29.06.2016, 00:00 Uhr

"Wenn einer poltert, sind wir oft schuld"

Die Jakobischützen aus St. Jakob am Thurn umfassen 75 Mitglieder. Ihr Hauptmann ist Anton Hager.

Haben Schützen einfach Freude am Ballern? Anton Hager, Hauptmann der Jakobischützen, im Interview.

Interview von Theresa Kaserer

Man könnte jetzt einfach sagen, Schützen haben Freude am in die Luft Ballern. Oder steckt da doch mehr dahinter?
ANTON HAGER:
(lacht) "Wir übertreiben das mit dem Schießen eh nicht. Wer bei den Jakobischützen dabei ist, der mag Kameradschaft. Es ist nett, etwas miteinander zu unternehmen, der Zusammenhalt bei den Mitgliedern ist groß."

Aber es gibt schon Leute, die Ihre Schießerei stört, z. B. Grüne Politiker namens Bernhard Carl ...
ANTON HAGER:
"Ja, das war der Fronleichnamstag 2014 in St. Jakob, wo der Salzburger Gemeinderat mit nacktem Oberkörper und den Worten „Scheiß Tradition!“ mitten durch unsere Festgemeinde geradelt ist, weil es ihn gestört hat, dass er langsam fahren musste. In St. Koloman gab es kürzlich Beschwerden, dass die Schützen, "die Narrischen", so laut schießen, dabei hat einer gepoltert und der ist gar kein Mitglied."

Auweh. Das Image der Schützen ist scheinbar nicht das Beste. Also dann erzählen Sie uns, warum man die Schützen braucht.
ANTON HAGER:
"Wir schießen bei kirchlichen Festen und Hochzeiten und erhalten das Brauchtum. Gerade bereiten wir unser 540-Jahr-Jubiläum vor, mit einem großen Fest von 29. bis 31. Juli. Und wir schießen immer, wenn ein Kamerad 70 Jahre alt wird."

Aha. Beim 60er schießen Sie nicht, auch nicht bei einem 100. Geburtstag?
ANTON HAGER:
"Nein. Ich weiß auch nicht genau, warum eigentlich nur beim 70er, das hat sich halt mal so eingebürgert. In Puch unten schießen die Schützen beim 60. Geburtstag."

75 Mitglieder haben die Jakobischützen, darunter aber, außer den zwei Marketenderinnen, keine Frauen. Wie kommt das?
ANTON HAGER:
"Unsere Marketenderinnen schenken den Schnaps aus, schmücken zu Fronleichnam den heiligen Jakobus mit Blumen und sie sind wichtig beim Jakobitanz. Aber bis jetzt hat noch nie eine Frau angefragt, ob sie Schützenmitglied werden darf."

Und wenn ich jetzt spontan Interesse hätte?
ANTON HAGER:
"Warum nicht. Aber zuerst müssten wir uns im Vorstand deswegen abreden. Aber bei uns können sowieso nur St. Jakober Mitglied werden."


>> Zur Sache:
Die Jakobischützen aus dem Pucher Ortsteil St. Jakob am Thurn sind eines der traditionsreichsten und ältesten Schützenkorps des Landes Salzburg. Von 29. bis 31. Juli feiert der Verein sein 540-jähriges Bestehen.
Besonders stolz sind die Jakobischützen auf ihren historischen Schützentanz, der erstmals 1738 aufgeführt wurde. Der Tanz illustriert in neun Figuren eine vom Ansager vorgetragene, gereimte Erzählung über die Abwehr der Türken.
Jeder St. Jakober ab dem 16. Lebensjahr kann den Jakobischützen beitreten. Ab 18 darf man schießen, zuvor muss aber ein Sicherheitskurs absolviert werden.
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