02.06.2016, 16:28 Uhr

Sintflut und Weltuntergang

schäumender Lech am Lechfall
Lechaschau: Frauensee | In unserer Vorstellung von Zerstörung und Schaffung der Welt finden sich viele Wasserbegriffe. Da geht es um die Sintflut, die alles Sündige hinwegspült. Auch in mythologischen Vorstellungen spielt die reinigende oder zerstörende Kraft des Elements Wasser eine große Rolle. Etwa wird mit der Taufe die Erbsünde abgewaschen und der Täufling wird durch das geweihte Wasser in gewisser Hinsicht neu geboren.
Und das Wort "Weltuntergang" selbst bezieht sich auf ein Versinken im Wasser. Eine Erfahrung, die Menschen sicher in ihrer Geschichte seit der Urzeit immer wieder machen mussten. Einerseits bedurften sie des Wassers und andererseits bestand auch immer die Gefahr, dass ein wilder Fluss über die Ufer tritt und Siedlungen mitreißt.
In den einheimischen Sagen findet sich das Motiv des Untergangs im Wasser sowohl am Frauensee bei Lechaschau, als auch bei der Sage von der Entstehung des Haldensees im Tannheimer Tal. Im Frauensee soll ein ganzes Schloss versunken sein und der Haldensee überflutete nach einem Streit eine paradiesische Wiese, die drei Schwestern gehörte.
Derartige Untergangsmotive finden sich überall in den Alpen und bezeichnen das Ende eines Zeitalters, das die Frauen in den Mittelpunkt der Gesellschaft stellte.

Aber auch das Gegenteil von Untergang - die "Schöpfung" - lehnt sich an das Schöpfen von Wasser aus einem Brunnen an. Das Schöpfen von Wasser war eine typische Frauenarbeit. Dahinter steht ein entwicklungsgeschichtliches Bild, wonach jedes Neugeborene (Geschöpf) aus dem Fruchtwasser der Mutter auftaucht. So waren den früheren Menschen auch viele Quellen heilig, die zugleich als mythische Kinderherkunftsorte und Orte der Erneuerung galten.
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