06.07.2016, 16:28 Uhr

Start für Campus Burghausen: Hier stimmt die Chemie

Das zukünftige Lehrgebäude in der Marktler Straße 50 in Burghausen. (Foto: Campus Burghausen)
BURGHAUSEN (ebba). Die Stadt Burghausen, im benachbarten Bayern, wird Hochschulstandort. Am 4. Oktober starten hier mit Betriebswirtschaft und Chemieingenieurwesen die ersten beiden Studiengänge, zwei weitere kommen später hinzu. Der Campus Burghausen ist ein Ableger der Hochschule Rosenheim. Die Einschreibung für das erste Semester läuft nur noch bis 15. Juli 2016.

Weil Betriebswirtschaft dem Numerus Clausus unterliegt, kann hier die Zahl der Anfänger ziemlich genau vorhergesagt werden. Die Ausbildung ist auf 60 Plätze begrenzt. Der Studiengang Chemieingenieurwesen ist frei von Auflagen. Bis Stand 4. Juli 2016 waren hierfür bereits 57 Bewerbungen eingegangen.
Zwei weitere Studiengänge sollen später hinzu kommen. Dabei wird es sich vermutlich um Wirtschaftsingenieurwesen, kombiniert mit dem Studiengang Ingenieurwissenschaften, handeln.

Das Besondere in Burghausen ist die Nähe zur chemischen Industrie. Durch seine Grenzlage kann der Hochschulstandort auch für die österreichischen Nachbarregionen positive Effekte erzielen. Darüber informierten am 4. Juli in der Bezirkshauptmannschaft Braunau Campus-Burghausen-Projektleiterin Britta Bolzern-Konrad, Anton Steinberger, Ingrid Heckner MdL, Bundesrat Ferdinand Tiefnig und Klaus Berer von der Wirtschaftskammer Braunau. Bundesrat

Tiefnig sieht im Campus Burghausen eine Chance, Menschen in der Region halten zu können. Nur rund sechs Prozent der Braunauer Bevölkerung über 15 Jahre haben einen Hochschul- oder verwandten Abschluss, das sind rund 5500 Personen. Damit rangiert der Bezirk an letzter Stelle in OÖ. Um auf den OÖ-Schnitt von rund zehn Prozent zu kommen, fehlen zirka 2800 Akademiker. Vor diesem Hintergrund begrüßt Klaus Berer, Leiter der WKO Braunau, die Hochschule Burghausen: "Es handelt sich bei den jetzt schon angebotenen und noch einzurichtenden Studienrichtungen um Fächer, die von den Unternehmen in der Region auch tatsächlich nachgefragt werden", weiß Berer.

Laut Anton Steinberger könne man sich vor allem mit der HTL Braunau eine Kooperation vorstellen. Britta Bolzern-Konrad erklärte, dass es bisher erst einen österreichischen Bewerber für das Studium in Burghausen gibt. "Das reicht uns natürlich noch nicht. Wir wollen eine Strahlkraft über die Region hinaus entfalten und auch mit österreichischen Unternehmen zusammen arbeiten, was etwa Praktika angeht."

Das Lehrgebäude entsteht gerade in zentraler Lage in der Marktler Straße 50. 40 Wohneinheiten werden in Burghausen für die Studierenden in Stand gesetzt, acht Stipendien angeboten. Studiengebühren wird es keine geben. Mehr Infos gibt es unter www.campus-burghausen.de bzw. unter fh-rosenheim@burghausen.com sowie unter Tel. 0049/8031-805-4000.

Diskussion über Agrar-FH in Reichersberg
Währenddessen wird über die Errichtung einer Agrar-Fachschule mit zirka 300 Studienplätzen im Innviertel diskutiert. Das Stift Reichersberg wird hierfür als möglicher Standort gehandelt. Eine Kooperation mit der landwirtschaftlichen Hochschule in Weihenstephan in Bayern sei angedacht. Die Schwerpunkte der Agrar-Ausbildung, die hier künftig angeboten werden könnte, wären Agrartechnik, -marketing und -ökonomie.

Nachdem Landwirtschaftspräsident Franz Reisecker und FPÖ-Landesrat Elmar Podgorschek die Pläne für die Agrar-FH vorgestellt hatten, kam Kritik von Grünen-Bundesrat David Stögmüller: „Der Agrarbereich ist zweifellos wichtig. Aber für die Region gibt es eine Vielzahl an wichtigen Schwerpunkten. Vor allem die Industrie mit Maschinenbau. Diesen Bereich bei einer FH-Planung zu ignorieren, sehe ich als bildungspolitische Fahrlässigkeit“, so Stögmüller. Elmar Podgorschek könne sich allerdings als möglichen „Kompromiss“ ein Zusatzangebot von Leichtbau-Studiengängen vorstellen.

Für Stögmüller liegt jedoch ein weiterer Nachteil in der Örtlichkeit, da Reichersberg nicht an den öffentlichen Verkehr angebunden ist und über keine ausreichende Infrastruktur verfüge. Seiner Meinung nach wären die Städte Braunau oder Ried geeignetere Standorte.
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