28.11.2017, 14:01 Uhr

Wiens letzter Kupferschmied

Roman Hegenbart mit Teilen des Kaffee-Service, entworfen vom Designer Matthias Lehner. 60 Stunden dauerte die Herstellung.

Roman Hegenbart betreibt bereits in vierter Generation seine Manufaktur in der Beckmanngasse 36.

RUDOLFSHEIM-FÜNFHAUS. Hier ist nichts von der Stange: Die Kupferschmiede Hegenbart gibt es bereits seit dem Jahr 1953. Mit inzwischen mehr als 60 Jahren Erfahrung ist sie die erste Anlaufstelle für sämtliche Schweißarbeiten – und für Kupferschmiedearbeiten die einzige verbliebene Adresse in Wien.

Aus Kupfer, aber auch aus Titan, Messing, Stahl, Aluminium und Nirosta-Stahl entstehen in Handarbeit besondere Einzelstücke: vom Türschild bis zur Vitrine, vom kunstvoll gebogenen Handtuchhalter bis zu Restaurierungen alter Gebrauchsgegenstände und Metallverkleidungen. Keine Bearbeitungsmethode und kein Material ist dem Traditionsbetrieb, den Kupferschmiedemeister Roman Hegenbart in vierter Generation führt, dabei fremd. Egal, ob es um Lötarbeiten, Blechbiegen, Blechzuschnitte oder Einrollarbeiten geht: Alles wird von Hand gemacht.

Roman Hegenbart hat den Familienbetrieb 1995 übernommen. Nebenbei unterrichtet er seit einigen Jahren als Leiter der Abteilung für Metalltechnologie an der Angewandten. "Kupferschmied ist leider ein aussterbendes Gewerbe. Es gibt keinen Nachwuchs. Der Bedarf ist einfach nicht mehr da. Aber ich liebe dieses Kunsthandwerk und arbeite deshalb immer wieder mit namhaften Künstlern zusammen." Was dabei entsteht, kann sich sehen lassen: zahlreiche kunstvolle Rahmen oder zuletzt sein Beitrag zur Design Week 2017.
Denn zum ersten Mal hat Hegenbart heuer auch an der Vienna Design Week teilgenommen. In Zusammenarbeit und nach Entwürfen des Münchner Designers Matthias Lehner gestaltete er in Handarbeit ein Kupfer-Service aus Karaffe, Tablett und Bechern.

60 Arbeitsstunden für ein Service

"Nachdem uns der Veranstalter zusammengebracht hatte, kam Lehner in meine Werkstatt und war sofort begeistert. Da er ein Spezialist im Tableware Design ist, wollte er unbedingt etwas Besonderes aus Kupfer auf den Tisch bringen", so Hegenbart. Was überhaupt machbar ist, floss in seine kreativen Überlegungen ein. Und schließlich war der Entwurf reif genug, um umgesetzt zu werden. "60 Arbeitsstunden hat das Service bis zur Fertigstellung benötigt."

Die fein gehämmerte, schimmernde und natürlich oxidierte Kupferoberfläche lädt jetzt geradezu dazu ein, berührt zu werden. "Das ist natürlich nichts, das in Serie geht, aber wieder ein Beweis dafür, dass Kupfergegenstände in jede Zeit passen. Sie verlieren auch niemals ihre schöne Optik und Funktion. Im Gegenteil: Das würdige Altern gehört einfach dazu." 
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