31.03.2016, 15:49 Uhr

Heinz Zuber: "Nichts hat mir soviel Spaß gemacht wie Enrico"

Auf dem Gemälde hält Heinz Zuber seinen ersten Dackel Wuzzeline im Arm. Der Hund wurde als ungeliebtes Weihnachtsgeschenk im Tierschutzhaus abgegeben und vom damaligen Tierheim-Direktor mit zu "Am dam des" genommen. Ins Tierheim kehrte Wuzzeline nie mehr zurück.

Heinz Zuber feiert am 7. April seinen 75. Geburtstag. Die bz besuchte Österreichs beliebtesten TV-Clown zu Hause und erfuhr, warum Enrico nie etwas sagen wollte.

Ist es für einen Burgschauspieler nicht nervig, auf einen Clown reduziert zu werden?
HEINZ ZUBER:
Jeder fragt das und ich kann immer nur betonen: Nein, ich bin sehr stolz! Mir ist mit Enrico etwas gelungen, was niemanden gelingt.

Was macht den Erfolg von Enrico aus?
Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht! Er ist einfach gut. Enrico war nicht als Erfolg geplant, die tollsten Dinge im Leben passieren ganz von alleine. Ich wußte aber schon sehr bald, dass Enrico gut ist, obwohl ihn nicht alle geliebt haben.

Gab es auch negative Reaktionen?
Wenige, aber es gibt auch Leute, die eine Clownphobie haben.

War Enrico Ihre Idee?
Nein, ich war acht Jahre als Heinz Zuber im ORF zu sehen, als ich mit Lieselotte Plauensteiner die Kindersendung "Das kleine Haus" gemacht habe. 1975 startete "Am dam des" und der Autor hatte die Idee zum Clown Enrico. Das berühmte Kostüm, das sich jetzt im Theatermuseum befindet, stammte aus dem Kostümfundus.

Also steckt gar nicht viel Heinz Zuber in Enrico?
Doch, Akzent und Maske waren von mir und im Laufe der Zeit habe ich mich hineingekniet und irgendwann war Enrico von Heinz Zuber schwer zu trennen. Ich habe in meinem Leben viel gemacht, aber nichts hat mir soviel Spaß gemacht wie Enrico, da das sehr kreativ war.

Waren Sie immer schon ein Clownfan?
Nein, aber ich habe in Paris Pantomime gelernt. Mich haben traurige Clowns, wie von Marcel Marceau dargestellt, interessiert. Enrico ist auch von Haus aus kein fröhlicher Clown. Sein Mund ist gerade, lustig wird er erst durch die Gestik.

Beschreiben Sie Enrico in drei Worten.
"Ich sag niiiiicht!"

Warum wollte Enrico nie sagen?
Weil er kokett ist! Er sagt ja, aber nicht gleich, er ziert sich.

Stehen Sie noch als Enrico auf der Bühne?
Nein. Ich bin kürzer getreten. Ich lebe und renne den Dingen nicht nach. Wenn ich jetzt etwas Neues mache, muss es passen.

Was war Ihr schönstes Erlebnis als Enrico?
Sehr schön waren meine Auftritte vor Flüchtlingskindern. Ich habe extra für die Auftritte phonetisch serbisch-kroatisch gelernt und war baff, als die Kinder gleich reagiert haben. Ich bin stolz auf das Talent, sofort beim Betreten der Bühne Kontakt zum Publikum zu haben. Man darf sein Publikum nie langweilen, auch die Erwachsenen nicht.

Würde eine Sendung wie "Am dam des" heute funktionieren oder haben sich die Kinder verändert?
Ich bin überzeugt, dass "Am dam des" funktionieren würde. Aber im Laufe meiner Liveauftritte habe ich gemerkt, dass die Kinder immer früher reif werden. In der Pubertät sind sie keine Enricofans mehr, und das passiert heute früher als in den 70er Jahren.

Hat man als berühmtester TV-Clown eine Verantwortung oder Vorbildfunktion?
Gehe nicht bei Rot über die Kreuzung! Aber das sollte kein Erwachsener tun, jeder hat eine Vorbildfunktion.

Sie veröffentlichen zu Ihrem 75. Geburtstag ein Buch - wie ist die Reaktion auf Geburtstag und Memoiren?
Gewaltig! Das ist sehr schön, aber der Rummel wird mir langsam zuviel. Mit so einem Echo habe ich nicht gerechnet. Was wird dann erst beim 90er oder 100er sein?

Zur Person

Heinz Zuber wurde am 7. April 1941 in Lörrach, Deutschland geboren. Mit 21 Jahren kam er nach Wien, um am Reinhadt-Seminar zu studieren. Neben seiner Rolle als Clown Enrico spielte Zuber als Burgtheatermitglied viele klassische Rollen und gab in den 1980er Jahren in acht Tatortfolgen den Kommissar Schulz.

Hintergrund

Bericht: Standing Ovations für Heinz Zuber
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Christine Hornischer aus Floridsdorf | 31.03.2016 | 18:04   Melden
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