02.08.2016, 09:00 Uhr

Was tun bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit

Diätologin Silvia Kritzinger weiß, welche Beschwerden auf eine Nahrungsmittelintoleranz hinweisen können. (Foto: Silvia Kritzinger)
BRAUNAU. Eine Nahrungsmittelintoleranz hat nichts mit einer Allergie zu tun. "Allergien sind immunologisch vermittelt", weiß Diätologin Silvia Kritzinger. "Bei einer Nahrungsmittelallergie kommt es nach wiederholtem Kontakt mit dem Auslöser zu einer Reihe von Symptomen wie Übelkeit, Juckreiz oder Migräne." Hingegen seien Nahrungsmittelintoleranzen nicht immunologisch bedingt, sondern pseudoallergische Reaktionen, zudem häufig sehr von der Menge abhängig.

Laktoseintoleranz und Fruktosemalabsorption sind vielen Menschen ein Begriff, während die Histaminintoleranz und die Sorbitintoleranz eher unbekannt sind. Die unterschiedlichen Nahrungsmittelunverträglichkeiten "weisen aber teilweise eine ähliche Symptomatik auf", erklärt Kritzinger. Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Völlegefühl und Blähungen können sowohl Symptome einer Fruktosemalabsorption, als auch einer Laktoseintoleranz sein.

"Bei länger anhaltenden Beschwerden einer Fruktosemalabsorption können auch Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Stimmungsverschlechterungen und Antriebslosigkeit auftreten.", ergänzt die Diätologin.
Bei einer Histaminintoleranz beschränken sich die Symptome nicht nur auf den Verdauungstrakt. Es können auch Kopfschmerzen, Atemnot und Fließschnupfen auftreten.

Zur Diagnosestellung von Laktose-, Sorbitintoleranz und Fruktosemalabsorption ist die Wasserstoffkonzentration in der Ausatemluft ausschlaggebend. Diese wird durch den H2-Atemtest (Wasserstoffatemtest) gemessen. Die Bestimmung der DAO-Aktivität (Diaminoxidase) wird bei der Diagnose einer Histaminintoleranz gemacht. "Grundsätzlich ist eine ausführliche Anamnese, die das Essverhalten berücksichtigt aber die Grundlage aller weiteren Untersuchungen", betont Silvia Kritzinger. Daher geht meistens das Führen eines Ernährungsprotokolls der Diagnosestellung durch den Arzt voraus.

Vermeiden wirkt sich positiv aus

Wenn die Diagnose einer Nahrungsmittelintoleranz gestellt ist, wäre eine Ernährungsberatung sinnvoll. Die Diätologin weiß: "Meistens handelt es sich um ein Mengenproblem, also ein Zuviel an Laktose oder Fruktose in den Lebensmitteln. Bei der Ernährungsberatung werden Alternativen – nicht nur Verbote – besprochen, damit die Ernährung nicht einseitig wird." Oft werde jedoch für einen bestimmten Zeitraum eine laktose- oder fruktosearme Ernährung angeraten. Komme es dann zu einer Besserung der Symptome, werde auf eine laktose- oder fruktoseangepasste Dauerernährung umgestellt.

"Generell gilt: Eliminieren von Lebensmitteln, die zu Beschwerden führen", sagt Silvia Kritzinger. Außerdem sei das Einschränken von Fertiggerichten, in denen Laktose oft aufgrund ihrer technologischen Eigenschaften als Hilfsstoff verwendet wird, ratsam. Eine ähnliche Problematik, jedoch die Fruktose betreffend, gibt es bei Light-Produkten und Wellnessgetränken.

Häufigkeit

Es existieren zwar geographische und ethnische Unterschiede, ungefähr 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind jedoch von Laktoseintoleranz betroffen. Ähnlich hoch wird die Häufigkeit von Fruktosemalabsorption geschätzt, jedoch hat diese einen weniger hohen Bekanntheitsgrad. Eine Histaminintoleranz kommt jedoch nur bei 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung vor.

Es stellt sich die Frage, ob Nahrungsmittelunverträglichkeiten früher weniger oft vorkamen. Dazu sagt die Diätologin: "Die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und der häufige Konsum von Fertigprodukten spielt eine Rolle." Generell würden Nahrungsmittelintoleranzen aber auch mehr Aufmerksamkeit bekommen. Vor allem die Aufklärung durch Ärzte und die mediale Verbreitung seien ausschlaggebend.
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