29.03.2016, 17:32 Uhr

Was die Sanierung der Kärnten Therme nun tatsächlich kosten soll

Albel und "Vize" Oberrauner präsentieren die neue Warmbad-Konstruktion: Die Stadt wird selbst zur Pächterin (Foto: Augstein)

Bürgermeister Albel präsentiert neues Konzept für Warmbad: Die Stadt wird selbst zur Pächterin.

VILLACH (kofi). Villachs Bürgermeister Günther Albel kündigte es zuletzt im WOCHE-Interview bereits an: Das Ergebnis der Verhandlungen für die Sanierung der schwer defizitären Kärnten Therme in Warmbad steht unmittelbar bevor. Und es könnte deutlich billiger kommen als die medial ventilierten knapp 14 Millionen Euro.

4,5 Millionen Euro

Nun gibt es die Details: Die Sanierung wird den Steuerzahler vermutlich rund 4,5 Millionen kosten. Um dies zu erreichen, mussten die Verhandler zu einem "Trick" greifen. Künftig wird die Therme von der Stadt an die Stadt verpachtet. Diese sucht sich per europaweiter Ausschreibung bis Ende Juni einen neuen Betreiber. Auch die bisherigen Betreiber – die Warmbader Hoteliers-Familien Mayerhofer und Lukeschitsch – werden sich um den neuen Vertrag bemühen.

Damoklesschwert

Durch die Verpachtung an sich selbst kann die Stadt einem Damoklesschwert entkommen – der drohenden Rückzahlung von knapp zehn Millionen Euro an Vorsteuer, die im Zuge der Errichtung der Therme gespart wurden. Denn genau das war das Problem: Die jährliche Pacht musste bisher laut Gesetzt 1,5 Prozent der Bausumme betragen – mehr als 900.000 Euro pro Jahr. Zu viel für die Betreiber.
Mit der Eigenverpachtung umgeht die Stadt diese hohe Summe. Künftig wird sie 575.000 Euro an Mindestpacht verlangen, im Falle wirtschaftlicher Erfolge kann die Pacht noch steigen. Dies bedeutet: Villach verzichtet pro Jahr auf rund 275.000 Euro an Einnahmen, bis zum Jahr 2032 werden dies rund 4,5 Millionen Euro sein.

Betreiberrisiko

Risiko dieser Lösung: Wenn der neue Betreiber pleite geht, bleibt das Problem zur Gänze an der Stadt hängen. Aber, sagt Günther Albel bei der Präsentation der Lösung: "Die Pacht ist absolut realistisch berechnet. Ich gehe davon aus, dass wir sogar mehr Geld einnehmen werden."
Die Verträge wurden von externen Prüfern gecheckt, auch das Finanzamt hat schriftlich bestätigt, dass die Rückzahlung der Vorsteuer kein Thema mehr ist, sagt Albel (SPÖ).

Kritik von VP, FP und Grüne

Die anderen Parteien zeigen sich ob der präsentierten Pläne kritisch. "Ein in der Höhe uneinschätzbarer Verlust inklusive dem gesamten wirtschaftlichen Risiko für die Therme verbliebe bei der Stadt Villach und damit beim Steuerzahler", sagt VP-Finanzsprecher Markus Malle. Auch die Grünen warnen vor dem Betreiberrisiko. Und die FPÖ spricht von "Bauchfleck und absolutem Chaos bei der Thermenrettung" und fordert die Einberufung eines Sondergemeinderats.
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