28.07.2016, 10:51 Uhr

Nach Unwetter: Enorme Schäden in Kainach

Kainachs Bürgermeister Viktor Schriebl im Schlögelgraben, wo an der abgerutschten Straße gearbeitet wird.

Der erste Schock in Kainach ist verdaut. Zusammen wird nun aufgeräumt.

"Mein Mann hörte so ein komisches Geräusch, ein Gurgeln. Als er aus dem Bett aufstand, stand er schon mitten im Wasser", erzählt Waltraud Hohl. Das war gegen 0.15 Uhr in der Nacht vom 24. auf den 25. Juli. Eineinhalb Stunden Starkregen hatten den Hang oberhalb des Hauses in Gallmannsegg völlig durchtränkt bis dieser schließlich nachgab. Wasser, Schlamm und Erdreich verteilten sich am und teilweise auch im Haus. "Mit Bauschaufeln haben wir den Schlamm im Haus in Eimer geschaufelt", sagt Hohl.
Am Donnerstag darauf ist äußerlich kaum mehr etwas von den Erdmassen zu sehen, die die Einfahrt bedeckten. Ganze Arbeit wurde geleistet. "Wir haben sogar mit Zahnbürsten geputzt", erzählt Hohl. Teilweise waren über 70 Leute im Einsatz - Freunde, Familie, Nachbarn und allen voran die Feuerwehren, die noch in der Nacht ausrückten und am nächsten Tag den Hang großflächig mit Planen abdeckten um ein weiteres Abrutschen zu verhindern. Oberhalb des Hauses wurde anschließend ein Schutzwall errichtet. Die Planungen für eine Hangsicherung laufen. Mehrere Terrassen werden in den nächsten Wochen angelegt.
Inzwischen ist am Hof der Familie Hohl zumindest äußerlich ein wenig Ruhe eingekehrt. Statt den Baggern ist die Versicherung vor Ort. Die Bagger sind im Schlögelgraben im Einsatz, dort ist am Dienstag-Vormittag die Straße abgerutscht.
Übernachten darf Familie Hohl vorerst aber nicht in ihrem Haus, die Gefahr ist immer noch zu groß, immerhin sind bereits die nächsten Niederschläge angekündigt.

Noch keine Zahlen

Alle paar Minuten trifft ein Sattelschlepper mit Schotter oder Steinen ein. Teile der Straße im Schlögelgraben wurden bereits befestigt, die größte Rutschung in Richtung Bach noch nicht. "Ziel ist die Straße möglichst rasch wieder befahrbar zu machen. Bis der alte Zustand hergestellt ist wird es aber noch viel länger dauern", beschreibt Kainachs Bürgermeister Viktor Schriebl die Situation. Bereits wieder hergestellt wurde die Wasserversorgung der etwa 60 abgeschnittenen Haushalte - zumindest die Brauchwasserversorgung, die Prüfung der Trinkwasserqualität steht noch aus.
Schriebl selbst ist zur Zeit ständig unterwegs, der Schlaf kommt zu kurz, wie er sagt. In der Nacht von Sonntag auf Montag war er selbst bei Familie Hohl um zu helfen. "Man kennt die Leute, man fühlt mit", sagt er und das sieht man ihm auch an.
Stolz sei er auf den Zusammenhalt, die große Hilfe der Freiwilligen und auf den Einsatz der Feuerwehren.
"Es ist schön zu sehen, wenn die Arbeiten anlaufen", sagt Schriebl, der Kainach zum Katastrophengebiet erklären musste. So wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt um möglichst rasch zu helfen. "Bezirkshauptmann Hannes Peißl unterbrach sogar seinen Urlaub", erzählt Schriebl. Der Katastrophenschutz, Geologen und Spezialisten für Wildbach- und Lawinenverbau und Straßenbau sind momentan im Einsatz.
Wie groß der entstandene Schaden tatsächlich ist, kann Schriebl noch nicht beantworten. "Er ist enorm, eine Gemeinde alleine könnte das niemals stemmen", erklärt er.
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