19.05.2016, 14:54 Uhr

110kv-Freileitung: Gutachten gegen Gutachten bei mündlicher Verhandlung

Geplante 110kv-Leitung verärgert Grundbesitzer – "Wir werden weiterkämpfen." (Foto: Glaser/fotolia)

Der Widerstand gegen die 110kv-Freileitung bröckelt nicht. Jüngste Verhandlung dauerte rund 10 Stunden.

ZELL/PRAM, BEZIRK (ska). Von 10 Uhr früh bis 8 Uhr abends wurden vergangene Woche Donnerstag im Schloss Zell an der Pram Gutachten geprüft und Protokolle gecheckt – damit alles seine Richtigkeit hat. Auf Drängen der Schutzgemeinschaft lud die Landesregierung zu einer mündlichen Verhandlung. Netz Oberösterreich und Schutzgemeinschaft Innviertel standen einander gegenüber. Zur Erinnerung: In der Region Pramtal Süd wird nun schon seit fast 20 Jahren um eine nachhaltige Stromversorgung gerittert. Die Schutzgemeinschaft Innviertel kämpft gegen die von der Netz OÖ – eine Tochter der Energie AG – geplante 110kv-Freileitung Ried-Raab. Sie befürchtet gesundheitsschädlichen Elekrosmog und fordert eine Erdkabel-Variante.

Zweck der Verhandlung im Schloss Zell war es, offene Fragen zu den Gutachten zu klären. Bernhard Wiesinger von der Schutzgemeinschaft hatte rund 75 Fragen vorbereitet. Thema Nummer eins: Der Stromverbrauch. Wie Wolfgang Angerer von Netz OÖ mitteilt, ist der Stromverbrauch in der Region von 2014 auf 2015 um 2,1 Prozent gestiegen. "Aus diesem Wachstum lassen sich Schlüsse auf die benötigte Leistung (110kv) ziehen", so Angerer. Das sieht die Schutzgemeinschaft anders. Grundbesitzer Markus Helml: "Ein von uns in Auftrag gegebenes Gutachten zeigt, dass mit einer Steigerung unter 1 Prozent zu rechnen ist. Das heißt eine 30kV-Lösung würde für 80 Jahre ausreichen." Helml meint zu wissen, warum die Energie AG auf den Bau der 110kv-Leitung beharrt: "Sie wollen weiterbauen nach Ranna." Diesen Vorwurf hat Michael Frostl, Pressesprecher der Energie AG, schon des Öfteren dementiert.

Erdkabel: 97 Unterschriften

Von der Verhandlung war die Schutzgemeinschaft enttäuscht: "Der Amtsgutachter konnte fast keine der Fragen klar beantworten", meint Helml. 97 betroffene Grundeigentümer haben ihm zufolge schriftlich bestätigt, ihren Grund und Boden für ein Erdkabel zur Verfügung zu stellen.
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