20.06.2016, 08:18 Uhr

Caritas Tagung „Entängstigt euch“: Plädoyer für eine Politik des Vertrauens

vlnr. Theologe und Wertefoscher Paul M. Zulehner, Gisella Schiestl (Caritas), Elisabeth Rathgeb (Leiterin Seelsorgeamt Diözese Innsbruck), Landesrätin Christine Baur, Caritasdirektor Georg Schärmer, Bürgermeister Thomas Öfner (Foto: Pizzignacco-Widerhofer)
ZiRL (caritas). Gelungene Beispiele für Integration standen am vergangenen Samstag im Mittelpunkt der Caritas-Tagung in Zirl im Vorfeld des Weltflüchtlingstages. Rund 200 Engagierte nahmen an den neun Workshops teil, in denen Good-Practice-Beispiele aus den Bereichen Arbeit, Wohnen, Werte, Sprache, Bildung/Schule etc. Mut gemacht haben.

Als Eröffnungsreferent ging der Theologe und Werteforscher Paul M. Zulehner den aktuellen Ängsten der Bevölkerung nach, die hinter den abwehrenden Haltungen liegen und zeigte Möglichkeiten auf, sie zu überwinden. Jeder und jede könne in diesen Herausforderungen einen wertvollen Beitrag leisten. Seine Schlussformel lautete: Wird diffuse Angst kleiner, kann liebende Solidarität größer werden. Insgesamt ginge es darum, die allen Menschen innewohnende Kraft der Liebe zu aktivieren.

Besonderen Anklang fand der „Markt der Möglichkeiten“, bei dem zwölf Ausstellerinnen und Aussteller ihre Integrationsmaßnahmen und -schwerpunkte bzw. ihre Unterstützungsangebote vorstellten.

„Ich bin der Caritas für ihr gesamtes Engagement in der Flüchtlingsbetreuung, aber speziell auch für diese Tagung besonders dankbar. Man sagt immer so schön ‚Durch’s Reden kommen die Leut’ z’samm‘ – ich bin der Meinung, dass es nicht nur durch’s Reden ist, sondern im zwischenmenschlichen, mitfühlenden und wertschätzenden Umgang miteinander. Die Good-Practice-Beispiele, die bei der heutigen Tagung präsentiert werden, zeugen von Erfahrungen, die in der Arbeit und im Engagement für und mit Flüchtlingen gemacht wurden; sie zeugen von Mitgefühl, sie zeugen aber auch von einer bewundernswerten Kreativität, die engagierte Menschen an den Tag legen, um anderen Menschen zu helfen und sie zu unterstützen“, so Soziallandesrätin Christine Baur.

Caritasdirektor Georg Schärmer regte an, dass in Gemeinden bzw. in den Planungsverbänden verpflichtend Integrationsausschüsse eingerichtet werden. Idealerweise solle er mit Vertreter/innen aus allen Bereichen der Gemeindegestaltung (Finanzen, Wohnen, Kultur, Sport, Bildung, Soziales etc.) besetzt sein. In größeren Gemeinden seien zudem hauptamtliche Integrationsfachleute anzustellen, die den Gemeindepolitiker/innen und der Bevölkerung mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dazu brauche es zusätzliche budgetäre Mittel. Diese könnten unter anderem durch die Verdoppelung der Kurtaxe lukriert werden; das heißt „Fun-Suchende“ finanzieren Schutzsuchende mit.

„Insgesamt gilt es einer Grundstimmung der Angst und Abwehr eine beherzte Kultur des Vertrauens und der Zuversicht entgegenzusetzen“, bedankte sich Caritasdirektor Georg Schärmer bei der Zivilgesellschaft, die in so vielen Bereichen Politik ausgleicht und unterstützt.
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