16.03.2016, 15:36 Uhr

Rolf Brillen: Nur das Glas ist nicht aus Holz

Viele Holzarten eignen sich nicht zum Brillenmachen. Ahorn hingegen funktioniert super.

Wenige rechneten damit, aber heute verkaufen sich die Rolf Holzbrillen von Russland bis Amerika.

INNSBRUCK. Schlagartig bekannt wurden die Rolf Holzbrillen 2009 durch den Preis Silmo d'Or – quasi den Oscar der Brillen. Holzbrillen gab es auch bisher, der Unterschied war, dass Rolf Brillen eine Fassung herstellten, die aus 100 Prozent Holz bestand: inklusive Scharnier. Denn ein Gelenk aus Holz zu machen, ist was ganz Besonderes.

"Nicht jedes Holz ist zum Brillenmachen geeignet"


- erklärt der Optikermeister Stefan Wolf in seinem stimmungsvollen Geschäft in der Innsbrucker Leopoldstraße. "Zirbe beispielsweise ist zu weich. Dafür lassen sich Eiche, Nuss und Akazie gut verarbeiten. Ahorn ist oft das Kernmaterial unserer mehrschichtigen Brillen. Diese Holzart ist besonders stabil." Er ist der Optikermeister, der die Brillen vertreibt, sein Bruder Roland Wolf ist der "Erfinder". "Anfangs waren nicht nur die Banken skeptisch, was die Finanzierung für Holzbrillen anging. Außer meinem Bruder und seinem engsten Kreis glaubten wenige an den Durchbruch", plaudert Wolf aus dem Nähkästchen.


Ein besonderes Gelenk

Er zieht einen Holzkasten hervor, in dem Holzbrillen liegen. Er nimmt eine der Brillen in die Hand und zeigt das Gelenk: Es lässt sich flexibel auf- und einklappen, die Brille ist leicht, filigran, eine wahre Freude sie anzuschauen. "Auch die Gläserfassung ist patentiert", erklärt Wolf, "da man das Holz nicht, wie Plastik dehnen kann, mussten wir uns etwas einfallen lassen, um die Gläser einzufügen." Er zeigt es vor. Es ist einfach und doch genial: Mit einer Art Angelschnur, die zum Ende immer dicker wird, wird das Glas – welches am oberen Teil eine Rille hat – einfach eingeklemmt. "Wir schulen unsere Händler ein", erläuter er.


Nachhaltiges Holz

Ein wichtiger Faktor für das Familienunternehmen ist auch die Nachhaltigkeit. "Das Holz kommt meist aus Deutschland. Wir schauen uns vor Ort an, ob es nachhaltig produziert wird und danach entscheiden wir uns", so Wolf. Die Brillen selbst werden in Weißenbach in Reutte hergestellt. Es arbeiten zirka vierzig Personen in der Produktion.

"Die Holzbrille ist was Exklusives"

Die Brillen sind etwas Exklusives, streicht der Optiker hervor: "Es gibt Studenten, die monatelang sparen, damit sie sich eine unserer Brillen kaufen können. Viele Menschen, die sich eine Rolf-Brille zulegen, sind mit unserer Ideologie einverstanden, mögen, dass unsere Brillen nachhaltig und in Tirol produziert werden." Der Preis für eine Rolf-Holzbrille fängt bei knapp 700 Euro an und geht bis zu 7.000 Euro. Die teuerste Brille ist jedoch nicht aus Holz, sondern eine aus Horn. Warum die so viel teurer ist? "Sie wird aus Hornplatten hergestellt. Um diese zu bearbeiten, muss man extrem viel schleifen. Das ist nicht nur schwere Arbeit, sondern auch ziemlich unangenehm, da es sehr viel Staub macht." Der nächste Schritt für die Brillenhersteller mit Weitsicht steht schon fest: "In Zukunft wollen wir auch Steinbrillen auf den Markt bringen."
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