Kundgebung gegen die S1 Lobau-Autobahn
„Klimaschädlich" und "milliardenschwer": Demo in Essling gegen S1 Lobau-Autobahn
- Foto: Maximilian Judtmann
- hochgeladen von Sabine Zwierschitz
Am Samstag, den 18. April veranstaltete die Initiative „Esslinger für die Lobau“ gemeinsam mit Umweltorganisationen, Wissenschaft und Kunst eine Kundgebung gegen die S1 Lobau-Autobahn.
700 Teilnehmer:innen setzten mit einer kraftvollen und zugleich bunten Demonstration ein deutliches Signal gegen den Baubeginn der klimaschädlichen milliardenschweren Autobahn. Menschen von jung bis alt waren mit Transparenten und Fahnen in den Jazzpark Park Essling gekommen - direkt in jene Region, die von den geplanten Bauarbeiten massiv betroffen wäre. „Öffis statt Monsterbau für uns alle und die Lobau“, war auf einem Transparent zu lesen.
Obwohl zentrale Entscheide des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) noch ausständig sind, werden seit 1. April bereits erste bauliche Vorbereitungen für den Teilabschnitt Süßenbrunn - Groß Enzersdorf getroffen. Für die Demonstrierenden ist klar: Dieser Baubeginn ist nicht nur verfrüht, sondern auch rechtlich höchst fragwürdig.
Wolfgang Rehm von der Umweltorganisation VIRUS kritisiert das Vorpreschen von BM Hanke und Asfinag mit Bauvorbereitungsarbeiten für den S1 Freilandabschnitt. „Auch wenn das am 1. April noch kein richtiger Baubeginn war, sollen dort Tatsachen für die teuerste Sackgasse Österreichs - mit vollem Autobahnquerschnitt - geschaffen werden, obwohl der Lobautunnel nicht realisiert werden kann."
Wissenschaft schlägt Alarm
Ein breites Spektrum an Expert:innen nutzte die Bühne, um eindringlich vor den Folgen des Projekts zu warnen. Der Ökologe Franz Essl (Universität Wien), Verkehrswissenschaftler Hermann Knoflacher (TU Wien), Klimaforscher Reinhard Steurer (BOKU) und Maria Hoi-Leitner (Präsidentin des Naturschutzbundes Wien) zeichneten ein klares Bild: Die Lobau-Autobahn steht im Widerspruch zu Klima- und Naturschutzzielen und verschärft bestehende Probleme.
„Milliarden fließen in ein Projekt, das Natur zerstört, zusätzlichen Verkehr erzeugt und Landschaften zerschneidet – während gleichzeitig überall gespart wird“, kritisierte Essl. Stattdessen brauche es Investitionen in Renaturierung und eine Reduktion des Individualverkehrs."
Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung
Besonders alarmierend sind die prognostizierten Auswirkungen auf die Lebensqualität: Täglich sollen über 60.000 Fahrzeuge den neun Kilometer langen Tunnel durchqueren. Die dabei entstehenden Abgase würden über bis zu zehn Meter hohe Ablufttürme ungefiltert an die Oberfläche gelangen – in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten, Schulen und dem Erholungsgebiet Lobau.
Über 400.000 Menschen wären von erhöhten schädlichen Emissionen (+60% laut Asfinag) betroffen.
„Wir stehen vor der Errichtung einer massiven Belastungsquelle direkt vor unserer Haustür“, warnte Sabine Zwierschitz von der Initiative „Esslinger für die Lobau“. Feinstaub, Stickoxide und Mikroplastik durch Reifenabrieb würden Mensch und Umwelt langfristig schädigen.
Naturjuwel Lobau in Gefahr
Die Lobau, Teil des Nationalparks Donau-Auen, zählt zu den ökologisch wertvollsten Gebieten Österreichs. Sie ist Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten, fungiert als Klimaregulator und dient gleichzeitig als wichtiges Naherholungsgebiet. Doch genau dieses sensible Ökosystem steht auf dem Spiel. Der geplante Tunnelbau könnte den Grundwasserhaushalt nachhaltig stören und die ökologische Stabilität des Auenwaldes gefährden.
„Die Belastung durch Lärm und Schadstoffe würde den Nationalpark zusätzlich zu den bestehenden Autobahnen (A23, S1 Süd) und der Flughafen-Anflugschneise massiv belasten“, so Helmut Sattmann, Biologe“.
Kritik an Bodenversiegelung und Verkehrspolitik
Neben ökologischen Aspekten kommt es zum Verlust hochwertiger landwirtschaftlicher Flächen. Die Lobau-Autobahn inkl. Spange zerstört dauerhaft 178 Hektar „hochwertiges Ackerland. Und der geplante Speckgürtel entlang der S1 Lobau-Autobahn, mit weiteren hunderten Hektar Bodenversiegelung, würde eine neue Betonwüste „Inzersdorf Nord-Ost“ am Rande der Donaustadt entstehen lassen.
Als Wissenschaftsverleugnung 2.0 bezeichnet Reinhard Steurer, Klimaforscher und Professor an der Universität für Bodenkultur, die Haltung der Politik in dieser Frage: „Alle klimawissenschaftlichen Prognosen skizzieren eine schleichende Katastrophe. Was wir am dringendsten brauchen, sind fruchtbare Ackerböden für mehr Lebensmittelsicherheit im Inland. Politiker:innen, die dessen ungeachtet weiter Boden mit Autobahnen versiegeln, nehmen Klimawissenschaft offenbar nicht ernst."
Soziale Schieflage kritisiert
Auch die soziale Dimension stand im Fokus der Kritik. Während Milliarden in den Autobahnbau fließen, werde in zentralen Bereichen wie Gesundheit, Bildung und öffentlichem Verkehr gespart. Die Lobau-Autobahn ist ein zutiefst unsoziales Projekt“, sagte Jutta Matysek von der Bürgerinitiative „Rettet die Lobau – Natur statt Beton“. Steigende Preise im öffentlichen Verkehr stünden im krassen Gegensatz zu den Investitionen in klimaschädliche Infrastruktur.
Kunst und Kultur als Stimme des Protests
Neben den politischen und wissenschaftlichen Beiträgen setzte auch die Kunst ein starkes Zeichen: Musiker Willy Vranovsky präsentierte erstmals live die Lobau-Hymne "Retten wir die LobAu" (https://youtu.be/_Rv_b9VbQ2A), während Barbara Deißenberger, der Liedermacher „Simon“ und die A4F-Streetband für eine eindrucksvolle kulturelle Begleitung sorgten.
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