18.07.2016, 11:11 Uhr

Bankomaten-Mangel im 7. Bezirk: Wo gibt es hier Bargeld?

Einer der letzten Bankomaten: Hier werden allerdings Gebühren verlangt.

Im 7. Bezirk sind Bankomaten Mangelware. Das Problem ist bekannt – die Lösung lässt auf sich warten.

NEUBAU. Es hat Seltenheitswert, dass quer über Partei-, Alters- und Branchengrenzen hinweg so große Einigkeit besteht. Aber in einem Punkt ist man sich in Neubau einig: Es gibt viel zu wenige Bankomaten. Neun an der Zahl sind es, die sich außerhalb von Supermärkten und Einkaufszentren befinden und somit 24 Stunden am Tag zugänglich sind.

Das Problem ist zwar nicht ganz neu, aber in den vergangenen zwei Jahren hat sich die Situation weiter zugespitzt. Mit der Schließung von Post- und Bank-Austria-Filialen ist zum Beispiel auf der Kaiserstraße der letzte Bankomat in diesem Grätzel verschwunden. Das ärgert Adolf Robitza, seit 50 Jahren Betreiber eines kleinen Blumengeschäfts, ganz besonders. "In einem Umkreis von mehr als einem Kilometer gibt es keinen einzigen Bankomaten mehr, der nächste ist bei der Lugner City." Das führe dazu, dass täglich zwei bis drei Kunden wieder gehen, weil sie kein Bargeld dabeihätten. Eine Bankomat-Kassa anzuschaffen, würde sich bei seinem Geschäft schlichtweg nicht rentieren.

"Banken sind schuld"

Mit dieser Einschätzung ist er nicht alleine – egal welchen Kleinbetrieb man im 7. Bezirk besucht, die fehlenden Bankomaten machen allen zu schaffen. Auch Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger (Grüne) teilt den Groll der Geschäftsleute und vor allem den, der weniger mobilen Anrainer. Er sieht die Schuld bei den Banken. "Sie schließen eine Filiale nach der anderen und lassen keinen Bankomaten zurück." Neben dem Umstand, dass es sich für Banken kaum mehr rentiert, eine Filiale zu betreiben, da immer mehr Menschen ihre Bankgeschäfte online abwickeln, sieht er einen weiteren Grund für die fehlenden Bankomaten: Die Banken würden die Bargeldumsätze zurückdrängen wollen und bargeldlose Bezahlmodelle fördern.
Er findet klare Worte für die Diskussion um die sogenannte "Bankomaten-Gebühr". Diese sei "absurd und verlogen" – niemand brauche sich wundern, dass Anbieter wie Euronet, die eine Gebühr von knapp zwei Euro pro Behebung verlangen, das Feld übernehmen.

Keiner fühlt sich zuständig

Was in Medien und Bevölkerung zuletzt für große Aufregung gesorgt hat, sieht Adolf Robitza hingegen als "letzte Hoffnung". "Wenn schon die Banken nicht mehr bereit sind, Bankomaten aufzustellen, kann ich nur hoffen, dass jene Anbieter, die Gebühren verlangen, bald einen Bankomaten in unser Grätzel stellen." Was die Banken betrifft, hat er die Hoffnung längst aufgegeben. "Ich habe vier Banken bis hinauf zum Direktor kontaktiert, das bringt überhaupt nichts." Auch von der Wirtschaftskammer, an die er sich "nicht nur einmal gewandt hat", ist er schwer enttäuscht. Dort verwies man auf bz-Anfrage an die Payment Services Austria GmbH – jenes Unternehmen, das für die Betreuung des gesamten österreichischen Bankomatensystems zuständig ist. Dort spielt man den Ball aber gleich wieder zurück an die Banken.

Die wirtschaftliche Entscheidung, einen Bankomaten aufzustellen, würden die Banken selbst treffen, so liege es nicht im Verantwortungsbereich der Firma, für die Versorgung der Bezirke mit Bankomaten zu sorgen. Bleibt abzuwarten, wann sich an der chronischen Unterversorgung des 7. Bezirkes etwas ändert – zuständig fühlt sich offenbar niemand.
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