11.05.2016, 07:30 Uhr

Motorradler im Fokus der Polizei

Bschlabs leidet unter dem Verkehr, der sich vom Lechtal über das Hahntennjoch nach Imst zieht. (Foto: Perl)

Der Frühling kommt, die Motorräder auch. Was die Biker freut, belastet Anrainer entlang der Straßen.

AUSSERFERN (rei). „Der Motorradverkehr ist seit Jahren ein Thema bei uns. Wir kommen da nicht an der Tatsache vorbei, dass der Motorradverkehr boomt“, sagt Reuttes Bezirkshauptmann Konrad Geisler.
Auf der Bezirkshauptmannschaft gab es daher kürzlich ein Treffen auf Beamtenebene, bei dem Maßnahmen besprochen wurden, um die Problematik bestmöglich zu behandeln.

Immer mehr Motorräder

Das Problem sind immer mehr Motorräder, die auf den Straßen unterwegs sind. Häufig schneller als erlaubt. Hinzu kommt nicht selten riskantes Überholen und Kurvenschneiden. Und so manche „Maschin`“ ist zu laut.

Wohnidylle massiv gestört

Einer, der unter der steigenden Anzahl an Motorrädern, Tempoüberschreitungen und dem vielen Lärm leidet, ist Klaus Perl aus Bschlabs. Idyllisch ist sein altes Holzhaus. Leider liegt es direkt an der Straße. Erholsame Stunden bei Sonnenschein im Garten - Fehlanzeige. Ein Lärmgutachten des Landes bestätigt, dass Klaus Perl nicht überempfindlich reagiert, sondern seine Kritik wohl mehr als berechtigt ist (siehe „Zur Sache“).


Zur Sache,
„Laut vorliegenden Messdaten bzw. Immissionsberechnungsdaten zeigt sich tagsüber an einem Sommerwochenende eine Überschreitung des Grenzwertes zur Vermeidung von Gesundheitsstörungen von 65,7 dB am Haus Taschach 33 (das Haus von Perl, Anm.). Im Ortskern ist bereits die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h verordnet. Aus schalltechnischer Sicht könne durch eine Ausweitung der Geschwindigkeitsbegrenzung zwar die Lärmbelastung an einigen Gebäuden in Bschlabs reduziert werden, die maßgeblich exponiertesten Anrainer seien hierdurch jedoch nicht erfasst. Nur durch Kontrollen der erlaubten Höchstgeschwindigkeit kann eine Lärmentlastung erreicht werden“


Aus all den genannten Gründen soll daher 2016 intensiv kontrolliert werden. „Wir haben heuer zwölf Schwerpunktaktionen geplant“, berichtet Bezirkspolizeikommandant Egon Lorenz. Tempo, Überholverhalten, Kurvenschneiden und Lärm werden die Schwerpunkte bilden.
Da steht den Außerferner Polizeibeamten einiges an Kontrollarbeit bevor. 2015 war es nicht anders. Lorenz nennt Zahlen: 865 Stunden wurden nur in die Kontrolle des Motorradverkehrs investiert. Pro Kontrolleinsatz waren es im Schnitt 72 Stunden. Das ist der zweithöchste Wert in ganz Tirol.

702 Anzeigen im Jahr 2015

Dass die Kontrollen berechtigt waren, sieht man daran, dass 702 Anzeigen bzw. Mandatsstrafen verhängt wurden. Dennoch sieht sich die Außerferner Polizei immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, zu wenig zu tun. Diesen Vorwurf weist Konrad Geisler zurück. Er stellt sich hinter die Polizei: „Für unsere Polizei ist der viele Motorradverkehr ein zentrales Thema. Aber es sind einfach zu viele Motorräder unterwegs.“ Und dagegen könne die Behörde nichts machen.

5 Tote im vergangenen Jahr

Durch gezielte Kontrollaktionen will man aber versuchen, die Belastungen bestmöglich zu reduzieren. Wie notwendig Kontrollen als abschreckende und belehrende Maßnahme sind, zeigen Unfallzahlen: Zwischen 2011 und 2015 gab es im Bezirk Reutte durchschnittlich 78 Motorradunfälle pro Jahr. Auch Tote wurden registriert. 2015 waren es im Bezirk fünf Tote, die es zu beklagen galt. 2014 zwei, 2013 fünf und 2012 und 2011 jeweils sechs Todesfälle. Häufigste Unfallursache: risikoreiches Überholen, nicht selten mit Frontalzusammenstößen verbunden.
„Im Landesvergleich liegen wir mit diesen Zahlen leider weit oben“, weiß Lorenz zu berichten.

Die Hotspots im Bezirk

Im Bezirk gibt es, was Motorradunfälle anlangt, zwei Hotspots. Einerseits handelt es sich um die Strecke von Stanzach über Namlos nach Berwang und andererseits von Stanzach durch das Lechtal nach Bschlabs und weiter über das Hahntennjoch nach Imst.
Sehr unfallgefährdet ist auch der Gaichtpass. Alle drei Strecken sind sehr kurvenreich und kostenlos benützbar. Das zieht Motorräder an.

Ältere Biker stark gefährdet

Wer jetzt glaubt, es sind immer die „jungen Wilden“, welche die Unfälle auslösen, der irrt. Von den fünf Toten im vergangenen Jahr waren vier im Alter zwischen 60 und 72 Jahren. „Manche sind lange nicht mehr gefahren und fangen in der Pension wieder an. Oft ist es auch die Reaktionsfähigkeit, die im Alter abnimmt“, nennt Lorenz Gründe.

Unterschiedliche Interessen

Klaus Perl weiß die intensiven Kontrollen zu schätzen. Dass sie wirklich viel nützen, sieht er nicht. Denn der Verkehr über das Hahntennjoch steigt allgemein an. „Wir merken in Bschlabs sofort, wenn es sich am Fernpass staut. An den beiden Samstagen vor Ostern hatten wir Verkehr wie an einem Wochentag im Sommer! Dabei war der Übergang über das Joch noch zu. Die werden alle von ihren Navis fehlgeleitet und fahren wieder zurück.“
Eine Besserung sieht der lärmgeplagte Bschlaber daher nicht. Und vielen anderen im Ort gehe es nicht anders. Da es in den Siedlungen aber auch andere Interessen gibt - Verkehr bringt durchaus Geschäft - ist eine nachhaltige Reduktion des Motorradverkehrs nach Ansicht Perls schwer zu erreichen.

Ein Blick nach Imst

Und auf Imster Seite des Hahntennjochs? Auch da stöhnt man massiv unter dem Motorradverkehr. Auch hier will man die Kontrollen intensivieren.
Wie groß die Belastungen im Außerfern sind, zeigt der Vergleich mit Imst. Hier wurden 2015 „nur“ 43 Motorradunfälle gezählt, Tote gab es keine.
Damit das auch so bleibt, denkt man über die Installation einer fixen Radarstation nach. Und wie im Außerfern sind auch im Bezirk Imst zwölf Schwerpunktaktionen geplant. „Wir wollen damit ein klares Zeichen setzen, dass uns die Sicherheit aller Straßenteilnehmer ein großes Anliegen ist“, stellt der stellvertretende Bezirkspolizeikommandant von Imst, Gert Pfeifer , dazu fest.
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