01.06.2016, 07:37 Uhr

EiferSucht bringt den Container zum Brodeln

TELFS (bine). "Die emanzipierte Frau ist genauso dumm wie die anderen, möchte aber nicht für dumm gehalten werden." (Esther Vilar) Und auch Juristin Hellen (Birgit Melcher), Architektin Yana (Anne Clausen) und Studentin Iris (Katharina Oraschnigg) sind emanzipiert und möchten nicht für dumm gehalten werden. Doch irgendwie läuft es doch dumm, denn alle drei schlafen mit dem gleichen Mann, Mit Laszlo, Helens Ehemann. Die drei Frauen wohnen im selben Hochhauskomplex und nehmen schon bald Kontakt miteinander auf, ohne sich persönlich zu begegnen, denn es handelt sich bei Esther Vilars „EiferSucht“ um eine Komödie für einen Laptop, ein Tablet und ein Smartphone. Drei Frauen im Kampf um ihre Ehre, ihre Würde und um einen Mann. Unter der Regie von Bernhard Moritz wird das Theater im Container in Telfs zum EiferSuchts-Kessel und dazu hat das Bezirksblatt den drei Damen einige Fragen gestellt:

Anne Clausen:

Drei Frauen bekriegen sich in „EiferSucht“ wegen EINES Mannes. Was steckt dahinter? Die Liebe? Die Wahrung der eigenen Würde? Ein Konkurrenzkampf? Selbstbestätigung?
Anne Clausen: “Die Liebe” ist ja immer ein weites Feld. Die Frauen meinen, diesen einen Mann zu brauchen: gegen die Einsamkeit, für ein erfülltes Sexualleben, weil er ihnen zunächst das Gefühl gibt, die “Eine”, die Beste zu sein. Bis er zur nächsten flattert. Die Eifersucht auf die anderen Frauen befeuert sie noch in ihrer Begierde. Tiefe Liebe sieht für mich anders aus.

Wie gestaltet sich Ihre Rolle?
Yana bekennt sich dazu, der Gattin den Mann wegnehmen zu wollen, und hat noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Das ist herrlich amoralisch.
Wie identifizieren Sie sich mit dieser?
Das Streben nach Glück steht jedem zu, das finde ich schon auch. Bei Yanas Rücksichtslosigkeit zucke ich innerlich zusammen, aber auf der Bühne macht das natürlich Spaß.

Und was reizt Sie am meisten an der Verkörperung dieser Person?
Yana fühlt sich als freie Frau. In ihrem mehr als gesunden Egoismus meint sie, niemandem Rechenschaft schuldig zu sein. Aber warum um Himmels Willen kettet sie sich dann an einen Mann? Ist sie ihm sexuell hörig oder ist es ihr Bestreben, ihn sexuell hörig zu machen? Warum? Machtgelüste? Aber damit macht sie selbst schwach. Der Mensch/die Frau ist ein seltsames Wesen, und es macht Spaß, die Widersprüche auszuloten.

Esther Vilar ist bei den Feministinnen nach wie vor sehr umstritten und zwar durch Aussagen wie: „Die Frau kontrolliert ihren Sex, weil sie für Sex all das bekommt, was ihr noch wichtiger ist als Sex.“ oder: „Die Männer verwalten unsere Welt nur. Beherrscht wird sie von den Frauen.“ Wie stehen Sie zu solchen Aussagen und zur Autorin selbst?

Esther Vilar scheint ja die weibliche Sexualität als Mittel zu sehen, um an Macht zu gelangen. Ich persönlich sehe weiblche Sexualität etwas anders, aber diese Haltung sorgt jedenfalls für saftige, provozierende Stücke über berechnende Miststücke. Als Schauspielerin sind die mir willkommen.

Birgit Melcher:

Drei Frauen bekriegen sich in EiferSucht? wegen EINES Mannes. Was steckt dahinter? Die Liebe? Die Wahrung der eigenen Würde? Ein Konkurrenzkampf?
Selbstbestätigung?

Birgit Melcher: Bei Helen (50) sind es sicher mehrere Gründe: Sie liebt ihren Mann, noch mehr will sie aber ihre Würde vor sich selbst und Laszlo wahren, als sie bemerkt, dass er sie leidenschaftlichst betrügt, noch dazu mit einer 10 Jahre jüngeren sexy Hausbewohnerin. Deshalb setzt sie Lazslo auch vor die Tür. Umgekehrt lässt sie die Rivalin Yana spüren, dass diese eben "würdelos" und keine ebenbürtige Konkurrentin für Helen ist: es werden
anklagende deftige, amüsante, komische und auch feministische Wortgefechte ausgetragen. Vom Zickenkrieg, über den Machtkampf bis hin zu einer gewissen
Verbündung unter den Frauen kommt da alles vor, was das Leben so schreibt und vielleicht auch darüber hinaus, denn das Stück glänzt generell durch komische und psychologisch spannende Wendungen, die der Zuschauer letztlich nicht erwartet! Und Helen fühlt sich selbst bestätigt, als sie die "Trophäe", ihren Ehemann schlussendlich zurückgewinnt. Es geht letztlich darum bei Helen: Bin ich die Stärkere oder meine Rivalin? Sie lässt sich zusehr von der Eifersucht gefangennehmen, denn "Eifersucht ist eine
Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft..." Ein Umstand, der schlussendlich auch ihre Liebesbeziehung zu Laszlo verändern wird und
Helen selbst.

Wie gestaltet sich Ihre Rolle?
Helen ist 50, erfolgreiche und bekannte Anwältin, glücklich seit 18 Jahren verheiratet mit Lazslo, ebenfalls Anwalt. Eine selbstbewusste, toughe und finanziell unabhängige Frau, gesellschaftlich gut situiert. Plötzlich erfährt sie, via Mail von einer in ihrem Haus wohnenden Rivalin, Yana, dass ihr geliebter Lazslo sie eben mit dieser hypersexy 40 Jährigen betrügt. Yana schickt Helen auch noch einen Schlüssel, damit Helen sich augenscheinlich selbst von den Schäferstündchen, der leidenschaftlich Sextreibenden überzeugen kann, was Helen prompt macht !Wütend setzt Helen Laszlo vor die Tür, da sie begreift, dass diese Affaire nicht so schnell "abkochen" wird. Natürlich hofft sie, dass
ihr Mann zu ihr zurückkehrt, genauso stark aber, will sie sich ihre Würde bewahren, was ja rein strategisch "zwei Fliegen auf einen Streich" bedeuten könnte: Erstens, sich keine Schwäche geben zu müssen und mehr zu leiden als nötig, zweitens den Gatten womöglich zügig zurück zu ergattern, denn wenn Ehemännern die Scheidung droht, geben sie ja oft klein bei...Dummerweise hat sich Helen aber emotional verrechnet: man kann Verlustgefühle und Schmerz nicht einfach durch schnelle, pragmatische Trennung bewältigen.Grotesk und sehr komisch ist nun, wie Helen, die durch den Liebesverlust in eine schmerzliche Krise fällt, nicht aufhört, die beiden zu observieren. Sie setzt sich den Schmerzen der Eifersucht voll und schonungslos aus - die Qualen der Eifersucht ziehen sie ganz in ihren Bann, sie hat darin, wenn man so will,
einen gewissen Gewinn ..Und ihre Beziehung zu Lazslo als auch zur Rivalin, die ändern sich in einem rasranten Bogen. Das hat mich sehr interessiert, was da psychplogisch abgeht! Die Frauen entwickeln sich schlussendlich durch ihre Kommunikation persönlich weiter. Sie bauen sogar eine gewisse Nähe auf, während der "Hahn im Korb anders als im Hühnerstall" im Stück nicht mal sprechend vorkommt, über Lazslo wird nur geredet und verhandelt. Wie
heißt es so schön? Die besten Geschichten erzählt das Leben selbst. Oder, wer wurde nicht selbst schon von der leidenschaftlichen Eifersucht heimgesucht ? Oder wer hat sich noch nicht selbst bestätigt gefühlt, wenn man den Krieg bzw. den Partner zurückgewonnen hat?

Und was reizt Sie am meisten an der Verkörperung dieser Person?
Die Berg- und Talkurven die Helen emotional um ihre Liebe und durch die Eifersucht durchläuft. (Zuerst selbstbewusst, glücklich, geliebt, erfolgreich, fällt sie plötzlich in eine Krise. Kämpft sich durch und verfällt der Eifersucht. Gewinnt den Hahn im Korb zurück, stellt nun aber ihrerseits die Liebe zu Lazslo auf die Probe, da die Liebe zu ihm sich verändert hat). Mal ist sie heldenhaftes betrogenes Opfer, dann wieder selbst Täterin! Z.B. wenn sie sich mit Yana verbündet, befreundet und Lazslo nun ihrerseits auf
die Sexfalle-Probe stellt..

Wie bereiten Sie sich vor?
Wenn ich den Text lese, entsteht vor meinen Augen eine Typus und mit der Zeit eine Person. Ich nähere mich der Rolle mit vielen Fragen an, z.B.: Was sagt dieser Mensch? Wie denkt Helen? Wie lebt sie ihre Beziehung mit Lazslo? Wie sieht ihr Leben aus und wie ist sie sozialisiert. Jeder Mensch spricht anders, hat eine persönliche Körpersprache, stimmliche Eigentheiten. Eine ureigene Komik. Und natürlich persönliche Konflikte! Die Beantwortung und Ergründung aller Fragen, setzt einen kreativen Prozess in Gang, der in unterschiedlichen Spielsituationen lustvoll erarbeitet wird! Eine Abenteuerreise.
Die Frauen bekriegen sich um einen Hahn im Korb, einen Mann. Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Helen verfängt sich genau in dieser Eifersucht, obwohl sie doch eigentl stark bleiben wollte und ihre Würde erhalten wollte, in der betrogenen Situation...

Esther Vilar ist bei den Feministinnen nach wie vor sehr umstritten und zwar durch Aussagen wie: „Die Frau kontrolliert ihren Sex, weil sie für Sex all das bekommt, was ihr noch wichtiger ist als Sex.“
Man kann Männer tatsächlich mit Sex lenken. Mit Belohnungen unterschiedlicher Art... Sexuelle Entwicklung weg von Rollenstereotypen finde ich prinzipiell wichtig, für Mann, wie für Frau.

Oder: „Die Männer verwalten unsere Welt nur. Beherrscht wird sie von den Frauen.“ Wie stehen Sie zu solchen Aussagen und zur Autorin selbst?

Es stimmt, dass die Männer in den führenden Positionen viel stärker vertreten sind, insofern verwalten sie die Welt. Allerdings wäre die Welt längst explodiert, wären die Männer allein ohne uns Frauen. Damit will ich sagen, dass die Männer unsere Liebe nach wie vor dringend brauchen. Da wir Frauen aber nicht nur die Beziehungsarbeit leisten wollen, sondern auch von unseren Männern unabhängiger sein wollen, uns somit neue Positionen und Rollen in der Welt erobert haben und weiter erobern, suchen viele Männer ihre althergebrachte Machtrolle als Mann vergeblich und werden unsichert. Zurecht. Auch
sie müssen sich hinterfragen und weiterentwickeln.Einer wie Lazslo kehrt reumütig zurück, da die finanziell unabhängige erfolgreiche Helen IHN vor die Tür setzt. Und die "Ware" wird auch nicht ungeprüft zurückgenommen!Wir Frauen verlangen mittlerweile einiges für unsere Liebe, sie ist ganz und gar nicht mehr bedingungslos und selbstverständlich. Ein blinder tappender
Maulwurf, der von einem Affaire in die nächste stolpert, ist nicht mehr nur niedlich. Eigenreflexion und persönliche Weiterentwicklung und die Lösung von Rollenstereotypen ist gefragt. Prinzipiell lernen Mann und Frau aber immer voneinander!

Katharina Oraschnigg:

Wie gestaltet sich Ihre Rolle?
Katharina Oraschnigg: Iris wohnt im selben Haus wie Yana und Helen. Sie ist Studentin der Indologie und lebt nach der buddhistischen Lehre.

Wie identifizieren sie sich mit dieser Rolle?
Wir befinden uns im selben Alter.

Wie bereiten sie sich vor?
Indem ich das Stück immer wieder und wieder durchlese. Im nächsten Schritt suche ich mir Zusatzmaterial in Form von Büchern, Filmen und Musik.
Aber die meiste Anregung bekomme ich auf der Probe von meinen Mitspielern. Die sind mir die liebste "Informationsquelle".



Premiere: 3. 6.; weitere Termine: 10. / 11. / 17. / 18. / 19. / 23. / 24. / 25. / 26.6.; Beginn: 20 Uhr; Eintritt: EUR 15.-; freie Platzwahl. Tickets: Abendkassa, reservierte Karten sind bis spätestens 15 Minuten vor Aufführungsbeginn abzuholen.
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