Währinger Park: Kein Örtchen für Notfälle

Renate Staubmann im Währinger Park: Sie versteht nicht, warum hier die Toilettenanlage abgebaut wurde.
  • Renate Staubmann im Währinger Park: Sie versteht nicht, warum hier die Toilettenanlage abgebaut wurde.
  • hochgeladen von Christine Bazalka

WÄHRING. Renate Staubmann zeigt auf … nichts. Konkret auf einen leeren Fleck unter den Bäumen im Währinger Park, nur wenige Meter vom Eingang in der Semperstraße entfernt. Hier war bis vor Kurzem noch eine öffentliche WC-Anlage, doch über den Winter wurde sie komplett abgebaut.

Die Währingerin ärgert sich: "Ich gehe hier oft spazieren, mit Hund und ohne. Ich habe das WC regelmäßig benützt und muss jetzt ausweichen." Weil sie sich dort oft mit ihrem Sohn trifft, darf sie die Toilette im nahe gelegenen Lokal "Elisabeth" benützen. "Aber wenn man dort nicht Stammgast ist, geht das nicht. Außerdem sperrt das Lokal bald zu", sagt Staubmann. Sie versteht nicht, warum man sich dazu entschieden hat, das WC abzubauen: "Es gibt in der Nähe einen Spielplatz, ein Kinderschwimmbad und den Jüdischen Friedhof. Für Besucher all dieser Einrichtungen ist die Anlage wichtig."

Währings Bezirksvorsteherin Silvia Nossek (Grüne) kann die Beschwerde nachvollziehen. "Die WC-Anlagen im Währinger Park, am Aumannplatz und die zweite Anlage im Türkenschanzpark wurden abgebaut. Besonders zu den ersten beiden Standorten gibt es viele Anfragen."

"Trend zur Ausdünnung"

Die Schließung wurde bereits vor mehr als zwei Jahren beschlossen. "Damals wurde die Renovierung des denkmalgeschützten WCs im Türkenschanzpark genehmigt. Im Gegenzug wurden drei Anlagen abgebaut." Nossek meint, bei allen Betreibern öffentlicher Toiletten in Wien – das sind die MA 48 für die Stadt, die Wiener Linien und die ÖBB – eine Tendenz zur Ausdünnung wahrzunehmen. Über diesen Trend ist sie nicht glücklich, befriedigende Alternativen sieht sie vorerst aber keine. "Wir sind als Bezirk für die Errichtung und den Erhalt der städtischen Toiletten zuständig. Das ist sehr teuer und wir haben nur wenig Spielraum."

Nossek kann sich vorstellen, eine Praxis zu übernehmen, die in deutschen Städten erfolgreich ist: Der Bezirk bezahlt Gastwirte dafür, dass diese ihre WC-Anlagen zur Verfügung stellen. "Aber da ist man an Öffnungszeiten gebunden. Ich weiß auch nicht, wie viele Restaurants das wollen." Sie will mit Unternehmern sprechen.

Zur Sache:

Behindertengerechte öffentliche Toilettenanlagen gibt es in Währing im Türkenschanzpark (Ecke Hasenauerstr./Gregor-Mendel-Str.), im Schubertpark, am Johann-Nepomuk-Vogl-Markt und an der Endstelle der Linie 41 (Pötzleinsdorfer Str.). Weitere Anlagen sind am Kutschkermarkt und im Türkenschanzpark.

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