22.05.2017, 15:51 Uhr

Kaffee, oder Tee? In der Cafébrennerei Franze gibt es beides

Treffpunkt für Kaffee- und Teeliebhaber: Nicolas Franze und Bettina Klinger in ihrer "Cafebrennerei".

Selbst gerösteter Bio-Kaffee ist das Aushängeschild des kleinen Cafés am Kutschkermarkt. Aber auch Teekenner kommen hier auf ihre Kosten.

WÄHRING. "Wer in einem Kaffeehaus einen Tee bestellt, ist selber schuld", lacht Nicolas Franze, selbst ein großer Teeliebhaber mit enormem Kaffeeknowhow und einem guten Stück Familiengeschichte, was das Kaffeerösten betrifft. Denn schon sein Großvater Gustav Franze, gelernter Zuckerbäckermeister, röstete in seinem Geschäft seit 1929 Kaffee. "Das war damals aber gar nichts Ungewöhnliches. In den 1930ern gab es in Wien an die 500 Kaffeeröstereien, die durch die zunehmende Industrialisierung und Vakuumierung des Kaffees bald wieder verschwanden."

Aber nur ein Kaffeehaus, oder nur eine Rösterei zu eröffnen, wäre für Nico Franze gar nicht interessant gewesen: "Im Kaffeehaus ist zwar der Kaffee gut, dann gibt es aber meist nur Sackerl-Tee." Er wollte aber das Beste aus beiden Welten, und das in einem Ambiente, das eher an das eigene Wohnzimmer erinnert, als an ein "normales" Café. Nico Franzes Liebe zu gutem Tee hat er der Teepflanze selbst mit ihren faszinierenden Eigenschaften zu verdanken. "Ein überbrühtes Teeblatt ist ein Kunstwerk der Natur", sagt er. Und was Kaffee anlangt, hat er die ganze Palette an Jobs rund um die Produktion selbst erlebt. Dreienhalb Jahre war er in Südamerika und der Karibik auf Plantagen und in Kooperativen tätig, war Rohkaffee-Einkäufer, kennt den Kaffeehandel aus dem "ff", lernte die Rösterei im In- und Ausland und arbeitete beispielsweise auch bei Alt-Wien. "Ich wollte jede Station, die Kaffee macht, vom Anbau bis zum Rösten selbst erleben!"

Das Wichtigste ist das Probieren

"Nur" rund 250 Teearten im Sortiment zu haben, davon an die 70 Prozent Bio, und rare Kaffeespezialitäten wie den Jamaika Blue Mountain von Radnor Estate JAH B, den Mocca Harass Shabbir Al Ezzi aus dem Jemen, oder Kaffe von den Galapagos Inseln zu führen, wäre Nicolas Franze aber zu wenig: "Mir ist wichtig, dass man jeden Kaffee, jeden Tee auch probieren kann!" Schließlich entscheide der persönliche Geschmack über Vorlieben. Und die seien bekanntlich verschieden. Und wer möchte, bekommt auch gleich die Hintergrundgeschichte dazu und Tipps zum richtigen Aufbewahren und Selbermachen zu Hause. Denn der Hausherr kennt seine Produkte nicht nur in- und auswendig, er teilt sein großes Insider-Wissen liebend gerne mit anderen. "Der Kontakt mit den Menschen macht meinen Tag erst so richtig schön und interessant", sagt er.

Eröffnet hat das Franze im letzten Herbst. Entdeckt hat das Geschäftslokal vor zwei Jahren Nico Franzes Partnerin Bettina Klinger: "Ich bin hier ums Eck aufgewachsen und kannte das frühere Anker-Geschäft. Die Lage an der Ecke gegenüber vom Kutschkermarkt war ideal, der Zustand des Lokals aber leider nicht." Monate haben die beiden umgebaut, die neuen, riesigen Auslagen eingezogen und alles liebevoll bis ins Detail eingerichtet. "Die Holzmöbel hat Nico aus Griechenland importiert, sein Vater ist ja Grieche", erklärt Bettina Klinger. Im Franze gibt es aber nicht nur Tee und Kaffee, sondern auch Frühstück, Sandwiches und süße Köstlichkeiten. Zu finden ist das Café in der Schulgasse 25/2–3. Infos: www.kaffeerösterei.wien
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