24.10.2016, 16:08 Uhr

Apotheker Danial Taheri warnt: "Zu wenige Ärzte in Fünfhaus"

Apotheker Danial Taheri wünscht sich mehr Ärzte im Bezirk.

"Immer mehr Arztpraxen schließen oder werden nicht nachbesetzt", sagt der Apotheker.

RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS. Seit fünf Monaten betreibt Danial Taheri die Apotheke Zur Heiligen Martha in der Mariahilfer Straße gegenüber des Schwendermarktes. Und er ist zunehmend alarmiert: "Ich höre von immer mehr Ärzten aus der Umgebung des Schwendermarktes, die schließen, wegziehen oder keinen Nachfolger finden."

Das sei vor allem für viele ältere Menschen ein Problem, findet er: "Ich habe teilweise Kunden, die sind 80 oder 90 Jahre alt. Die brauchen Ärzte in ihrer Nachbarschaft. Doch gerade diese fallen zunehmend weg."

Dem Apotheker fallen viele Beispiele ein, um diese Meinung zu belegen. Bereits im April habe ein benachbarter Hausarzt geschlossen, auf den viele Patienten angewiesen waren. Und es gehe nicht nur um Hausärzte: "Ein benachbartes Labor könnte ebenfalls schließen. Ich kenne eine Augenärztin, die in zwei Jahren in Pension geht und keinen Nachfolger findet, ebenso einen Internisten, der in drei Jahren in den Ruhestand gehen wird. Auch er findet keinen Nachfolger."

Hohe Anforderungen

Ein Problem seien die hohen Anforderungen, die heutzutage an Arztpraxen gestellt werden, so Taheri: "Es gibt Hauseigentümer, die versuchen, Ärzte in ihre Häuser zu bekommen. Manche zeigen auch großes Interesse. Aber heutzutage muss alles behindertengerecht sein. Das kostet Geld. Viele Ärzte wollen oder können nicht so viel investieren."

Claudia Laschan, SPÖ-Gemeinderätin aus Rudolfsheim-Fünfhaus, kennt das Problem: "Es gibt tatsächlich viele junge Ärzte, die sich diese hohen Kosten nicht leisten können. Und es gibt in Wien zu wenige Hausärzte. Man braucht sich nur die Wartezeiten anzuschauen."

Auch deshalb sieht sie die Zukunft der gesundheitlichen Nahversorgung in Gesundheitszentren. Diese sollen unterschiedliche Angebote vereinen. Neben Hausärzten gibt es dort auch unterschiedliche Fachärzte. "Damit muss man nicht mehr nach einem Hausarztbesuch mit fünf Überweisungen durch die halbe Stadt pendeln." Ein solches Ärztezentrum ist beim Kaiserin-Elisabeth-Spital geplant. "Da gibt es zwar noch Hürden zu überwinden, das wird aber in den folgenden Jahren kommen", so die Gemeinderätin.

Terminprobleme

Für Danial Taheri ist das ein schwacher Trost: "Ich finde, dass der Bezirk eine bessere Infrastruktur braucht. Dazu gehören für mich auch Ärzte in der Nachbarschaft. Denn wenn die Ärzte weg sind, haben es die Apotheken auch schwerer und sperren zu. Diese Aspekte gehören zusammen."

Taheri wollte das Thema mit SPÖ-Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal besprechen. "Doch der hat mir nur Termine in ein bis zwei Monaten angeboten und sie dann zwei Tage vorher abgesagt. Was ist das für eine Politik?" Für die bz war Zatlokal zu keiner Stellungnahme bereit.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.