13.04.2016, 11:01 Uhr

Eine "Faustball-Ikone" nimmt Abschied vom Nationalteam

Klemens Kronsteiner, eines der ganz großen sportlichen Aushängeschilder aus dem Bezirk Kirchdorf

14 Jahre war Klemems Kronsteiner vom TuS Kremsmünster Mitglied des österreichischen Nationalteams. Jetzt macht er Platz für Jüngere.

KREMSMÜNSTER (sta). Von 26. – 28.8.2016 findet in Grieskirchen die Faustball-Europameisterschaft der Männer statt. Bei der Kick-Off-Veranstaltung in der Keine Sorgen Arena in Linz präsentiert Neo-Teamchef Martin Weiß den Vorbereitungs-Kader für das Heim- Event. Klemens Kronsteiner, Angreifer beim TuS Kremsmünster , steht dem Team allerdings nicht mehr zur Verfügung.
Die BezirksRundschau sprach mit Kronsteiner über seine Beweggründe.

BezirksRundschau: Klemens, warum hast du dich zum Rücktritt entschieden?

Kronsteiner: Nach 14 Jahren Nationalteam - mit zwei Jahren Absenz - haben sich auch meine Prioritäten verändert. Ich habe diesen Sport wirklich lange auf höchstem Level betrieben und weiß was es heißt dorthin zu kommen bzw. dort zu bleiben. Mit dem Alter wird das immer schwieriger und es fehlt mir immer schwerer den notwendigen Mehraufwand an Training auf mich zu nehmen. Nach der WM in Argentinien ist aus meiner Sicht nun auch die Zeit gekommen einer neuen jungen und wirklich talentierten Nachwuchsgeneration Platz zu machen.

Welche Ziele hast du noch als Sportler?
Ich bin mittlerweile 33 Jahre alt und werde noch bis Sommer alles für Kremsmünster geben um das letzte Ziel meiner aktiven Sportlerkarriere, den Meistertitel am Feld, mit Kremsmünster zu erringen. Da wir dieses Jahr auch noch Veranstalter dieses Final 3 sind (24./25.06) - wird das mit Sicherheit ein schöner Abschluss. Danach werde ich dem Verein aber mit Sicherheit in welcher Funktion auch immer erhalten bleiben.

Wie lange hast du für Kremsmünster in der höchsten österreichischen Liga gespielt?
Mein Debüt für den TuS gab ich 1999, damals war Dietmar Winterleitner noch mein Mitspieler und Stefan Winterleitner bzw. Markus Ahrens noch U-10 Spieler.

Wann hast du im Nationalteam debütiert?

Von 2002 - 2016 war ich fixer Bestandteil des Teams bei Großereignissen. Mein Debüt durfte ich 2001 bei einem Freundschaftspiel gegen Brasilien in Freistadt feiern.

Wie oft hast du für Östereich gespielt?
Ich durfte 94 Mal mit dem Adler auf der Brust auflaufen.

Was waren deine größten und schönsten Erfolge im Team?

Ich habe mit dem Nationalteam alle Titel gewonnen, die es zu gewinnen gibt. Der mit Abstand schönste war aber der Weltmeistertitel 2007. Da konnten wir uns unseren Faustballtraum erfüllen. Mein Vater zeigte mir nach dem gewonnen WM - Finale einen Zettel, den ich ehemals in der Volksschule geschrieben habe, wo darauf stand: "Was ich einmal werden möchte... Faustball Weltmeister" war meine Antwort. Ein weiteres Erlebnis, das mir immer wieder vor Augen führt, dass Faustball mehr als der reine Sport ist, ereignete sich nach dem EM - Finale 2010 in der Schweiz. Wir gewannen nach hartem Kampf gegen die Eidgenossen mit 4:2. Der erste Gratulant nach der Siegerehrung war nicht etwa ein österreichischer Fan, nein es war mein Schweizer Gegenspieler Manuel Sieber, der ein richtig guter Freund geworden ist. Er hatte zwei Bier in der Hand und wir verabschiedeten uns vom Trubel der Menschen und analysierten gemeinsam das vorherige Finale. Das zeigt mir, dass Faustball Menschen weit über das Spielfeld hinaus verbindet.

Was hat es für dich bedeutet, für Österreich zu spielen?
Es war schon wirklich was besonderes die Bundeshymne vor dem Spiel am Spielfeld zu hören. So richtig pathetisch patriotisch wie etwa Hans Krankl oder Toni Polster war ich aber nie.

Warum ist für dich Faustball der "geilste Sport der Welt" ?
Faustball ist so vielseitig. Um erfolgreich zu sein muss man viele leistungsbestimmende Faktoren miteinander kombinieren können. Kraft, Kondition, Koordination, Schnelligkeit, mentale Fähigkeiten gepaart mit Spielintelligenz und Kreativität- das ist der rein sportliche Aspekt. Der zwischenmenschliche macht diese Sportart so einzigartig und für mich unvergleichbar. Der herzliche Umgang weit über die Ländergrenzen hinaus. Das Entstehen von neuen Freundschaften zwischen Menschen unterschiedlicher Landkreise und Kulturen und das gegenseitige Anerkennen erbrachter Leistungen und ehrliche beglückwünschen auch nach Niederlagen findet man in keiner Sportart so wie bei der unseren.

Wo siehst du den Faustballsport in zehn Jahren?
Er wird auch in zehn Jahren noch der geilste Sport der Welt für mich sein. Der Trend der schwindenden Nachwuchskinderzahlen mit dem viele Sportarten kämpfen ist auch an unserer Sportart nicht spurlos vorüber gegangen. Es wird immer schwerer Kinder für eine regelmäßige sportliche Betätigung zu gewinnen. Da spreche ich noch nicht von Ausüben des Leistungssports Faustball, vielmehr von der Bedeutung und Vermittlung der Freude an Sport selbst,das wird immer schwieriger. Das Problem darin liegt aber aus meiner Sicht weniger an den Kindern, als vielmehr an uns Erwachsenen. Die Ehrenamtlichkeit der Trainer nimmt massiv ab. Verpflichtungen einzugehen Woche für Woche Kinder regelmäßig zu betreuen, wenn möglich auch noch untgeltlich, nehmen immer weniger auf sich. Ohne Idealismus werden wir diesem Trend nicht entgegenwirken können und gleichzeitig die Basis unseres Sports mehr und mehr schwächen. Die Situation diesbezüglich stimmt mich nicht sehr positiv. International erreicht der Faustball einen ungeahnten Aufschwung. 14 Nationen nahmen an der letzten WM teil. Zwei Nationen (Polen und Serbien), die bei der WM nicht dabei waren, werden heuer bei der EM in Grieskirchen teilnehmen. Eric Kindler - Nationalteamkapitän der USA - wird bei uns in Kremsmünster in diesem Frühjahr als Legionär Erfahrungen sammeln. Letztes Jahr veranstalteten die österreichischen Nachwuchsnationalteams ein gemeinsames Trainingslager mit dem Herrennationalteam aus Tschechien. Der Nationalteamcoach aus Australien Laurence Young besuchte 2014 die Brasilianische Nacht in Kremsmünster. Diesen Weg der weltweiten Verbreitung unserer Sportart, der unter dem neuen IFA - Präsidenten Karl Weiß prolongiert wird, müssen wir weitergehen, dann schaffen wir es vielleicht auch irgendwann mal olympisch zu werden.

Fotos: ÖFBB, privat
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