezeigt. Gegen Algerien kam er in der Schlussphase und köpfte Österreich praktisch in letzter Sekunde in die nächste Runde. Es war einer dieser Momente, die zeigen, warum man einen Spieler wie ihn nicht einfach aus der Rechnung streichen kann. Gleichzeitig wäre es fahrlässig, die Zukunft des österreichischen Angriffs von einem Spieler abhängig zu machen, dessen Karriere immer wieder durch Verletzungen unterbrochen wurde.
Also stellt sich die Frage: Wer kommt danach?
Und hier wird es interessant. Österreich hat zwar derzeit keinen offensichtlichen neuen Arnautović, der schon morgen 20 Tore im Nationalteam verspricht. Dafür gibt es eine ganze Reihe junger Angreifer, die sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien befinden. Einige sind bereits im österreichischen Nachwuchs etabliert, andere stehen kurz vor dem nächsten großen Schritt.
Thierry Tazemeta
Thierry Tazemeta ist einer der Namen, bei denen man genauer hinschauen sollte. Der 19-Jährige ist österreichischer Nachwuchsnationalspieler und hat zuletzt den Sprung nach Deutschland geschafft. Nach seiner Zeit bei Borussia Dortmund wechselte er zum 1. FC Kaiserslautern. Dort hat er inzwischen auch erste Pflichtspiele im Profibereich absolviert.
Tazemeta ist dabei nicht einfach nur ein klassischer Strafraumstürmer. Er kann auch über die Außen kommen und bringt damit eine gewisse Variabilität mit. Seine Entwicklung ist besonders interessant, weil er noch sehr jung ist und bereits in einem Umfeld spielt, in dem körperlich und taktisch ein anderer Wind weht als im österreichischen Nachwuchs.
Auch seine familiäre Herkunft macht ihn für den ÖFB interessant. Sein Vater Thierry Fidjeu-Tazemeta stammt aus Kamerun und war Nationalspieler von Äquatorialguinea. Thierry selbst ist in Österreich geboren und hat sämtliche Nachwuchsstufen des österreichischen Fußballsystems durchlaufen.
Der nächste Schritt muss jetzt im Erwachsenenfußball kommen. Wenn Tazemeta in Kaiserslautern regelmäßig spielt und seine Torquote nach oben schraubt, könnte sein Name beim ÖFB sehr schnell lauter werden.
Chance auf das A-Team: gut. Noch ist er aber eher eine Zukunftswette als eine Soforthilfe.
Nikolaus Wurmbrand
Bei Nikolaus Wurmbrand ist die Sache bereits wesentlich konkreter. Der Rapidler hat den Sprung ins österreichische A-Team schon geschafft und ist damit einer der jüngsten Spieler dieser Gruppe, bei denen man nicht mehr nur über eine theoretische Möglichkeit spricht.
Wurmbrand ist allerdings kein klassischer Stoßstürmer. Er ist beweglich, technisch stark und kann verschiedene Positionen in der Offensive spielen. Das macht ihn für einen modernen Nationaltrainer interessant, bedeutet aber auch, dass er nicht unbedingt der Mann sein muss, der künftig permanent als alleinige Nummer neun aufläuft.
Gerade seine Vielseitigkeit könnte ihm aber helfen. Österreich wird nach Arnautović vermutlich nicht einfach einen Spieler finden, der dessen Rolle eins zu eins übernimmt. Wahrscheinlicher ist eine andere Lösung mit mehreren beweglichen Offensivspielern. Wurmbrand gehört dabei zu den Kandidaten, die diesen Wandel bereits verkörpern.
Chance auf das A-Team: sehr gut. Er ist bereits angekommen und muss jetzt zeigen, dass er sich dort festsetzen kann.
Oluwaseun Adewumi
Bei Oluwaseun Adewumi lohnt sich derzeit ein besonders genauer Blick. Und zwar nicht nur, weil er zu den interessanteren österreichischen Nachwuchsspielern gehört. Der 21-Jährige spielt inzwischen bei Hertha BSC. Er steht dort in dieser Saison auf Leihbasis, nachdem er von Burnley nach Berlin gewechselt ist. Und der Start könnte kaum besser laufen.
Am vierten Spieltag gegen den 1. FC Magdeburg traf Adewumi bereits zum dritten Mal in Folge als Einwechselspieler. Hertha gewann 2:1 und steht nach vier Spieltagen mit vier Siegen an der Tabellenspitze. Adewumi hat sich damit innerhalb kürzester Zeit zum Berliner Joker und Fanliebling entwickelt.
Sportlich ist Adewumi kein klassischer Strafraumstürmer. Er kann offensiver Mittelfeldspieler spielen und auch aus anderen Positionen kommen. Genau das macht ihn aber interessant.
Seine Herkunft gehört ebenfalls zu seiner Geschichte. Adewumi wurde in Lagos geboren und hat nigerianische Wurzeln. Seine fußballerische Ausbildung erhielt er allerdings zu großen Teilen in Österreich und er spielt für die österreichischen Nachwuchsauswahlen. Gerade die aktuelle Entwicklung bei Hertha macht ihn zu einem Spieler, den der ÖFB unbedingt weiter beobachten sollte.
Chance auf das A-Team: durchaus vorhanden. Wenn er in Berlin den nächsten Entwicklungsschritt macht und seine Torgefahr bestätigt, könnte er interessant werden.
Phillip Verhounig
Verhounig ist einer jener Spieler, bei denen man den nächsten Entwicklungsschritt besonders genau beobachten sollte. Der 20-Jährige kommt aus dem Salzburger Nachwuchs und hat inzwischen den Sprung in den österreichischen Profifußball geschafft.
Sein Wechsel zum WAC bietet ihm dabei eine wichtige Möglichkeit. In Wolfsberg kann er sich auf Bundesliganiveau weiterentwickeln und muss nicht mehr ausschließlich gegen die Konkurrenz in einem großen Nachwuchskader ankämpfen.
Verhounig ist dabei eher der klassische Mittelstürmer als ein offensiver Alleskönner. Genau das macht ihn interessant. Österreich braucht nicht noch zehn Spieler, die irgendwo zwischen Zehner und Flügel pendeln. Irgendwann braucht es wieder jemanden, der im Strafraum steht und weiß, wo das Tor ist.
Sein Bundesliga-Start ist allerdings noch sehr frisch. Deshalb wäre es verfrüht, ihn schon jetzt in die Nähe des A-Teams zu schreiben.
A-Team-Chance: mittelfristig interessant. Er muss jetzt zeigen, dass er auch auf höherem Niveau regelmäßig trifft.
Erik Kojzek
Kojzek ist ein besonders spannender Name. Der 20-Jährige wurde in Slowenien geboren, kam aber bereits als Jugendlicher nach Österreich und wurde beim Wolfsberger AC ausgebildet.
Inzwischen spielt er bei Partizan Belgrad und gehört zum österreichischen U21-Kader. Nicht nur seine slowenischen Wurzeln machen die Personalie auch für den ÖFB interessant. Österreich hat ihn früh an sich gebunden und er läuft mittlerweile für die österreichischen Nachwuchsteams auf.
Kojzek bringt mit seiner Größe von 1,94 Metern ein Profil mit, das im österreichischen Fußball nicht gerade im Überfluss vorhanden ist. Er kann als Zielspieler funktionieren, muss aber beweisen, dass er seine körperlichen Vorteile auch gegen gestandene internationale Verteidiger ausspielen kann.
A-Team-Chance: gut, wenn seine Entwicklung bei Partizan weitergeht. Gerade seine körperliche Präsenz könnte ihn von anderen Kandidaten unterscheiden.
Belmin Beganović
Beganović bringt bereits einiges an Erfahrung mit. Der in Bihać in Bosnien und Herzegowina geborene Angreifer kam als Jugendlicher nach Österreich, durchlief die Nachwuchsarbeit der SV Ried und wechselte anschließend zu Sturm Graz.
Seine bosnische Herkunft gehört bei ihm zur Geschichte dazu. Beganović ist ein Beispiel dafür, wie stark der österreichische Fußball inzwischen von Spielern geprägt wird, deren Familiengeschichte nicht in Österreich beginnt. Gleichzeitig hat er einen großen Teil seiner fußballerischen Ausbildung hier erhalten.
Sportlich gefällt vor allem sein Tempo. Sturm ist für ihn deshalb eine wichtige Station. Dort muss aus dem Talent langsam ein verlässlicher Bundesligaangreifer werden. Dass er vom ÖFB für die Nachwuchsauswahlen berücksichtigt wird, zeigt, dass man ihn längst auf dem Zettel hat.
A-Team-Chance: vorhanden, aber er muss jetzt den nächsten Schritt machen. Bei Sturm muss aus dem Talent langsam ein verlässlicher Bundesligaangreifer werden.
Joris Boguo
Boguo ist noch jünger und deshalb eher ein Name für die Zukunft. Der 18-Jährige wurde in Wien geboren und ist österreichisch-kongolesischer Fußballer. Er hat seine Ausbildung in Österreich erhalten und steht inzwischen im Profifußball. Bei ihm wäre es allerdings zu früh, bereits von einem künftigen Nationalspieler zu sprechen.
Seine kongolesischen Wurzeln sind Teil seiner Geschichte, sportlich zählt zunächst aber etwas anderes: Boguo muss Spielpraxis sammeln und zeigen, dass er sich auf Bundesliganiveau behaupten kann.
Dass er bereits in jungen Jahren im österreichischen Profifußball auftaucht, ist jedenfalls ein gutes Zeichen. Viel mehr sollte man zum jetzigen Zeitpunkt aber auch nicht hineininterpretieren.
A-Team-Chance: langfristig interessant. Er gehört in die Kategorie „beobachten und entwickeln“.
Tare Ekereokosu
Bei Tare Ekereokosu sollte man ebenfalls noch etwas Geduld haben. Der 18-Jährige ist bei Rapid ausgebildet worden und gehört zum österreichischen Nachwuchsbereich.
Ekereokosu hat einen nigerianischen Vater und eine slowakische Mutter. Er selbst ist in Österreich aufgewachsen und besitzt neben der österreichischen auch die slowakische Staatsbürgerschaft. Damit gehört er zu jener neuen Generation österreichischer Fußballer mit internationaler Familiengeschichte, die für den ÖFB sportlich durchaus wertvoll werden könnte.
Mit seiner Körpergröße von rund 1,92 Metern bringt er auch körperlich interessante Voraussetzungen mit.
Allerdings gilt auch hier: Noch muss aus dem Nachwuchsspieler ein gestandener Profi werden.
A-Team-Chance: noch weit weg, aber definitiv einer für die Beobachtungsliste.
Raul Florucz
Bei Raul Florucz muss man eigentlich nicht mehr von einer bloßen Hoffnung sprechen. Der 25-Jährige hat den Sprung ins österreichische Nationalteam bereits geschafft.
Florucz ist allerdings ein anderer Spielertyp als Arnautović. Von ihm zu erwarten, dass er dessen Rolle eins zu eins übernimmt, wäre deshalb falsch. Interessant ist vielmehr seine Fähigkeit, aus unterschiedlichen Positionen in die Spitze zu stoßen und mit Tempo Räume zu attackieren.
Seine rumänischen Wurzeln gehören ebenfalls zu seiner Geschichte. Florucz wurde in Österreich geboren und entschied sich trotz seiner familiären Verbindung zu Rumänien für den ÖFB.
Für das aktuelle Team ist Florucz damit wahrscheinlich die unmittelbarste Option aus dieser Liste. Die große Frage lautet nicht, ob er irgendwann Nationalspieler werden kann, sondern ob er sich dort dauerhaft festspielen kann.
A-Team-Chance: sehr gut. Er ist bereits dort und muss jetzt zeigen, dass er sich dauerhaft etablieren kann.
Und wer kommt noch?
Einer kann man in dieser Diskussion durchaus auch erwähnen: Furkan Dursun.
Der junge Stürmer gehört zum österreichischen Nachwuchs und ist genau deshalb interessant, weil er nicht mehr ganz in die Kategorie Nachwuchsjuwel fällt. Er muss langsam den Schritt vom Talent zum fertigen Profi machen.
Auch Leon Grgić kann man noch erwähnen. Der bei Sturm Graz ausgebildete Angreifer ist ebenfalls noch jung genug, um in den kommenden Jahren einen weiteren Schritt zu machen. Allerdings hat er sich klar für Kroatien entschieden und den Nationenwechsel bereits vollzogen. Für Kroatiens A-Nationalteam ist der 20-Jährige bislang noch nicht aufgelaufen. Ob sich daraus irgendwann tatsächlich noch einmal eine Möglichkeit für Österreich ergeben könnte, ist eine andere Frage.
Dazu kommen weitere Spieler aus den österreichischen Nachwuchsauswahlen. Gerade die aktuelle U21 zeigt, dass der ÖFB durchaus Auswahl hat. Neben Wurmbrand und Adewumi finden sich dort unter anderem auch Joris Boguo und weitere junge Offensivspieler.
Vielleicht braucht Österreich keinen neuen Arnautović. Vielleicht ist genau das der entscheidende Punkt. Österreich wird nämlich so rasch keinen zweiten Marko Arnautović finden. Einen Spieler mit dessen Persönlichkeit, Technik, Körperlichkeit und Karriereverlauf kann man nicht einfach nachproduzieren.
Das Ziel sollte deshalb auch nicht sein, einen neuen Arnautović zu suchen.
Kalajdžić kann, wenn er gesund bleibt, weiterhin der große Strafraumspieler sein. Wurmbrand ist bereits im A-Team angekommen. Florucz steht ebenfalls schon dort. Tazemeta könnte der große Durchstarter der nächsten Jahre werden. Kojzek bringt Größe und internationale Perspektive mit. Verhounig ist ein klassischer Mittelstürmer, bei dem jetzt die Torquote auf höherem Niveau entscheidend wird. Adewumi entwickelt sich gerade bei Hertha zu einem höchst interessanten offensiven Spieler.
Dazu kommen Beganović, Boguo und Ekereokosu, die sich ihren Platz erst noch erarbeiten müssen. Der ÖFB braucht jedenfalls dringend den nächsten Stürmer, der seine eigene Geschichte schreibt. Vielleicht ist dieser bei den Genannten bereits dabei.
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