24.04.2016, 23:31 Uhr

Erstes Regionaltreffen mit Bischof Scheuer in Leonding: Unterwegs in Mitmenschlichkeit und Gastfreundschaft

(Foto: Diözese Linz / Kraml)

BEZIRK (red). Am 22. April 2016, fand in der Pfarre Leonding-St. Michael das erste von neun regionalen Treffen mit Bischof Manfred Scheuer statt.

Im Mittelpunkt dieses Nachmittags standen der Austausch mit haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und die gemeinsame Ausrichtung auf eine heilsame, einladende Seelsorge.

Zuhören, hinhören, ins Gespräch kommen und einander auch im Unterwegssein kennenlernen: Das ist das Anliegen von Bischof Manfred Scheuer, wenn er von April bis Juni 2016 bei neun regionalen Treffen unter dem Motto „Mit Bischof Manfred auf dem Weg“ haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen begegnet. Bischof Manfred Scheuer möchte mit den Menschen in der Diözese Linz unterwegs sein. Dazu gehört auch, ein offenes Ohr für deren Themen und Anliegen zu haben und die Situation in den jeweiligen oö. Regionen und Dekanaten kennenzulernen.

„Wanderbares“ Unterwegssein mit dem Bischof
Der erste Begegnungsnachmittag für die Dekanate Linz-Nord, Linz-Mitte und Traun fand in der Pfarre Leonding-St. Michael statt. Wer wollte, konnte das Unterwegssein mit Bischof Scheuer wörtlich nehmen und mit ihm von der Pfarrkirche St. Konrad auf dem Linzer Froschberg nach Leonding wandern. Etwa 50 Wanderfreudige begleiteten den Bischof auf der ca. einstündigen Wanderung und genossen das gemeinsame Unterwegssein in der blühenden Natur. „Das gemeinsame Gehen verbindet einfach – man kommt ganz anders beim Begegnungsnachmittag an“, so eine junge Teilnehmerin begeistert.

Kennenlernen der pastoralen Vielfalt in den Dekanaten
Beim ersten Teil des Begegnungsnachmittags ab 15.30 Uhr waren Mitglieder der sogenannten „erweiterten Pastoralkonferenz“ anwesend, also Priester, Diakone, Dechanten, DekanatsassistentInnen, MitarbeiterInnen von Pastorale Berufe (PastoralassistentInnen, PfarrassistentInnen, SeelsorgerInnen aus unterschiedlichen Bereichen, z. B. Krankenhaus-, Altenheim-, Betriebsseelsorge), MitarbeiterInnen der RegionalCaritas etc.

Regionaldechant Dr. Walter Wimmer begrüßte Bischof Scheuer mit herzlichen Worten: „Wir freuen uns, dass du bei uns bist! Neun Treffen werden nicht genügen, um die Diözese Linz wirklich kennenzulernen – aber dieses Aufeinander-Zugehen ist ein guter Anfang!“

Nach einer kurzen Präsentation der Dekanate Linz-Nord, Linz-Mitte und Traun mit ihren Charakteristika durch einzelne VertreterInnen hatte Bischof Scheuer die Möglichkeit für Rückfragen. Strukturelle Gegebenheiten wurden hier ebenso geschildert wie Besonderheiten in der Seelsorge oder gelungene Projekte der letzten Zeit.

„Besuch und Gastfreundschaft mehr gefragt denn je“
Ab 17 Uhr stießen Mitglieder des sogenannten „erweiterten Dekanatsrats“ zum Begegnungsnachmittag dazu: Pfarrgemeinderats-Obleute, Mitglieder von Seelsorgeteams, VertreterInnen der Katholischen Aktion, ReligionslehrerInnen, VertreterInnen von Ordensgemeinschaften, LeiterInnen von verschiedenen kirchlichen Einrichtungen etc.
Den Auftakt zu diesem Teil des Nachmittags bildete ein Impulsreferat von Bischof Scheuer zum Thema „Barmherzigkeit verändert die Welt“. Bischof Scheuer einleitend: „Ich habe nicht das große Programm für die nächsten Jahre anzubieten. Aber Barmherzigkeit ist ein zentrales Thema, das aus der Mitte des Glaubens und des Lebens her kommt und vielleicht manches verändern kann, was uns starr erscheint.“

Scheuer plädierte für eine „Mystik der offenen Augen“, für eine unbedingte Wahrnehmung des Leides anderer Menschen, wie Jesus sie lehre. „Menschen sehen und doch übersehen, Not vorgeführt bekommen und doch ungerührt bleiben, das gehört zu den Kälteströmen der Gegenwart.“ Es brauche die Urerfahrung des Angeschaut-Werdens, des Angesehen-Seins. Der Bischof skizzierte Zusagen und Haltungen, die Menschen Ansehen und Würde geben, die ihnen etwas zutrauen und sie stärken, die Einsamkeit lindern und Teilhabe sowie Gemeinschaft ermöglichen. Es brauche eine „Geh-hin-Kirche“, die besuche, und eine „Komm-her-Kirche“, die Gastfreundschaft lebe, so Scheuer: „Besuch und Gastfreundschaft sind mehr gefragt denn je. Wenn ich jemanden besuche, hole ich ihn dort ab, wo er sich sicher und stark fühlt. Die Besuchskultur ist kostbar – lassen wir sie nicht abreißen! Gehen wir auf die Menschen zu!“

Im Anschluss schilderten ein Pfarrgemeinderats-Obmann, ein Vertreter der Katholischen Jugend, eine Vertreterin der RegionalCaritas, eine Religionslehrerin und ein Priester, wo sie in ihrem Alltag diese Grundhaltungen bereits wahrnehmen: etwa beim Engagement von Pfarren in der Flüchtlingshilfe, bei konkreter Hilfe für notleidende Menschen, beim Besuchsdienst für Kranke und Einsame oder bei der Begleitung von Jugendlichen, die auf der Suche nach Anerkennung, nach ihrem Platz im Leben sind.
Danach hatten die Anwesenden die Möglichkeit, Fragen an den Bischof zu stellen. Daraus entwickelte sich ein offener und wertschätzender Dialog über die Anliegen der haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.

„Plätze der Heilung und Hoffnung schaffen“
Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Gottesdienst in der Pfarrkirche. In seiner Predigt griff Bischof Scheuer das Thema der Gastfreundschaft nochmals auf. Es gehöre zu den schlimmsten Erfahrungen, keinen Platz zu haben, das Gefühl zu bekommen, überflüssig, unerwünscht, störend und zu nichts nutze zu sein, so Scheuer. „Raumfragen sind Machtfragen, sind Fragen der Selbstbestimmung und der Freiheit. (Wohn-)Räume greifen Grundhaltungen unseres Lebens auf und drücken die Kultur oder die Verwahrlosung unseres Miteinanders aus. Für wen haben wir Platz? Wen empfinden wir als Bedrohung?“

Jesus habe die Lebenswelten der Menschen wahrgenommen; er sei ihnen nachgegangen und habe sie eingeladen. „Mit einer Einladung, mit Gastfreundschaft, mit einer offenen Tür ist ein Verweilen-Können und -Dürfen verbunden. Gerade dem Verweilen wohnt eine Kraft inne, die heilt und verändert. Das Verweilen schafft Orte der Entschleunigung und der Besinnung; auf diesem Boden kann Hoffnung wachsen.“ Es gebe viele Menschen, die keinen Platz hätten, die auf der Flucht seien und kein Willkommen erfahren würden, so Scheuer. „Es ist Jesu Auftrag an uns, Räume zu eröffnen, Gastfreundschaft zu gewähren und Plätze der Heilung und Hoffnung zu schaffen.“

Licht-Zeichen für mehr Menschlichkeit und Frieden
Am Ende des Gottesdienstes setzen alle Anwesenden ein berührendes Licht-Zeichen für mehr Menschlichkeit: Sie zogen mit Kerzen auf den Stadtplatz hinaus, wo sie eine Lichterkette bildeten. Mit dieser symbolischen Handlung reagierten sie auf eine anonyme Postwurfsendung, die auf aggressive Weise Stimmung gegen ein geplantes Heim für AsylwerberInnen in Leonding macht. Auf dem Flugblatt findet sich neben Pauschalverurteilungen ein Aufruf zum „Kerzenprotest“: Der anonyme Absender rät den BürgerInnen, ihren Unmut gegen AsylwerberInnen zu zeigen, indem sie jeden Abend eine Kerze ins Fenster stellen.

Damit werde das Symbol des Lichtes missbraucht, so Veronika Kitzmüller, Pfarrassistentin aus Linz-St. Magdalena. Ihr und anderen kirchlichen VertreterInnen, die für die Vorbereitung des Gottesdienstes zuständig waren, war es wichtig, an diesem Abend ein Zeichen für mehr Menschlichkeit und Frieden zu setzen – mit einem Kreis aus Licht auf dem Leondinger Stadtplatz. „Eine Kerze ins Fenster stellen, heißt von alters her: ‚Schau her, Wanderer, im Dunkeln und in der Kälte – hier bist du willkommen, tritt ein!‘ Für uns Christen ist die brennende Kerze auch ein Zeichen für Jesus Christus, der das Licht für die Welt ist“, so Kitzmüller Nach einem gemeinsamen Lied wurden die Kerzen in Stille auf die Stufen vor der Kirche gestellt.
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