30.03.2016, 15:01 Uhr

Eislaufverein-Hochhaus: Internationaler Rat für Denkmalpflege gegen geplanten Neubau

Geht es nach der Stadt Wien, soll der Eislaufverein im Jahr 2020 so aussehen. (Foto: Wertinvest)

Mit dem geplanten Neubau wäre der Weltkulturerbe-Status in Gefahr. Der Denkmalrat spricht sich klar gegen das Siegerprojekt für das WEV-Hochhaus aus.

LANDSTRASSE. Die geplante Umgestaltung des Wiener Eislaufvereins erregt die Gemüter im Bezirk und darüber hinaus. Von politischer Seite übt insbesondere die FPÖ starke Kritik an dem Bauvorhaben. Auch die Initiative Stadtbildschutz spricht sich seit Jahren vehement gegen den Bau des Turms aus.

Bereits im November war die "ICOMOS Reactive Monitoring Mission" des internationalen Rats für Denkmalpflege in Wien, um die Auswirkungen des geplanten Neubaus zu untersuchen.

Die FPÖ vermutete, dass sich der Bericht schlecht auf den Weltkulturerbe-Status der Stadt auswirken würde und stellte in der letzten Gemeinderatssitzung eine entsprechende Anfrage an Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne).

Stadt hält am Plan fest

Vassilakou erklärte, dass ein Bericht dazu dem Bundeskanzleramt vorgelegt worden sei und vor Ostern auch der Stadt übermittelt wurde. Die Stadt gehe jedenfalls davon aus, dass das Projekt den Status als Weltkulturerbe „nicht negativ beeinträchtigt".

Denkmalrat: Neubau inakzeptabel

Tatsächlich übt der Bericht massive Kritik am Entwurf des Projektbetreibers "Wertinvest". Die derzeit geplante Variante sei inakzeptabel, heißt es seitens des Denkmalrates. "Den existierenden 45 Meter hohen Turm mit einem geplanten 70 Meter hohen Turm zu ersetzen und dabei zu erklären, dass sich dieser weniger nachteilig auf den Ausblick vom Weltkulturerbe Belvedere auswirkt, widerspricht den Empfehlungen der UNESCO-Komitees für das Weltkulturerbe", schreiben die Autoren.

Kultureller Wert betroffen

Das Siegerprojekt würde weiters die Authentizität und Integrität der existierenden Häuserlandschaft untergraben. Würde der Neubau in der derzeit geplanten Form umgesetzt, so die Kommission, wäre der außergewöhnliche kulturelle Wert des Grundstücks unabänderlich betroffen.

Die Kommission empfiehlt eine Überarbeitung der derzeitigen Pläne und spricht sich klar für eine Reduzierung der derzeitigen Gebäudehöhe aus. Die spezifische Lage sei ein integraler Bestandteil der Weltkulturerbestadt Wien und Neubaupläne seien dementsprechend anzupassen, führt ICOMOS weiter aus.

Der Bericht sei die Grundlage, anhand derer die UNESCO bei ihrer nächsten Sitzung entscheiden würde, ob das Hochhausprojekt mit dem Status des Weltkulturerbes vereinbar sei – eine Aberkennung könnte dann die Folge sein. Die FPÖ befürchtet, dass die Stadtregierung den Neubau unbedingt durchsetzen will und fordert in dem Fall den Rücktritt von Maria Vassilakou.
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Waltraut Kupf aus Landstraße | 31.03.2016 | 12:40   Melden
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