18.04.2016, 15:32 Uhr

Biker "bleiben auf der Strecke"

Biken im Wald ist nur mit Erlaubnis des Eigentümers oder Forststraßenhalters gestattet. (Foto: Archiv)

Vorzeigeprojekt im Wienerwald geschaffen: Die generelle Öffnung der Forststraßen bleibt aber Wunschmusik.

WIENERWALD (bt). Das Mountainbike-Netz im Wienerwald wurde auf Initiative der Plattform „Mountainbiken im Biosphärenpark Wienerwald“ um acht neue Single-Trails erweitert. Mit den neuen Pfaden, die als technische Herausforderung gelten, kommen weitere zwölf zu den vorhandenen 800 Routenkilometern hinzu. Die Strecken stehen bei Wienerwald Tourismus, Biosphärenpark und WienerWaldTrails zum Download.
„Das Miteinander in diesem Projekt ist einzigartig, alle beteiligten Projektpartner ziehen an einem Strang“, so Alexander Arpaci, Vereinsobmann WienerWaldTrails. Das Radeln im Wald, ist nämlich nur mit Erlaubnis des Eigentümers gestattet.

"Entkriminalisieren"

Für die Naturfreunde gibt es dennoch, noch nicht genug Routen. Sie fordern eine generelle Öffnung der Forststraßen. "Schon jetzt benutzen 70 Prozent der RadfahrerInnen ausschließlich Forststraßen und machen sich damit bis auf wenige Ausnahmen, nach der derzeitigen Gesetzeslage, strafbar. Die Naturfreunde fordern deshalb die Legalisierung und Entkriminalisierung", so die Vorsitzende der Naturfreunde NÖ Karin Scheele. Diese geforderte Änderung des Forstgesetztes wurde von Bundesminister Andrä Rupprechter abgelehnt.

Jäger begrüßen Ablehnung

Auch die Jägerschaft lehnt eine Öffnung der Forststraßen entschieden ab. Die Bezirksblätter fragten die für den Wienerwald zuständigen Bezirksjäger, warum das so ist. "Jetzt im Frühjahr beginnt neues Leben mit den Geburten", so Andreas Radlinger zuständig für Wien-Umgebung. Überraschungen sollten da vermieden werden. "Das Wild hat auch einen Lebensraum und eine Wohung und das ist der Wald", so der Jägermeister weiter. Sein Kollege aus dem Bezirk St. Pölten Johannes Schiesser stimmt zu: "Ungeregelter Mountainbiker-Verkehr würde Wildtiere zusätzlich beunruhigen und massiv bei der Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung und Jungenaufzucht stören. Die Folge wären untragbare Wildschäden am Wald."
Unter dem Fahren abseits gekennzeichneter Routen leiden auch die Pflanzen. "Wenn sie junge Bäumchen umfahren, bleibt der Besitzer auf dem Schaden sitzen", seufzt Radlinger. Außerdem sind landwirtschaftliche Maschinen unterwegs, das kann für beide Parteien schnell gefährlich werden. "Ich bin selbst von Beruf Landwirt und konnte mir von Radfahrern schon sämtliche Schimpfwörter anhorchen", ärgert sich Radlinger.

"Wir werden weiter kämpfen"

Hinnehmen wollen die Naturfreunde diesen Rückschlag nicht. "Wir werden weitherhin in der Bevölkerung, aber auch bei den Nationalratsabgeordneten für Unterstützung werben", so Scheele, die betont, dass es um eine Öffnung der Forststraßen und nicht des ganzen Waldes geht.


Zur Sache:

Unbefugtes Radfahren im Wald wird mit 150 Euro bestraft. Befährt man eine erkennbar gesperrte Forststraße, drohen 730 Euro Strafe oder Arrest bis zu einer Woche.
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