13.04.2016, 10:10 Uhr

Brauchen wir 2050 noch Gemeindehäuser?

Der Gemeindesaal des im Jahr 2009 eröffneten Ottensheimer Amtshauses wird von den Bürgern viel genützt. (Foto: Gemeinde Ottensheim)

Die BezirksRundschau befragte drei Amtsleiter über die Zukunft der Amtshäuser und schlanke Verwaltung.

BEZIRK (fog). Einerseits verlangt die Öffentlichkeit eine schlanke Verwaltung und andererseits soll sich ein Verwaltungsskandal, wie in St. Wolfgang nicht wiederholen.
Drei erfahrene Amtsleiter aus allen Regionen in Urfahr-Umgebung gaben ihre Einschätzung ab, wie das Gemeindeamt 2050 aussehen könnte: Renate Gräf aus Ottensheim, Alfred Watzinger aus Engerwitzdorf und Johann Seiberl aus Reichenau. Die Ottensheimer Amtsleiterin Renate Gräf schickt voraus, dass eine Gemeinde auch 2050 ohne Amtsgebäude oder Bürgerservice nicht auskommen werde, weil "der persönliche Kontakt immer eine Rolle spielt. Er ist auch in der Zukunft wichtig". Daran würde auch die fortschreitende Kommunikationstechnik nichts ändern.
Ohne Verwaltung könne es auch nicht funktionieren, "weil es ständig neue Gesetze gibt". Einen Verwaltungsskandal, wie in St. Wolfgang, wo 974 Bauaufträge offen waren, kann sich Gräf in Ottensheim nicht vorstellen: "Wir befinden uns im gesetzlichen Rahmen."
Weil aber die Aufgaben innerhalb der Gemeinde immer komplexer werden, muss laut der Ottensheimerin die Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung enger werden. Die Verwaltung müsse mehr auf "Wirkungsorientierung" zielen, das heißt, die Politik auf die ökonomischen, ökologischen und kulturellen Faktoren aufmerksam machen, meint Gräf. Die Politik sollte ihrerseits "keine eigenen Süppchen kochen".

Bürgerservice noch lange

In Zeiten knapper Ressourcen fordert das Land OÖ eine "schlanke Verwaltung". Dass diese Einsparungen Grenzen haben sollten, hob vor Kurzem die Landtagsabgeordnete Ulrike Böker hervor: "Das Extrembeispiel St. Wolfgang zeigt, wohin das führen kann." Böker will eine Diskussion starten.

Ein Profi in Sachen Verwaltung ist der Engerwitzdorfer Amtsleiter Alfred Watzinger. Er hält sogar Vorträge in diesem Bereich. Engerwitzdorf erhielt schon fünf Auszeichnungen für seine Arbeit in der Verwaltung, u. a. die Management-Excellence-Zertifizierung. Watzinger sagt, dass ein "Vergleich zwischen Verwaltungen oft hinkt". In Engerwitzdorf machen die Personalkosten beispielsweise 15,5 Prozent des gesamten Budgets aus. Watzinger: "Aber wir haben wenig Einrichtungen, haben zum Beispiel keine Hauptschule, kein Freibad, keine Landesmusikschule und die Kindergärten betreibt die Caritas." Ob es 2050 noch Gemeindeämter gibt, hatte Watzinger vor Kurzem mit FH-Studenten diskutiert. Manche Amtsgänge könnten in Geschäften oder am Bahnhof erledigt werden, sagten die Studenten. "Ein Bürgerservice wird es jedenfalls noch lange geben", meint Watzinger. Vieles lasse sich über das Internet machen, aber nicht alles. Der Engerwitzdorfer denkt jedoch, dass es zu massiven Zusammenlegungen kommen werde. Eine Verwaltung für zwei bis vier jetzige Gemeinden kann er sich vorstellen.

Johann Seiberl leitet die einzige Verwaltungsgemeinschaft im Bezirk, die der Gemeinden Reichenau, Haibach und Ottenschlag. Weil zwei dieser Gemeinden öffentliche Gebäude über KG finanzieren, werden derzeit fünf Buchhaltungen geführt. Ohne sich politisch äußern zu wollen, denkt Seiberl, dass Vereinfachungen möglich wären. "Ein Bürgerservice wird es mindestens noch eine Generation geben, auch wenn das E-Government durchschlägt", glaubt Johann Seiberl.
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