18.03.2016, 19:00 Uhr

In 21 von 37 Orten leben Flüchtlinge

Bezirkshauptmann Konrad Geisler ist mit der Situation im Bezirk einigermaßen zufrieden.
Das Flüchtlingsthema ist in aller Munde. Wir haben nachgefragt, wie es im Bezirk ausschaut.

AUSSERFERN (rei). „Wir liegen nicht ganz schlecht“, übt sich Bezirkshauptmann Konrad Geisler auf die Frage, ob es im Bezirk Reutte genügend Flüchtlingsquartiere gibt, in Diplomatie.

Keine feste Zahl

„Eine feste Zahl gibt es nicht. Die immer wieder ins Spiel gebrachten 1,5 Prozent der Bevölkerungszahl ist so nicht festgeschrieben“, klärt der oberste Beamte im Bezirk Reutte auf. Es handle sich vielmehr um einen Richtwert.

300 Flüchtlinge leben im Bezirk

Den erfüllt der Bezirk im Moment allerdings nicht. Rund 30.000 Einwohner zählt das Außerfern, somit sollten nach diesem Schlüssel rund 450 Flüchtlinge im Bezirk Reutte Unterschlupf gefunden haben. „Die Zahl pendelt so um 300. Ganz genau kann man sie nie nennen, da sie sich ständig verändert“, sagt Geisler.

Teilweise fehlen die Voraussetzungen

In 21 von 37 Außerferner Gemeinden gibt es inzwischen Flüchtlingsquartiere. Geisler: „Daraus darf man aber nicht schließen, dass 16 Orte keinen Bereitschaft zeigen, Männer, Frauen oder Kinder, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, aufzunehmen. Es fehlt einfach an den Grundvoraussetzungen.“

Flüchtlinge in Gramais

Und die wichtigste Grundvoraussetzung ist ganz einfach das Vorhandensein von geeignetem Wohnraum. In den großteils sehr kleinstrukturierten Gemeinden gibt es solchen nicht immer. Dass sich in Österreichs kleinster Gemeinde, in Gramais, eine passende Wohnung fand und in dieser jetzt fünf Flüchtlinge wohnen, ist Zufall. Dass das Zusammenleben auch noch gut funktioniert, ein Glücksfall.

Betreuung funktioniert

Dort, wo Flüchtlinge bei uns eine Unterkunft finden, funktioniert die Betreuung und auch das Zusammenleben mit der Bevölkerung zumeist sehr gut. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist enorm und auch die Gemeinden sind sehr bemüht, dass alles klappt.“ Das ist nicht immer einfach, müssen doch mitunter kurzfristig Plätze in Schulen und Kindergärten bereit gestellt und Deutschkurse ins Leben gerufen werden.
Und sobald die Flüchtlinge den Status anerkannter Asylwerbern erlangen, kann sich alles wieder ändern, dürfen letztere dann doch selbst wählen, wo sie leben möchten. Viele zieht es in größere Städte, da sie hier mehr Chancen sehen. Doch auch im Bezirk leben anerkannte Asylwerber. Diese sind in der genannten Zahl der Flüchtlinge nicht enthalten.

Man spürt sie kaum

„Oft wissen die Dorfbewohner gar nicht, dass es im Ort Flüchtlinge gibt. Man spürt sie zumeist nicht“, erzählt Geisler. Das ist auch der großen Hilfsbereitschaft der Bevölkerung zu verdanken. „Und dem Engagement der öffentlichen Hand. Da wird nicht hirnlos agiert, sondern ganz gezielt gearbeitet“, zollt Geisler allen Respekt, die sich in die alles andere als einfache Materie einbringen.
Die Herbergsuche ist während der Wahlzeiten allerdings etwas ins Stocken geraten, jetzt hofft man, neue Quartiere zu finden. Wer geeigneten Wohnraum hat, kann sich an Haldor Schennach (Tel. 05672/6996) wenden. Der Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft Reutte ist der Experte, wenn es um die Beurteilung von Wohnraum geht. Eignet sich eine Wohnung, wird seitens der Bezirksbehörde mit dem jeweiligen Standortbürgermeister Kontakt aufgenommen. Gemeinsam wird dann geprüft, ob die Unterbringung in diesem Ort Sinn macht. Ohne Einwilligung der Gemeinden werden aber keine Flüchtlinge zugeteilt, jedenfalls nicht durch die Bezirks­hauptmannschaft Reutte.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.