04.10.2016, 13:17 Uhr

Ein Leben für die Kunst

Franz und Renate Reitinger vor den Werken von Erwin Burgstaller in ihrer Kleinen Kellergalerie.
Eferding: Kleine KellerGalerie |

Renate und Franz Reitinger lieben Kunst – und verschaffen ihr in der Kleinen KellerGalerie einen Raum.

EFERDING (raa). "Mit einem langen Atem und gutem Willen lässt sich alles lösen." So beschreibt Renate Reitinger den Ausbau des fast 400 Jahre alten Gebäudes zu einer Galerie, der Kleinen KellerGalerie in der Starhembergstraße. Während einer Skitour sind der Elektrotechniker und die ehemalige Buchhändlerin auf die Idee gekommen, der Kunst in Eferding einen Raum zu geben. Ein Dreivierteljahr dauerte der Ausbau. "Hätten wir gewusst, was da auf uns zukommt, wir hätten es wohl gelassen", so Renate Reitinger. Zur Freude aller Kunstliebhaber haben der 61-Jährige und seine 58-jährige Frau nicht aufgegeben.
Kunst in allen Formen begleitet die beiden Autodidakten bereits ein Leben lang. Franz Reitinger wollte in den 1960er-Jahren ursprünglich sogar Grafiker werden. "Abgeschreckt hatten mich damals die mit Federn im Haar geschmückten Mädchen in der Kunstgewerbeschule." Zu Pinsel und Bleistift greift der verhinderte Grafiker dennoch gerne, auch wenn er sich selber, zu Unrecht, eher als "Pinsler" denn als Künstler versteht. Renate Reitingers Zugang zur Kunst erschließt sich neben der bildenden Kunst eher über Literatur und Musik. Einer Meinung sind die beiden in Sachen Kunst nicht immer. "Aber wir können darüber diskutieren, und das sehe ich ja auch als Aufgabe der Kunst: darüber ins Gespräch zu kommen", so die beiden einhellig. Für beide ist und bleibt Kunst ein Hobby. "Auch die Galerie hier ist fast ein Hobby, davon leben könnten wir nicht", so Franz Reitinger. "Aber wir haben große Freude, etwas zu zeigen. Natürlich ist es schön, leistbare Kunst zu verkaufen, aber uns freut es schon, wenn wir bei Menschen das Interesse wecken können und sie zu öffnen, andere Wege zu gehen", so Renate Reitinger.
"Vielen fehlt heute das Vorstellungsvermögen. So wie wir Sprechen, Singen, sogar das Sehen lernen müssen, weil wir das langsam verlieren, so kann die Kunst Meinungen bilden und auch öffnen", ist Franz Reitinger überzeugt. "Wir leisten uns, Banken zu retten. Aber wir leisten uns nicht, die Jugend auf einen Weg der wichtigen Wertigkeiten im Leben zu bringen", beklagt Renate Reitinger. Um die Jugend in Zukunft besser zu erreichen, planen die beiden für 2017 Rap und Poetry-Slams in der Galerie zu präsentieren.


ERWIN BURGSTALLER


"Skulptur_Plastik" eröffnet am Freitag, 7. Oktober um 19 Uhr. Die Ausstellung ist im Oktober samstags (14 bis 18 Uhr) und sonntags (10 bis 13 Uhr) geöffnet. Außerdem können die Werke des Gallspacher Bildhauers nach Vereinbarung (Tel. 0660/2179195) besichtigt werden.

"Mit Erwin Burgstaller präsentieren wir einen Bildhauer, der in unserer Gegend beheimatet ist und der durch seine klar erkennbaren Werke schon lange weit bis über die österreichischen Landesgrenzen hinaus bekannt ist", so die Galeristen aus Eferding.
Mit viel Witz und Ironie, aber auch einem nachdrücklichen Scharfblick weist uns Erwin Burgstaller auf eine Tatsache hin: „Vorsicht, Sie leben auf einer Kugel“.

Eine seiner Galionsfiguren ist der Walkman, der wesentliche Fragen stellt:
„Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was tun wir hier eigentlich?“
Dieser Walkman regt uns dazu an, unser Leben, unser Tun und unser Sein zu bedenken.

Als Bildhauer hinterfragt Erwin Burgstaller die Schnelllebigkeit und Hektik unserer Zeit und sieht sich selbst als „Entschleuniger“. Seine Skulpturen sind ein langwieriges Handwerk – „Bronze schmilzt nun einmal erst bei mehr als 1080 Grad – selbst wenn ich es noch so eilig habe“, und zwingen ihm die Ruhe und Gelassenheit auf, die in seinen Werken auf den Betrachter übergehen. Er nimmt sich nach wie vor die Freiheit, ohne Handy und Computer zu sein, um sich ohne Ablenkung seiner Arbeit und seinen Figuren zu widmen.

Nach wie vor ohne Handy und Computer sieht er sich im Kopf freier, um in die essentielle Wahrheit des Lebens einzutauchen. Als Künstler ist er aber kein „Zeitverweigerer“, sondern vielmehr einer jener, der bewusst seine Umwelt wahrnimmt und klar und deutlich seine Eindrücke wiedergibt.
Seine Skulpturen, wie der „Walkman“, die „Balance“, das „Paar“ und viele andere mehr, haben bereits den Status von Kultfiguren erlangt!

Der künstlerische Weg Erwin Burgstallers bedeutet aber auch beständige Reflexion, beständige Neuorientierung, beständiges Lernen und beständige Ausweitung seines Formen- und Materialvorrates.

Diese Ausstellung wird für uns ein besonderes Erlebnis, trifft er doch mit seinen einprägsamen Werken unmittelbar den Puls unserer Zeit.
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