Michael Mittermeier: „Wir leben in einer wilden Zeit!“
- Kommt nach Wien: Kabarettist Michael Mittermeier gastiert am 12.10. in der Stadthalle.
- Foto: Moni Fellner
- hochgeladen von Thomas Netopilik
Der Comedystar über sein neues Programm, seine Ängste und seinen 50. Geburtstag.
Dein neues Programm heißt „Wild“. Sind die Inhalte eine Reaktion auf die derzeitige Situation auf der Welt?
MICHAEL MITTERMEIER: Der Titel war schon länger geplant, doch er passt ganz gut, denn es wird derzeit auf der Welt alles wilder und unübersichtlicher. Der Al-Kaida-Sepp geht mittlerweile nicht mehr in die Disco hinein, wenn IS-Leute drinnen sind. Das hätte ich mir nie gedacht, dass es einmal so weit kommt. Bei meinen Auftritten bin nur ich wild und die Besucher können zweieinhalb Stunden in meine Welt eintauchen.
Wie bekommt man die Welt in den Griff, wenn sie sich selbst nicht mehr im Griff hat?
Indem man geerdet ist und auch seine alltäglichen Probleme zu meistern versucht. Ich war unlängst in Berlin und habe mich nach dem Weg erkundigt. Da fragt mich ein junger Passant, ob ich kein iPhone hätte. Ist man ein Idiot ohne ein iPhone?
Warum sind gerade Männer mit einer Modelleisenbahn so gefährlich?
Ich finde so etwas pervers. Es kann doch nicht normal sein, dass man in seinem Keller mehr als 20 Jahre an einer Kinderlandschaft herumbastelt. Diese Menschen sind so was von spießig im Alltag, da nehm ich auch meinen Ministerpräsidenten Horst Seehofer nicht aus. Der hat wahrscheinlich auch eine Modelleisenbahn im Keller stehen.
Eine Szene auf dem G7-Gipfel zwischen einem bayrischen Bürgermeister und US-Präsident Obama hat dich besonders amüsiert. Warum das?
Das war für mich das Highlight des vergangenen Jahres. Ein Bürgermeister, der nur ein paar Brocken Englisch spricht, sitzt mit Barack Obama vor einer kitschigen Fotowand und isst mit ihm Weißwürste. Doch worüber haben sich die beiden vor den Dutzenden TV-Kameras wirklich unterhalten? Und vor allem wie? Das war aufgelegt, dass ich das in mein neues Programm einarbeiten muss.
Du giltst aufgrund deines Politologie-Studiums als ernsthafter Mensch. Wie schaffst du den Spagat zum Comedian?
Ich trau mich auch mal raus, wenn es grob wird. Nach meinem Statement „Ich finde es gut, dass man Flüchtlingen hilft“, waren die Hasspostings im Internet enorm.
Du feierst am 3. April deinen 50. Geburtstag. Hast du schon Pläne für eine Party?
Danke, dass du mich daran erinnerst. Langsam könnte ich mir wirklich etwas überlegen. Ich tippe eher auf ein wildes Fest.
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