07.03.2016, 17:58 Uhr

Ida goes Pop: Grenzgang in der Küche

Ida Kreutzer: Grenzgängerin im Reich gemischter Kompetenzen (Die Projektbesprechung stilgerecht im True Fellas Diner, Gleisdorf)

Auf dem Weg zu einem äußerst ungewöhnlichen Kuchen-Unikat tun sich erhebliche Anforderungen auf. Doch die tonangebende Frau in dieser Sache hält sich dazu in Schwung. „Ich mache manche komplexere Stücke auch ohne Bestellung mindestens einmal im Jahr, damit ich die Feinheiten bei der Fertigung nicht vergesse.“


Ida Kreutzer, Boss des Einpersonenunternehmens „Made by Ida“, ist außerdem als Fotografin, überdies als Singer-Songrwiter unterwegs. Daher weiß Kreutzer verbindlich, ob sie nun ein Musikinstrument spielt oder ihre feinen Einzelstücke und Kleinserien produziert, die Finger müssen in Übung bleiben. Handfertigkeit ist Ausdruck von Virtuosität und zugleich etwas, das den eigenen Geist bewegt.

Richtig, nicht nur der Geist bewegt die Hände, es geschieht auch umgekehrt. Kreutzer wird die dritte Station in der ersten Serie zum Thema „Handfertigkeit und Poesie“ (Kunst Ost) gestalten. Im Kern des Geschehens steht ein neues Werk der Experimentalbäckerin, nämlich das Bereiten und Backen eines „Highboy“.

Dabei werden die Gäste der limitierten Publikumsrunde bei Laune mitarbeiten können. Aber was ist das, ein „Highboy“? Es ist ein Leitfossil der Hot Rod-Szene, ein Meilenstein dieser automobilen Subkultur.

Als Basis dient ein 1932er Ford Coupé, wahlweise Roadster, mit einem V8 Flathead-Motor, also ein Ford Model B.

Die Karosserie von „The Deuce“, so der Spitzname des 1932ers mit „Flattie“, bleibt hoch auf dem Leiterrahmen und wird nicht per „Channeling“ abgesenkt, was einen „Lowboy“ ergäbe. Außerdem müssen die Kotflügel weg.

Cycle Wings, also kleine Kotbleche wie bei Motorrädern, würden von Puristen als Stilbruch bewertet. Man ahnt, der Highboy ist das Produkt aus sonniger Gegend, wo man nicht so oft mit Schlechtwetter rechnen muß.

Das Veredeln des Fahrzeuges kennt dann im Detail kaum Einschränkungen. Ein satter „Flame Job“, also ein Flammen-Dekor, ist kein Muß, macht sich aber gut, wenn man spektakuläre Auftritte vorzieht.

Ida Kreutzer scheint für dieses Projekt aus vielen Gründen prädestiniert. Von ihren Textilwelten her ist sie mit raffinierten Mustern vertraut. In ihrer Back-Praxis hat sie sich mittlerweile neue Techniken angeeignet, die etwa ein unkompliziertes Verkleben von Teilen ermöglichen, die freilich eßbar bleiben sollen.

Mit der Populärkultur Amerikas ist Kreutzer gut vertraut, wird übrigens demnächst wieder für drei Jahre in die Staaten ziehen, um da einige kulturelle Projekte zu realisieren. Es geht nun in dieser Session der „Talking Communities“ um eine repräsentative Maschine jener „Volkskultur in der technischen Welt“, die ein stilprägendes Fahrzeug wurde; und zwar weltweit.

Der Klassiker ist zugleich ein Symbol des Abgesangs jener Art hauptsächlich männlicher Selbstinszenierung. Die frühen Ford waren ganz speziell Symbole der Massenmotorisierung auf der Basis des Privatbesitzes von Automobilen mit Verbrennungsmotoren.

Diese Ära endet, was sich heute schon spürbar abzuzeichnen beginnt. Die Bilder, Embleme, Codes und Klischees dieser Ära haben aber eine enorme Verbreitung und Popularität erlangt, stehen uns wahrscheinlich auch bei den nötigen Neudeutungen unserer Mobilitätskonzepte etwas im Wege.

So ist das nicht bloß aktuell Thema in der Serie „Handfertigkeit und Poesie“. Es wird auch hinsichtlich seiner soziokulturellen Zusammenhänge im oststeirischen Teilprojekt „Fiat Lux Panorama“ ausgeleuchtet. Damit ziehen die Beteiligten einen Bogen zwischen Handwerk, Kunsthandwerk und Gegenwartskunst, wobei ein spezieller Fokus auf die Populärkultur gerichtet ist.

+) Die Veranstaltung [link]
+) Fiat Lux: Panorama (Running Code) [link]
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