05.10.2016, 15:21 Uhr

Schließung wegen angeblichen Pilzbefalls: Designerinnen kämpfen um ihr Geschäft

Das "Modus Vivendi" befindet sich in der Schadekgasse 4. (Foto: Privat)

Unternehmerinnen gegen Vermieter: Das "Modus Vivendi" ist wegen angeblichen Pilzbefalls in Gefahr. Die Shopbetreiberinnen wollen ihr Geschäft nicht aufgeben.

MARIAHILF. Leere Kassen gibt es derzeit bei Charlotte Jakoubek und Monika Bacher in ihrem Geschäft "Modus Vivendi". Seit Samstag, 1. Oktober, müssen die beiden Designerinnen ihr Geschäft geschlossen halten, da im Kellergeschoß eine umfassende Sanierung stattfindet.

"Unser Vermieter Markus Handle hat einen Pilzbefall mittels eines Privatgutachtens nachgewiesen. Die Baupolizei hat ihm geglaubt und das Geschäft sofort gesperrt", sagt Charlotte Jakoubek. Das sieht man bei "Modus Vivendi" skeptisch: Selbst wenn es den Pilzbefall wirklich gibt, hätte man nicht die komplette Decke aufreißen müssen, so die Shop-Betreiberinnen. Genau das wurde aber gemacht, die angeblich befallene Decke wird saniert. Im Boden des Geschäfts klafft nun ein riesiges Loch. "Wir müssen alle Stücke reinigen lassen, da sie durch die Baustelle total verstaubt sind. Danach können wir sie nur mehr zu Abverkaufspreisen anbieten", so Jakoubek.

"Nicht ohne meinen Anwalt"

Aber auch eine spontane Aktion der Hilfsbereitschaft ist bereits im Gange. "Einige Freunde haben uns angeboten, ihre Geschäftsflächen zu benutzen. Doch unser Verdienstentgang ist trotzdem gewaltig", so die Unternehmerin aus der Schadekgasse. Gerüchten zufolge will der Vermieter, ein plastischer Chirurg, seine Ordination vergrößern und das zweistöckige Modegeschäft loswerden. "Wir sind gerne gesprächsbereit. Allerdings nicht ohne Anwalt", lässt Jakoubek ausrichten.

"Den Mieterinnen wurden von mir mehrere Geschäftslokale als Ausweichquartier angeboten. Sie haben davor schon über einige Monate die Aufforderungen ignoriert, das Geschäft für die Dauer der Sanierung zu räumen. Es musste so kommen", so Vermieter Dr. Markus Handle. "Die Damen wollten eine Unmenge an Geld, damit sie für die Dauer der Sanierung woanders hingehen. Und das Gerücht, dass ich auf ihre Kosten meine Ordination vergrößern will, stimmt auch nicht", so der Schönheitschirurg im bz-Interview. "Denn ich habe auch bereits eine Ordi in Innsbruck und darf mich gar nicht mehr vergrößern", sagt der Mediziner.

Strafrechtliche Schritte?

Die Shop-Betreiberinnen überlegen indes, strafrechtlich gegen Handle vorzugehen. Denn: Sie haben ein unbefristetes Mietverhältnis, wollen ihr Geschäftslokal keineswegs aufgeben und werden dafür kämpfen. Dabei erhalten die Shop-Betreiberinnen Unterstützung aus dem Grätzel, sie setzen auf Solidarität. So luden sie Ende vergangener Woche noch zum "Solidaritätsumtrunk" vor dem Lokal.

Unter dem Motto "Shoppen gegen Mobben" wurde aus den Beständen des Geschäfts "gut verkauft", wie man die bz wissen ließ. Derartige Aktionen soll es auch weiterhin geben – etwa am Mittwoch, den 12. Oktober, wird ein "Schaustricken" stattfinden und auch Mode verkauft.
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