Reportage
Sehbehinderter Journalist entdeckt den Erlebnisbauernhof Cobenzl
- Landluft mitten in Wien schnuppern? Der Erlebnisbauernhof am Cobenzl macht es möglich.
- Foto: Elisabeth Posch
- hochgeladen von Kathrin Klemm
Wie erleben blinde und sehbehinderte Menschen den Bauernhof am Landgut Cobenzl? Der sehbehinderte Journalist Dominic Schmid war vor Ort und berichtet von seinen Erlebnissen und Empfindungen.
WIEN/DÖBLING. Als „vom Land kommend“ weiß ich, dass es auch auf Bauernhöfen viel zu begreifen gibt. Daher möchte ich dieses Mal einem Bauernhof einen Besuch abstatten. Denn ja, es gibt diese auch innerhalb Wiens Stadtgrenzen. Gemeinsam mit meiner Begleiterin Elisabeth mache ich mich auch den Weg zum Erlebnisbauernhof am Landgut Cobenzl.
Unsere Eintrittskarten kaufen Elisabeth und ich in einem alten Bauernhaus. Kaum haben wir das Gelände betreten, steigt uns der Geruch von Tieren in die Nase. Elisabeth geht mit mir gleich zu einem Stall, in dem es nach Hasen riecht.
- Diesen kleinen, schwarzen Hasen kann man trotz sehbehinderung gut erkennen.
- Foto: Elisabeth Posch
- hochgeladen von Kathrin Klemm
In einem Gehege ist ein kleiner schwarzer Hase, den ich gut erkennen kann. Zum Glück haben wir beim Eingang eine Packung Tierfutter gekauft. Damit kann man fast alle Tiere füttern. Jetzt locke ich den Nager mit dem Futter an, was funktioniert. Nach dem Füttern lässt er sich streicheln. Sein Fell fühlt sich sehr zart an. Ich merke aber auch, dass die Haare sehr dünn sind.
Noch viel flauschiger
Viel dichter und flauschiger, aber auch ziemlich verfilzt, fühlt sich hingegen das Fell des Tieres an, das ich als Nächstes streichle. Es ist ein weißes Schaf. Elisabeth und ich haben nämlich beim Schafsgehege haltgemacht. Wieder haben wir versucht, ein Tier mit Futter zu uns zu locken. Daraufhin sind drei Schafe angelaufen gekommen.
Ich weiß noch nicht so recht, ob ich das Tier aus meiner Hand fressen lassen soll. Nach einigem Hin und Her entscheide ich mich dazu. Ich spüre die Auf- und Zubewegungen des Mauls, als mir das Schaf aus der Hand frisst. Außerdem stelle ich fest, dass ich in Zukunft gut darauf verzichten kann.
Wer hat den Futtersack geklaut?
Das Blöken der Schafe ist kaum verhallt, da dringt schon das nächste Blöken an unser Ohr. Diesmal gehört es den Ziegen. Denn im Gehege, vor dem wir jetzt stehen, befinden sich mehrere Ziegen. Schon als sich Elisabeth mit dem Futtersack dem Gehege nähert, drängt sich eine Ziege nach vorne. Da das Tier auch wild mit den Hörnern schlägt, bleibe ich lieber mal auf Abstand. Ebenso duldet es diese Ziege nicht, wenn ihre Nachbarin gefüttert wird.
- Sehr zutraulich waren die Schafe. So wie viele andere Tiere am Cobenzl dürfen sie gefüttert werden.
- Foto: Elisabeth Posch
- hochgeladen von Kathrin Klemm
Anders verhält sich die bockige Ziege, als Elisabeth eines der Kitze füttert. Da wir merken, dass das Kleine sehr zutraulich ist, streichle ich es vorsichtig. Das Fell fühlt sich glatt an und ich kann erkennen, dass, wie beim Hasen, die Haare sehr dünn sind. Außerdem bemerke ich, dass die Hörner wesentlich härter sind als das Fell.
Und dann passiert es! Elisabeth, die das Futtersackerl noch in der Hand hat, passt kurz nicht auf. Schon hat es ihr die freche Ziege aus der Hand gerissen. Jetzt müssen wir den anderen Tieren, die am Zaun stehen und uns anblöken, erklären, dass wir leider nichts mehr für sie haben. Um nicht länger in Erklärungsnot zu geraten, gehen Elisabeth und ich zum nächsten interessanten Gehege.
Die ersten Truthähne
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich schon einmal Truthähne gesehen habe. Ich glaube nicht und deshalb ist es wohl jetzt das erste Mal. Sie kann man nicht füttern und sollte auch sonst etwas auf Abstand gehen. Glücklicherweise sind die, in diesem Fall schwarzen Tiere, groß genug, dass ich sie gut mit freiem Auge erkennen kann. Auch die Truthähne wirken auf mich aktiv und sehr angriffslustig. Zudem fällt mir auf, dass uns schon eine ganze Weile das Kikeriki eines Gockels begleitet. Gleich daneben befinden sich mehrere Gänse. Auch sie erkenne ich gut mithilfe meines Sehrestes.
Es ist Zeit für eine kurze Pause. Also suchen wir uns einen Rastplatz und werden bei einem umgestürzten Baumstamm fündig. Dieser ist so präpariert, dass man bequem darauf sitzen kann. Zudem befindet man sich unter einem Kirschbaum. Ein paar Meter weiter liegt ein anderer umgestürzter Baumstamm. Dort kann man zwar nicht so bequem sitzen, allerdings lässt er sich gut umrunden. Neugierig betaste ich den Stamm. Der fühlt sich sehr hart an. Ich stelle fest, dass mein Tastsinn wohl nicht erkennen könnte, ob ich gerade einen Stein oder Holz angreife.
Elisabeth und ich werfen noch einen kurzen Blick in die Scheune, betreten dürfen wir diese aber nicht. Ich betaste das hölzerne Scheunentor. Das Holz ist glatt und wirkt daher auf mich recht neu. Danach verlassen wir den Erlebnisbauernhof wieder. Jetzt weiß ich, dass die Tiere gerne aus anderen Händen fressen dürfen und nicht aus meinen und wo ich hinkommen muss, wenn ich das Krähen eines Hahns vermisse. In meinem Heimatort in Tirol hört man ihn ja an allen Ecken und Enden.
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