15.06.2016, 08:00 Uhr

Mein Tag als: "Pionier"

Die technische Kompanie der Melker Pioniere zusammen mit BEZIRKSBLÄTTER-Redakteur Michael Hairer.

"Wer niemals schwere Balken trug, Piloten in die Erde schlug, nie Anker warf bei Sturm und Wind, weiß nicht was Pioniere sind." - Eindrücke einer militärischen Truppengattung, die Wege geht, wo noch keine Wege sind.

MELK. Es ist kurz vor halb 8 Uhr morgens, als ich Oberstabswachtmeister Gerhard Falkensteiner von der technischen Kompanie des Pionierbataillons 3 auf dem Weg zum Antreteplatz in der Birago-Kaserne treffe. Die Grundwehrdiener stehen bereits in Reih und Glied und warten auf den morgendlichen Appell. Ich werde vorgestellt und von zahlreichen Augenpaaren gemustert. Ich erfahre, dass heute eine Übung auf der Donau stattfindet. Ziel dieser ist es, eine statische Begutachtung der Donaubrücke vom Wasser aus zu ermöglichen. Zu meiner Sicherheit bekomme ich, so wie alle anderen, eine Schwimmweste und einen "Helmut" (Helm) überreicht.

"Fähre ahoi" auf der Donau
Nach dem Übersetzen zum Pionierhafen betrete ich gemeinsam mit den Gruppenkommandanten und den Grundwehrdienern eine Fähre, worauf ein kranähnliches Fahrzeug namens "Manitou" abgestellt ist. Mit etlichen Zurrgurten wird das schwere Gefährt fixiert, sodass es bei einem etwaigen Wellengang nicht kippen kann. Anschließend werden die Anker gelichtet und die Taue eingezogen. Mittels Arm- und Handzeichen dirigiert Zugskommandant Falkensteiner präzise das Auslaufmanöver und gibt via Funk Anweisungen an den Steuermann des Schubbootes, welches die Fähre vor sich herschiebt. Es dauert nicht lange und wir erreichen die Donaubrücke. Nun heißt es die Anker zu werfen und den Kurs unter der Brücke zu halten, sodass der Kran ausgefahren werden kann. Aufgrund der ungewöhnlich starken Strömung finden die Anker jedoch keinen festen Halt und das Schubboot muss zusätzlich gegensteuern, um die Fähre in Position zu bringen.

Schwindelfrei über dem Wasser
Um keine Zeit zu verlieren, schlüpfe ich schnell in ein Klettergeschirr und besteige mit einem Pionier einen ca. 1x2m großen Korb, welcher am Ende des Krans angebracht ist. Nachdem ich gesichert wurde, werden wir in eine Höhe von zehn Meter über dem Wasser gehievt. Es fehlt nicht viel und ich hätte mit den Händen die Unterseite der Brücke berühren können. Die Übung ist geglückt.

Kohlehydrate aus Wr. Neustadt
Zum Mittagessen fahren wir im Tross zurück in die Kaserne. Dort erwartet mich ein Rindschnitzel mit Pommes und Salat - gekocht, zubereitet und geliefert von der Militärkaserne aus Wiener Neustadt. Ich sitze gemeinsam mit den Gruppenkommandanten in einem großen, mit Soldaten vollbesetzten Speisesaal, am Tisch. Die Stimmung ist gut und meine Fragen werden geduldig und freundlich beantwortet. Ich beginne das Menschliche hinter der Uniform zu entdecken und erfahre die Beweggründe, die zu einer militärischen Laufbahn bei den Pionieren geführt haben: Abwechslung, Vielseitigkeit und technisches Verständnis.

Gemeinsam statt einsam
Nach der Mittagspause geht es noch einmal zum Hafen, um die Fähre für den nächsten Einsatz bereit zu machen. Eine 1.000 Liter große mobile Dieseltankstelle muss aufgeladen werden. Ich bemerke, wie gekonnt jeder einzelne Handgriff sitzt. Wie Zähne eines Zahnrades greifen die unterschiedlichen Aktionen ineinander, um die gemeinsame Aufgabe bewerkstelligen zu können. Eine Arbeitsweise, die es braucht, wenn es bei Katastropheneinsätzen wieder hart auf hart kommt.
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