29.03.2016, 00:00 Uhr

Reise in die wilden 70er

Hans Czettel

Eine Zeitreise ins Wiener Neustadt der 70er Jahre.

WIENER NEUSTADT. Glockenhosen, Koteletten, Kernkraft, eisener Vorhang. Würde man heute ins Niederösterreich der 70er-Jahre zurückkehren, man würde das Land nicht wiedererkennen. Eine Schau im NÖ-Ausstellungs-Mekka, der Schallaburg, widmet sich derzeit dieser Epoche unserer jüngeren Geschichte. Die Bezirksblätter wagten die Zeitreise in die Vergangenheit der Stadt Wiener Neustadt und fanden heraus, wie sich Orte, Menschen und die Gesellschaft in den vergangenen vier Jahrzehnten verändert haben.
Mittendrin war damals auch ehemalige Vizebürgermeister, langjährige Gemeinderat und Sozialpolitiker Peter Geyer. Schon damals politisch. „Die 70er waren eine Zeit des Aufbruchs, sozialen Fortschritts, unter Kreisky gab es viele Reformen für die Familien", schwärmt Geyer von der guten alten Zeit.
Musikalisch prägte die Hippiezeit und Disco-Sound die 70er-Jahre. Der bekannte Musiker, Bandleader und Musikpädagoge Hans Czettel gründete damals seine Band „Mayflower I“, die in den damaligen Lokalitäten wie Bräuhaus, Kasematten, Kolpingheim usw. tanzbare Musik spielte. Mit „Mayflower II“ schaffte Czettel auch den Sprung ins Radio zu „Autofahrer unterwegs“. Noch in den 70ern gründete er „Magic Sound“ die mit „Cara Mia“ auf Platz 1 der Hitparade kam und sogar Platin erhielt. „Es war eine freigeistige Zeit, die große Perspektiven zeigte und mich bis heute prägte“, so Czettel.
Schön war dieses Jahrzehnt auch für Hermann B., heute Behindertenbetreuer, auch wenn er kleinere Brötchen backen musste. Seine Eltern kamen mit ihm bettelarm aus Kärnten ohne Wohnung und ohne Arbeit nach Wiener Neustadt. Nach harten Anfangsmonaten bekam die Familie eine Hausmeisterwohnung und der Vater einen Job im Konsum. "Von da an ging es bergauf", blickt Hermann heute zurück. Hermann fand eine Lehrstelle als Bürokaufmann. „Es war eine Zeit in der man mit Zuversicht in die Zukunft schauen konnte“.
Auch Renate Mattausch kam aus einer nicht begüterten Familie. Ihre Eltern konnten ihr aber doch die Matura und Lehrerausbildung ermöglichen. „Trotz eines strengen Vaters, war es für mich eine leichtlebige Zeit, Nachhilfe brauchten wir keine, da wir uns gegenseitig halfen. Um modisch angezogen zu sein lernte ich nähen. Mit 17 lernte ich meinen Peter kennen und wir heirateten bald. Der Flower Power Zeit entsprechend liebte ich es modisch und etwas schrill, „die Stones“, Abba und Elvis waren musikalisch meine Favoriten“.
Wild trieb es der heute SPÖ-Bezirksgeschäftsführer Reinhard Kadlec. „Es war eine freigeistige Zeit, die viel Raum für Phantasie ließ, wobei der Aufbruch von den älteren oft nicht verstanden wurde und die Jugend auf Grund ihres oft bizarren Äußeren abgelehnt wurde. Dabei war ein großer Teil der Jungen auch politisch interessiert. Ich sang bei mehreren Rockbands, den „AXE“ und den „Scooters“ oder „Madhouse“. Da es viele Rockbands mit Niveau in der Gegend gab, veranstalteten wir häufig „Rock Battles. Wir gründeten Jugendklubs, machten aber auch viele Lokale wie das „Blow up“ oder die Pecherhütte unsicher."
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