Lehrlinge in Döbling
Rauchfangkehrer will Energie-Allrounder ausbilden
- Morgens beim Sonnenaufgang über die Dächer Wiens zu schauen, mag Thomas Gollner (Mitte) am meisten bei seinem Beruf.
- Foto: Thomas Gollner
- hochgeladen von Kristof Paksanszki
Der Beruf des Rauchfangkehrers ändert sich mit dem Auftauchen nachhaltiger Energie stetig. Rauchfangkehrermeister Thomas Gollner möchte seine Lehrlinge auf die neuen Entwicklungen vorbereiten.
WIEN/DÖBLING/INNERE STADT. "Rauchfangkehrer ist der geilste Job", findet Thomas Gollner, welcher seit 18 Jahren selbstständiger Glücksbringer ist. Nach seiner Meisterprüfung übernahm er 2007 die Firma eines bekannten Kollegen in der Schegargasse 1 (19. Bezirk), die als "Firma Gollner" in Döbling und der Inneren Stadt tätig ist.
In seiner neuen Rolle als Chef musste er zuerst lernen, von der Arbeit abzuschalten. "Ich war mit meiner Frau in der Türkei und sie hat gesagt, wenn du jetzt nur einmal im Urlaub in diesen Laptop reinschaust, dann nehme ich das Ding und versenke es im Pool", erinnert sich der Familienvater lachend.
Ein Betrieb für junge Frauen
Die Arbeit mit Lehrlingen liegt ihm besonders am Herzen, daher hat sein Betrieb im Mai 2025 den "AmaZone"-Award gewonnen. Dabei handelt es sich um eine Auszeichnung für Unternehmen, die sich in der Ausbildung von Mädchen, jungen Frauen und binären Personen in technischen und handwerklichen Berufen besonders engagieren.
- Unter den diesjährigen "AmaZone"-Award-Siegern war der Betrieb von Thomas Gollner und seinem Lehrling.
- Foto: sprungbrett/Astrid Knie
- hochgeladen von Kristof Paksanszki
Aktuell bildet die Firma zwei Lehrlinge aus, darunter auch eine weibliche Auszubildende – eine Seltenheit in einem Beruf mit nur 13,5 Prozent Frauenanteil. Genau darin sieht Thomas Gollner den Vorteil eines Kleinunternehmens: "Du kennst alle Mitarbeiter und ihre privaten Probleme. Wenn sie in der Früh kommen, siehst du schon am Gesicht, ob sie heute lustig drauf sind oder nicht."
Sollte selbstverständlich sein
Die Auszeichnung macht Gollner stolz und bedenklich zugleich: "Eine junge Frau sollte gegenüber einem männlichen Lehrling weder benachteiligt noch bevorzugt werden. Eigentlich ist es komisch, dass du nur, weil du Frauen ausbildest, einen Award bekommst. Das sollte in der heutigen Zeit selbstverständlich sein!"
Dass Frauen körperlich nicht so stark sind wie Männer, ist für den Chef kein Problem: "Sie tragen dieselbe Leiter genauso gut, nur mit einer anderen Technik." Außerdem würde sich der Rauchfangkehrer Beruf von einer körperlichen Arbeit zu einer technischen Tätigkeit entwickeln. "Die Ölkessel von früher, wo man den Brenner auf die Seite heben muss, gibt es fast nicht mehr. Hirnarbeit wird mit der neuen Technologie immer wichtiger."
Der Beruf verändert sich
Obendrein müsse sich der Berufsstand breiter aufstellen. "Bei Raus aus Gas und Öl werden Rußbrände immer weniger, da fast niemand mehr mit Öl und Holz heizt", so Gollner. Laut dem Kleinunternehmer sollten die Rauchfangkehrer zu Allroundern werden. Er selbst absolvierte bereits Kurse zum Energieberater, Lüftungsreiniger und zur Gebäudesicherheitsfachkraft.
- Laut Gollner sollte die Ausbildung von weiblichen Rauchfangkehrerinnen in der heutigen Zeit selbstverständlich sein.
- Foto: Thomas Gollner
- hochgeladen von Kristof Paksanszki
Ventilatoren in der Gastronomie beispielsweise müsste man nach Arbeitsstättenverordnung mindestens jährlich prüfen. Laut Gollner würde diese aber niemand kontrollieren, außer es kommt zu einem Unfall. "Ich glaube, die Kommune wäre gut beraten, solche Arbeiten an uns abzugeben. Schächte zu reinigen, ist ja unser ureigenes Geschäft", so der Rauchfangkehrermeister.
Er versteht, dass die Unternehmen die kurzfristigen Kosten nur ungern übernehmen würden, denkt aber, dass sich die Kontrollen langfristig für alle Parteien auszahlen: "Die beste Energie ist jene, die nicht verloren geht. Viele Kundinnen und Kunden bemerken Probleme nur, wenn auf einmal der Strompreis in die Höhe schnallt, weil zum Beispiel die Filter verschmutzt sind. Außerdem ist ein Service noch immer billiger als ein kaputtes Gerät zu ersetzen. Gleichzeitig bekämen wir ein neues Aufgabengebiet."
In Wien aufs Meer blicken
Seinen Lehrlingen rät er, das Interesse zu behalten, am Ball zu bleiben und schlechte Zeiten auszuhalten. Gleichzeitig würde er sich wünschen, dass mehr Unternehmen junge Menschen ausbilden würden. "Lehrlinge gäbe es genug, nur keine Betriebe, die sie ausbilden wollen", erzählt Gollner.
Einen Ausbildungspool würde er als Lösung für dieses Problem vorschlagen: "Da würde jede Firma einen Betrag einzahlen und die Betriebe mit Lehrlingen bekommen ein Geld retour. Ich mein, in Zeiten des Fachkräftemangels bilden wir die Menschen ja auch für andere Firmen aus."
- Thomas Gollner will, dass seine Lehrlinge am Ball bleiben und sich dem Zahn der Zeit anpassen.
- Foto: sprungbrett/Astrid Knie
- hochgeladen von Kevin Chi
Am schönsten im Beruf findet Thomas Gollner den sozialen Kontakt mit den Kundinnen und Kunden sowie die Ruhe Wiens mitzubekommen: "Wenn du im ersten Bezirk auf dem Dach bist, die Straßen leer sind und die Sonne über die Stadt aufgehen siehst, ist das wie am Meer. Und wenn man sieht, wie ein junges Paar über die Jahre eine Familie gründet, freut mich das riesig."
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