26.07.2016, 18:55 Uhr

Dann gibt es nur eins!

Père Jacques Hamel wurde in islamistischem Hass die Kehle durchgeschnitten und für immer das Wort genommen. Sein Zeugnis wird sprechen für alle Zeit. (Foto: Aleteia)

Der grausame Märtyrertod des katholischen Priesters Jacques Hamel, am 26. Juli 2016, veranlasst mich, einen Text, der mich seit Jugendtagen begleitet und bewegt in leicht abgeänderter Form ins Netz zu stellen. Wolfgang Borchert, der jung verstorbene Anti-Gewalt und Anti-Kriegs-Mahner nach dem II. Weltkrieg, gehört zu meinen Lieblingsautoren. Von ihm ist der Original-Aufruf zum "Nein" gegenüber Hass, Gewalt und Krieg.
Jacques Hamel wurde heute in seiner Kirche auf übelste Weise ermordet.
Sein Tod kann nicht der Aufruf zu Rache, zu ungezügelter Hetze oder Gegengewalt sein. Unsere Botschaft, unser Glaube, unsere Werte - unser Gott lässt nur eine Antwort zu, damit das JA zum Leben stärker bleibt als Hass und Tod.


Du.
Mann in der Fabrik und am Montageband.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst keine Autos und keine Traktore mehr machen -
sondern Panzer und Maschinengewehre. dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du.
Mädchen hinterm Ladentisch und Mädchen im Büro.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst Listen schreiben
zur Abschiebung und zur Festsetzung
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du.
Besitzer der Fabrik.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst
statt Mehl und Kakao Sprengstoff verkaufen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du.
Forscher im Laboratorium.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst einen neuen, leisen Tod erfinden gegen das alte Leben,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Dichter in deiner Stube.
Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Liebeslieder,
du sollst Haßlieder gegen fremde Menschen singen,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du.
Arzt am Krankenbett.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst die Männer kampfestauglich schreiben,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pfarrer auf der Kanzel.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst deinen Glauben absolut setzen und den Mord segnen,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Kapitän auf dem Hochseeschiff.
Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Nahrungsmittel mehr fahren - sondern Kanonen und Panzer,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pilot auf dem Flugfeld.
Wenn sie dir morgen befehlen,
Du sollst Bomben und Phosphor über die Städte tragen,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Richter im Talar.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst die Menschenrechte außer Kraft setzen,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mann auf dem Bahnhof.
Wenn sie dir morgen befehlen,
du sollst das Signal zur Abfahrt geben
für den Munitionszug und für den Truppentransport,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mann auf dem Dorf und Mann in der Stadt.
Wenn sie morgen kommen und dir den Gestellungsbefehl bringen,
dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mutter in der Normandie und Mutter in der Ukraine,
du, Mutter in Frisko und London, du, am Hoangho und am Mississippi, du, Mutter in Neapel und Hamburg und Kairo und Oslo -
Mütter in allen Erdteilen, Mütter in der Welt,
wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder gebären,
Krankenschwestern für Kriegslazarette
und neue Soldaten für neue Schlachten,
Mütter in der Welt, dann gibt es nur eins:
Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!
Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann:
dann:
In den lärmenden dampfdunstigen Hafenstädten werden die großen Schiffe stöhnend verstummen und wie titanische Mammutkadaver wasserleichig träge gegen die toten vereinsamten Kaimauern schwanken,
algen-, tang- und muschelüberwest
den früher so schimmernden dröhnenden Leib,
friedhöflich fischfaulig duftend,
mürbe, siech, gestorben -
die Straßenbahnen werden wie sinnlose glanzlose glasäugige Käfige
blöde verbeult und abgeblättert neben den verwirrten Stahlskeletten
der Drähte und Gleise liegen,
hinter morschen dachdurchlöcherten Schuppen,
in verlorenen kraterzerrissenen Straßen -
eine schlammgraue dickbreiige bleierne Stille wird sich heranwälzen,
gefräßig, wachsend, wird anwachsen in den Schulen und Universitäten
und Schauspielhäusern,
auf Sport- und Kinderspielplätzen,
grausig und gierig,
unaufhaltsam -
der sonnige saftige Wein wird an den verfallenen Hängen verfaulen,
der Reis wird in der verdorrten Erde vertrocknen,
die Kartoffel wird auf den brachliegenden Äckern erfrieren
nd die Kühe werden ihre totsteifen Beine
wie umgekippte Melkschemel in den Himmel strecken -
in den Instituten
werden die genialen Erfindungen der großen Ärzte sauer werden,
verrotten,
pilzig verschimmeln :
in den Küchen,
Kammern und Kellern,
in den Kühlhäusern und Speichern
werden die letzten Säcke Mehl,
die letzten Gläser Erdbeeren, Kürbis und Kirschsaft verkommen -
das Brot unter den umgestürzten Tischen
und auf zersplitterten Tellern wird grün werden ,
das Korn auf den Feldern wird neben verrosteten Pflügen hingesunken sein
wie ein erschlagenes Heer
und die qualmenden Ziegelschornsteine,
die Essen und die Schlote der stampfenden Fabriken werden,
vom ewigen Gras zugedeckt,
zerbröckeln — zerbröckeln — zerbröckeln —
dann wird der letzte Mensch,
antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne
und unter wankenden Gestirnen umherirren,
einsam zwischen den unübersehbaren Massengräbern
und den kalten Götzen der gigantischen betonklotzigen verödeten Städte,
der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend -
und seine furchtbare Klage: WARUM?
wird ungehört in der Steppe verrinnen,
durch die geborstenen Ruinen wehen,
versickern im Schutt der Kirchen,
gegen Hochbunker klatschen,
in Blutlachen fallen,
ungehört, antwortlos,
letzter Tierschrei des letzten Tieres Mensch –
all dieses wird eintreffen,

morgen, morgen vielleicht,
vielleicht heute nacht schon,
vielleicht heute nacht, wenn

– wenn –
wenn ihr nicht NEIN sagt!
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Mag. Monika Himsl aus Innsbruck | 30.07.2016 | 08:29   Melden
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