16.05.2018, 15:34 Uhr

Unterwasserpflanzen haben Alte Donau fest im Griff

Der Kaisermühlner Norbert Kainc im Bereich des Gänsehäufels, wo die Makrophyten mittlerweile in Durchkommen mit Elektrobooten unmöglich machen. (Foto: Kainc)

Teile der Alten Donau sind durch Unterwasserpflanzen, so genannten Makrophyten, überwuchert. Bootsverleiher und-besitzer schlagen Alarm: "Es muss öfter gemäht werden!"

DONAUSTADT. Wenn der Kaisermühlner Norbert Kainc derzeit mit seinem Elektroboot rausfährt, vergeht ihm bereits nach wenigen Metern der Spaß. Dichte Unterwasserpflanzen, die bis an die Wasseroberfläche ragen, machen ein Durchkommen mit dem Boot an vielen Stellen unmöglich. Kainc: "So schlimm wie heuer war es noch nie! Nach zehn Metern muss man seinen Propeller von den Pflanzen befreien, weil sonst der Motor abbrennt." Schuld an der Problematik sind Makrophyten, die zwar für eine gute Wasserqualität in der Alten Donau sorgen, aber das Schwimmen und Boot fahren derzeit zum Wagnis machen.

Das bestätigt auch Rudi Dragan, der seit vielen Jahren eine Bootseinstellung in Kaisermühlen hat: "Viele meiner Kunden wollen gar nicht mehr rausfahren, weil sie mit ihren Booten stecken bleiben oder nicht weiterkommen. Auf Beschwerden bei den zuständigen Stellen wird wenig bis gar nicht reagiert." Konkret betrifft das Problem vor allem die Bereiche beim Laberlweg in Kaisermühlen sowie bei der Gänsehäufelbrücke, die man mit Elektrobooten seit Wochen nicht richtig befahren kann.

Zu wenig Mähboote im Einsatz

Den Grund für den immensen Wuchs von Unterwasserpflanzen in der Alten Donau ortet Marianne Kukla vom Bootsverleih Kukis Kombüse in einem Versäumnis des Wiener Gewässer Managements. "Sie haben heuer eindeutig zu spät angefangen zu mähen und jetzt werden sie dem Ganzen nicht mehr Herr. Die Makrophyten wachsen so schnell, dass man mit dem Mähen nicht mehr nachkommt." Martina Herz vom verantwortlichen Gewässer Management meint zum Problem, dass im Herbst 2017 und im Frühjahr 2018 in einigen Bereichen Rodungen sowie im April 2018 eine Tiefenmahd in Teilbereichen der unteren und oberen Alten Donau durchgeführt wurde. Außerdem seien seit Anfang Mai verstärkt Mähboote im Einsatz. "In der Alten Donau sind parallel Mähboote in der oberen und unteren Alten Donau unterwegs, welche schrittweise die vorgegebenen Teilbereiche abarbeiten. Aktuell befinden sich Mähboote im Bereich unterhalb der Kagraner Brücke Richtung Gänsehäufel."

Ein weiteres Problem besteht laut Wiener Gewässermanagement in der überdurchschnittlichen Wärme im April und Mai, da dadurch das Wachstum der unbeliebten Unterwasserpflanzen gefördert wird. "Dadurch befindet sich mehr Biomasse in der Alten Donau. Deshalb muss ein verstärktes Augenmerk auch auf das Sammeln des abgeschnittenen Mähgutes gelegt werden", so Herz.

Rettungsaktionen für Bootsmieter

Dass aktuell nicht nur Schwimmen in einigen Bereichen der Alten Donau schwer bis unmöglich geworden ist, zeigt die Erfahrung von Marianne Kukla an sonnigen Tagen. "Jeder zweite Mieter, der bei uns mit dem Elektroboot rausfährt, beschwert sich im Anschluss daran, dass er hängen geblieben ist oder den Propeller ständig reinigen musste. Wir können dann nur sagen, dass wir zwar für die Stege und Boote verantwortlich sind, das Wasser und die Algenproblematik jedoch nicht in unsere Zuständigkeit fallen." Als Lösung wurde Kukla seitens des Gewässer Managaments angeboten, einen Mähbalken an ihre Boote zu montieren, um die Algen so zu entfernen, doch auch das ist bei dem dichten Wuchs nicht möglich, da nur Benzinboote durchkommen würden. Diese sind jedoch auf der Alten Donau verboten.

Für Abhilfe bei den Stegen des Bootsverleihs haben Taucher der Feuerwehr gesorgt, die Kukla privat bezahlen musste. "Die haben mir die Pflanzen am Grund abgeschnitten, damit hab ich zumindest bei meinen Stegen etwas Ruhe, aber dort, wo die Bootsmieter oft hinfahren, stehen die Pflanzen immer noch meterhoch." Im schlimmsten Fall müssen Mitarbeiter von Marianna Kukla sogar Rettung für gestrandete Mieter spielen, wenn es kein Entkommen mehr aus den dichten Pflanzen gibt. "Wenn es so weitergeht, muss ich irgendwann sogar überlegen, keine Elektroboote mehr zu vermieten, was natürlich eine große finanzielle Einbuße mit sich bringen würde." Für den Bootsbesitzer Norbert Kainc steht jedenfalls fest, dass nur großflächige Mähaktionen, die auch mal tagelang vonstatten gehen, zu einer Entspannung der Lage beitragen würden. "Sonst wird aus dem Freizeitparadies Alte Donau langsam aber sicher eine Krötenlacke", so Kainc.
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