Redaktion Andererseits
Sebastian Gruber will die Journalismuswelt auf den Kopf stellen

Sebastian Gruber lebt seit fünf Jahren in der Seestadt und war damit einer der ersten Bewohnerinnen und Bewohner – es gefällt ihm nach wie vor sehr gut.
  • Sebastian Gruber lebt seit fünf Jahren in der Seestadt und war damit einer der ersten Bewohnerinnen und Bewohner – es gefällt ihm nach wie vor sehr gut.
  • Foto: Bazalka
  • hochgeladen von Christine Bazalka

Seit einem halben Jahr gibt es die Redaktion Andererseits: Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten Seite an Seite, um guten Journalismus zu machen – und die Welt zu verändern.

DONAUSTADT. Sebastian Gruber ist ein Mann mit vielen Interessen: Der 28-jährige fährt Rennrad, er spielt Fußball, er läuft und ist DJ – und seit einigen Monaten auch Journalist. Er ist ein Redaktionsmitglied von Andererseits, einer Plattform für inklusiven Journalismus. Menschen mit Behinderung, wie Sebastian Gruber, verfassen dort journalistische Texte und werden dabei von Menschen ohne Behinderung unterstützt. 

In einem aktuellen Artikel geht es um Gruber und sein Rennrad: Er radelt viel und macht ausgiebige Touren im Wiener Umland. Wo er allerdings nicht so gut weiterkommt, ist in Wien selbst: Das Rennrad von Sebastian Gruber hat hinten zwei Reifen, um mehr Stabilität zu bieten, und ist deshalb nicht so leichtgängig und vergleichbar etwa mit einem Lastenrad. Wo Höhenunterschiede und andere Barrieren zu großen Problemen werden, beschreibt Gruber in seinem Text, der auch im Magazin Drahtesel erschienen ist. Solche Kooperationen sind eines der Ziele von Andererseits, sie wollen gute Texte liefern, die das Können und Denken von Menschen mit Behinderung auch in den Mainstream-Medien sichtbar machen.

Freiheit, ein Stück nach dem anderen

Ein anderer Artikel von Sebastian Gruber erschien auch in der Tageszeitung Der Standard, in ihm geht es um Freiheit. "Das kann ich sehr gut beschreiben, weil ich habe das hautnah miterlebt, was Freiheit bedeutet", sagt Gruber, "ich kann erst seit meinem siebten Lebensjahr gehen und sprechen – die Ärzte haben gesagt, ich werde das nie können." Täglichen Therapien, unter anderem Voltigieren, und der Hartnäckigkeit von Sebastian Gruber und seiner Familie ist es geschuldet, dass er den Rollstuhl verlassen konnte. Sebastian Gruber hat es geschafft, sich immer mehr Freiheit zu erobern: "Von meiner Geburt bis zum Verlassen des Rollstuhls bis ich eine Arbeit, eine Wohnung und einen Führerschein bekommen habe, also selbstständig geworden bin."
 
Auch über seine negativen Erlebnisse schreibt Sebastian Gruber, aktuell arbeitet er an einem Text über Mobbing. "Ich beschreibe meine Erfahrung damit, begonnen hat es schon im Kindergarten", sagt er, "die wollten mich dort einfach nicht. Tag für Tag haben sie mich in eine Ecke gesetzt, mir pro Tag drei Puzzles gegeben und die anderen Kinder haben mich angeschaut als wäre ich ein Außerirdischer. Ich wollte immer mitspielen, aber sie haben mich nicht gelassen." Nachdem der Kindergarten gewechselt wurde, ging Spielen, Teilhabe und Freunde finden dann ohne Probleme.

Die Artikel von Sebastian Gruber sind persönlich erzählt und spannend. Das macht sie nicht nur gut, es hilft Menschen ohne Behinderung auch dabei, sich Grubers Sicht auf die Welt zu nähern. Und das obwohl es seine ersten Erfahrungen mit dem Schreiben sind: "Eine Bekannte hat mich angeschrieben und mich gefragt, ob ich bei dem Projekt mitmachen möchte", erzählt Gruber, wie er zu Andererseits gekommen ist. Alle zwei Wochen kommen die mittlerweile über 15 Redaktionsmitglieder zusammen und tauschen sich über neue Themen und Zugänge aus.

Neue Themen und Perspektiven

Ihr Ziel, sagt Sebastian Gruber: "Wir wollen die ganze Journalismuswelt auf den Kopf stellen." Eine Redaktion mit anderer Zusammensetzung als gewöhnlich bringt andere Themen und Perspektiven auf. "Die Menschen sollen sich Gedanken machen über ihren Umgang mit Menschen mit Behinderung" meint Gruber. Nachsatz: "Für mich ist auch wichtig, dass man uns nicht so angreift, als wären wir zerbrechlich. Man soll einfach normal mit uns umgehen, so wie mit jedem anderen auch."

In der Arbeit ist so ein Umgang für Gruber mittlerweile Alltag: Er hat 2013 bei der Allianz eine Lehre zum Versicherungs- und Bürokaufmann abgeschlossen und arbeitet noch immer gerne dort. Eine Arbeitskollegin war es auch, die ihn in die Seestadt gebracht hat: "Meine Chefin war Teil der Baugruppe Lisa und dort habe ich mich dann vorgestellt und eine Wohnung bekommen."

"Die Seestadt ist wie Urlaub"

Perfekt für Gruber, der gerne etwas außerhalb der Stadt wohnt: "Mir gefällt die Vielfalt, wie freundlich die Menschen sind, dass man gleich in der Lobau und auf der Donauinsel ist. Jeden Tag, wenn ich von der Arbeit heimkomme, kann ich auf Null abschalten. Man hat den großen See, man sieht im Sommer Enten und Schwäne: Ich fühle mich wie im Urlaub."

Ob Sebastian Grubers Leben anstrengender ist als jenes von Menschen ohne Behinderung? "Früher war es das sicher", meint er. Aber er hat jetzt seinen Platz in der Welt: Als Mitglied in einem DJ-Verein, der auch Ausbildungen organisiert, als Tormann bei den Special Violets, dem Team aus gehandicapten Sportlerinnen und Sportlern der Austria Wien, als geschätzter Kollege und jetzt auch als Journalist.

Die Website der Redaktion Andererseits.

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