21.03.2016, 12:04 Uhr

Fehlender Kindergarten-Ausbau - in manchen GU-Gemeinden zunehmend ein Problem

Hart bei Graz hat absolut und prozentuell von allen Gemeinden im Bezirk Graz-Umgebung 2015 die meisten Einwohner hinzu bekommen.
Hart bei Graz und Gössendorf sind zwei Wachstumsgemeinden südlich von Graz, diese sind beispielhaft für die sogenannten „Speckgürtel Gemeinden“ um Graz, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten besonders stark gewachsen sind.
Gössendorf gehörte in den letzten 10 Jahren beim Bevölkerungszuwachs zu den Spitzenreitern aller Gemeinden in der Steiermark (17,17 Prozent Zuwachs von 01.01.2006 bis 01.01.2016). Hart bei Graz ist allein im letzten Jahr um 311 Einwohner (6,85 Prozent) gewachsen, prozentuell ist das der mit Abstand höchste Wert aller steirischen Gemeinden.

Ein großer Teil des Zuzugs in beiden Gemeinden sind junge Familien, daher steigt der Bedarf an Kinderkrippen-, Kindergärten- und Volksschulplätzen stark. In beiden Gemeinden ergeben sich durch Versäumnisse bzw. Fehlplanungen in den letzten Jahren nun zunehmend Probleme:

Gössendorf


Für bereits 20 Kinder fehlt es in der Marktgemeinde Gössendorf an Kindergartenplätzen berichtet Bürgermeister DI (FH) Gerald Wonner in der letzten Gemeinderatssitzung am 16. März 2016.
Er hat bereits bei Nachbargemeinden und beim Betriebskindergarten Magna angefragt, ob es dort eventuell noch freie Plätze gibt. Aber auch die Nachbargemeinden hatten in den letzten Jahren einen starken Bevölkerungszuwachs, dementsprechend sind auch dort die Kindergärten weitgehend ausgelastet.

Um die Übernahme von Kindergartenkindern aus Gössendorf in anderen Kindergärten zu fördern, wurde als Sofortmaßnahme eine Zuzahlung von 100 Euro pro Monat in der letzten Gemeinderatssitzung beschlossen. Diese Förderung soll von der Marktgemeinde Gössendorf an Kindergärten unabhängig vom Betreiber gehen, egal ob kirchlich, privat oder von einer anderen Gemeinde betrieben, Hauptsache man findet Plätze für die Kinder.
Zusätzlich wird die Marktgemeinde Gössendorf Tagesmütter und Tagesväter stärker bewerben und überlegt sich die Ausbildung dazu zu fördern um zusätzliche Alternativen zum Kindergarten zu schaffen.

Das Thema ist nicht neu in Gössendorf, bereits im Juni 2013 gab es einen Artikel der Kleinen Zeitung in dem das neue Gemeindezentrum damit begründet wurde: "17 Prozent Einwohner-Zuwachs in den letzten Jahren, Gössendorf platzt aus allen Nähten. Volksschule, Kindergarten - alles ist komplett voll."
Die Woche GU-Süd hat ebenfalls mehrmals zu geplanten Umbauten in der Marktgemeinde Gössendorf berichtet: "Die angrenzende Volksschule, der Kindergarten und die Kinderkrippe platzen aus allen Nähten. Diese Einrichtungen brauchen die frei werden Räumlichkeiten dringend, weiß der SP-Ortschef".

Die Pläne zum Gemeindezentrum (offiziell Multifunktionszentrum), für das Anfang 2013 noch alle Fraktionen im Gemeinderat waren, wurden verworfen nachdem auch die SPÖ Gössendorf ihre Bestrebungen dazu Ende 2015 eingestellt hat.
Jetzt herrscht im neuen Gemeinderat zwar Übereinstimmung das neuen Gemeindezentrum nicht wie geplant umzusetzen, das eigentliche Problem der fehlenden Kindergartenplätze ist aber nach wie vor ungelöst.

Über erste Überlegungen wie es nun mit dem Infrastruktur-Ausbau in der
Gemeinde weiter gehen soll, wurde bei der Gemeindeversammlung am 27. Jänner 2016 vorab informiert. Wie auch beim alten Plan startet die Diskussion wieder mit einem neuen Gemeindezentrum, viel wichtiger wäre vorab zu klären, was wie dringend benötigt wird.
Zusätzlich zum Hochwasserschutz sollten die Prioritäten bei geplanten Infrastruktur-Projekten eher so gesetzt werden:

Hohe Priorität: Ausreichend Kindergartenplätze in der Gemeinde schaffen
Mittlere Priorität: Veranstaltungsraum für Kulturveranstaltungen usw.
Niedrige Priorität: Neues Gemeindeamt mit mehr Platz für Gemeindemitarbeiter, Politiker und Parteien

Ziel sollte daher nicht wieder primär die Errichtung eines neuen Gemeindezentrums sein, sondern ausreichend Kindergartenplätze zu schaffen, die dringend benötigt werden, und das so bald wie möglich.

Hart bei Graz


In Hart bei Graz hat man nicht nur ein neues Gemeindezentrum geplant, man hat es auch gebaut. Das obwohl zu diesem Zeitpunkt schon lange klar gewesen sein muss, dass sich der Bedarf an Kindergartenplätzen in den Jahren 2015 und 2016 massiv erhöhen wird.

Die verantwortliche Gemeindeführung wurde zwar im März letzten Jahres abgewählt, die neue Gemeindeführung steht nun aber vor dem Problem, dass allein im Jahr 2015 die Bevölkerung in Hart um 311 Einwohner zugenommen hat. Dabei handelt es sich sehr oft um junge Familien mit Kindern.
Die Gemeinde hat über 35 Millionen Euro Schulden und zusätzliches Geld vom Bund für die im letzten Jahr stark erhöhte Einwohneranzahl, in Form von höheren Ertragsanteilen, gibt es erst ab 01.01.2017. Die Schaffung von zusätzlichen, dringend benötigten Kindergartenplätzen ist eine zusätzliche große Herausforderung für die Reformpartnerschaft in der ohnehin finanziell gebeutelten Gemeinde.

In der Gemeinderatssitzung am 10. März 2016 gab es eine dementsprechende Anfrage in der Bürgermeisterfragestunde. Laut einer Bedarfserhebung gibt es einen zusätzlichen Bedarf von 2 bis 3 zusätzlichen Kinderpädagogen und 5 bis 6 zusätzlichen Kinderbetreuern. Auch müsste eine ganztägige Kinderkrippe angeboten werden.

Es ist aber auch Faktum, dass zurzeit zu wenig Raum für die zusätzlichen Betreuungsplätze in der Kinderkrippe, im Kindergarten und im Hort existiert. Bei allen baulichen Investitionen in den letzten 10 Jahren wurde leider gänzlich darauf vergessen, auch die kommunalen Einrichtungen entsprechend der Bevölkerungsentwicklung zu planen und umzusetzen.

Aus dieser Not heraus wird gerade darüber diskutiert, den neuen Trauungsaal im nicht genutzten neuen Gemeindeamt als Kinderhortplatz zu adaptieren.
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