07.11.2016, 07:20 Uhr

Punktgenaue Analysen von Unfällen

Marianne Kraut setzt in ihrer Arbeit auf interdisziplinäre Teams und die Berücksichtigung von "Human Factors" (Foto: KK)

Marianne Kraut aus Feistritz ob Bleiburg ist Österreichs einzige weibliche Sachverständige für Unfallanalysen.

FEISTRITZ OB BLEIBURG. Von Klein auf hatte Marianne Kraut großes Interesse an Technik. So verwundert es nicht, dass die Feistritzerin nach der Schule in Graz Maschinenbau studierte. Über Vorlesungen kam sie erstmals mit dem Thema Unfall- und Biomechanik in Berührung "Dieses Thema ließ mich einfach nicht mehr los", erinnert sich Kraut rückblickend.


Erste Sachverständige

Mittlerweile ist Kraut allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige für Verkehr, Fahrzeugtechnik und Unfallanalyse und Geschäftsführerin der Reco-Tech GmbH, einem technischen Sachverständigenbüro für Verkehrssicherheit, Unfallrekonstruktion und Biomechanik mit Sitz in Feistritz ob Bleiburg. Dass sie damit die bis dato einzige Frau in Österreich in diesem Bereich ist, will Kraut nicht hervorheben: "Ich bin nicht besonders, weil ich eine Frau bin, sondern weil das Thema an sich so interessant ist."

Interdisziplinäres Team

In ihrem vielschichtigen Berufsalltag arbeitet die 31-Jährige vor Gericht als Gutachterin, begutachtet im Auftrag von Gemeinden und Ländern Streckenabschnitte und arbeitet an Forschungsprojekten: "Durch die Projekte erhalten meine Kunden die neuesten Informationen aus erster Hand." Grundsätzlich arbeitet Kraut in interdisziplinären Teams, bestehend aus Bauingenieuren, Maschinenbauern und Psychologen: "Jeder ist Experte auf seinem Gebiet und sieht etwas, was einem anderen nicht auffallen würde."

Spezialgebiet "Human Factors"

Spezialisiert hat sich Kraut in ihrer Arbeit unter anderem auf die sogenannten "Human Factors", sprich dem menschlichen Verhalten im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen und Verkehrssicherheitsuntersuchungen. "Die Human Factors werden bei Unfällen noch selten berücksichtigt, aber das Thema ist im Kommen", verrät die Sachverständige.
So sollten zum Beispiel bei der Unfallrekonstruktion Mensch, System und Umgebung gleichermaßen berücksichtigt werden: "Ein Unfall lässt sich meist nicht nur auf einen einzigen Umstand zurückführen. Oft spielen auch menschliche Fehlleistung, Wahrnemungsgrenzen, Ablenkung oder Reizüberflutung des Fahrers zu einem Unfall."


Unfälle in Planung vermeiden

Im Idealfall kann Kraut durch ihre Arbeit bereits in der Planungsphase einer neuen Straße helfen, Unfälle zu vermeiden, indem sie unter anderem Sichtlinien, Human Factors und Radienfolgen von Kurven berücksichtigt. Kommt sie zu einer bereits bestehenden Unfallhäufungsstelle sind es nämlich meist genau die genannten Punkte, die in der Planung nicht miteingebunden wurden. Dann muss oft im Nachhinein umgebaut werden. Am häufigsten ist dies laut der Sachverständigen übrigens bei Kreisverkehren der Fall.

Zur Person:


Name: Marianne Kraut
Alter: 31
Wohnort: Feistritz ob Bleiburg
Beruf: allgemein beeidete und gerichtlich zertifizierte Sachverständige für Verkehr, Fahrzeugtechnik und Unfallanalyse
Firma: Geschäftsführerin der "Reco-Tech GmbH"
Auszeichnungen: Verkehrssicherheitsexpertin FEMtech, Expertin des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie, Unternehmerin des Monats 2016 (Frau in der Wirtschaft, Kärnten)
Familienstand: ledig
Hobbys: Motocross, Downhill-Mountainbike, Skifahren, Reiten
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